Agentenrekrutierung im 21. Jahrhundert: Heute startet die Gamescom 2026

Die Gamescom in Köln ist die größte Computerspiel-Messe der Welt. Den gewaltigen Andrang von über 300.000 Besuchern nutzen Behörden, Technologiekonzerne und IT-Dienstleister, um nach neuen Angestellten zu suchen. Auch die deutschen Geheimdienste sind vor Ort und werben mit kreativen Methoden um neue Agenten.

Sind Gamer potenzielle Agenten und Spione?

Seit 2009 zieht die Gamescon jedes Jahr im August Gaming-Begeisterte, Fachbesucher und Medienvertreter an. Vom 26.–30. August 2026 werden auf dem Gelände der Koelnmesse wieder die neuesten Spiele, Konsolen und Software-Innovationen präsentiert. In Halle 10.1 stellen sich auf der jobs & career Stage zudem unterschiedlichste Arbeitgeber vor: unter anderem die Bundesbank, DATEV, Atruvia, Rheinmetall – und BND und BfV.

Logo Gamescon
Logo der Gamescon

Die deutschen Geheimdienste suchen gezielt unter Gamerinnen und Gamern nach neuen Agenten und IT-Spezialisten. Der BND ist schon seit einigen Jahren mit einem Stand vor Ort, denn der Geheimdienst sieht große Überschneidungen zwischen Gamern und Spionen. Sie seien technikaffin und schlüpfen gerne in verschiedene Rollen, so BND-Sprecherin Julia Linner. Es sei daher naheliegend, dass es vielen Gamern liege, Missionen zu erfüllen und sich wiederholt an Herausforderungen zu versuchen, bis sie diese meistern.

BND-Computerspiel als „Einstellungstest“

Der Bundesnachrichtendienst hat sogar ein Spiel rund um die Themen Stealth und Hacking entwickelt: Besucher können BND-Legenden: Operation Blackbox am Gamescom-Stand des BND ausprobieren. In diesem Stealth-Spiel schlüpfen die Spieler in die Rolle eines Undercover-Agenten, der einen Cyberangriff in einem fiktiven Schurkenstaat abwenden muss. Zur Gamescom 2026 kommt mit Data Extraction ein neues Level mit Minigame hinzu, bei dem es um Mustererkennung, Konzentration und Schnelligkeit geht.

Trailer zur Erweiterung des BND-Spiels “Operations Blackbox”

Die Spieler müssen sich durch militärische Einrichtungen bewegen, Überwachungsdrohnen ausweichen und sich mithilfe eines Hackers sowie eines Geografie-Experten Sicherheitscodes einprägen. Vielversprechende Kandidaten werden eingeladen, eine fünfstufige Challenge zu absolvieren, die darauf ausgelegt ist, ihre Eignung für Cybersicherheit und Hacking zu prüfen.

BfV ist „Im Auftrag der Demokratie“ vertreten

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz nutzt die weltweit größte Gaming-Messe gezielt für die Nachwuchs- und Personalgewinnung von IT-Spezialisten, Analysten und Tech-Talenten sowie für die Präventionsarbeit gegen Extremismus im Netz. Unter dem Slogan „Im Auftrag der Demokratie“ informiert der Geheimdienst über Einstiegsmöglichkeiten und Studiengänge im Sicherheitsbereich.

Ein zentrales Thema ist die Aufklärung über extremistische Cyber-Propaganda. In diesem Kontext wird unter anderem das interaktive Mobile Game Wer ist Bilal? vorgestellt, das Jugendliche spielerisch für die Gefahren islamistischer Radikalisierung und Desinformation sensibilisieren soll. Entwickelt wurde es gemeinsam mit dem Verfassungsschutz und der Berliner Agentur Paintbucket Games.

Wer sich als Besucher der Gamescon nicht sicher ist, mit wem er es in Gesprächen gerade zu tun hat, ein Hinweis: Im Gegensatz zu den meisten anderen Messebesuchern tragen die Geheimdienst-Mitarbeiter der Gamescom keine Namensschilder.

Rekrutierungskampagne in Umbruchzeit

Die Rekrutierungskampagnen der Geheimdienste fallen in eine Zeit, in der die deutsche Regierung den BND stärken und ihm mit dem neuen BND-Gesetz erweiterte Befugnisse zur Reaktion auf russische Cyberangriffe verleihen will. Dazu gehört unter anderem eine „Hack-back“-Regelung, die es dem Dienst ermöglichen würde, auf Cyberangriffe mit eigenen Gegenangriffen zu reagieren. Dies könnte beispielsweise Angriffe auf Datenbanken ausländischer Nachrichtendienste oder auf Netzwerke der Waffenproduktion umfassen.

Eine Podiumsdiskussion mit Experten wird sich im Deutschen Spionagemuseum am 10. November 2026 im Detail mit den Inhalten, Chancen und Risiken des neuen BND-Gesetzes beschäftigen.


Autor: Florian Schimikowski

Veröffentlicht am: 26.08.2026