Die Akte BND: Die schwersten Skandale in der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes

Die Festnahme des ehemaligen BND-Präsidenten August Hanning wegen Spionageverdacht schockiert die deutsche Geheimdienstwelt. Seit seiner Gründung ist der deutsche Auslandsgeheimdienst immer wieder von Maulwurf-Affären, illegalen Überwachungen und gravierenden Sicherheitslecks erschüttert worden. Wir zeigen eine Übersicht der folgenschwersten BND-Spionageskandale.

Der Fall Heinz Felfe (1961)

Es gilt als einer der verheerendsten Verratsfälle der bundesdeutschen Geschichte: Heinz Felfe. Felfe leitete beim BND das Referat „Gegenspionage Sowjetunion“, dessen Kernaufgabe es war, die Infiltration der BRD sowie des BND durch sowjetische Geheimdienste abzuwehren und feindliche Spione zu enttarnen. Tatsächlich war er selbst ein Spion des sowjetischen Geheimdienstes KGB.

Über ein Jahrzehnt hinweg lieferte Felfe Staatsgeheimnisse und BND-Geheimberichte nach Moskau. Er ließ unzählige Operationen des Westens und hunderte Identitäten von westlichen Agenten im Ostblock auffliegen. Seine Festnahme im November 1961 stürzte den noch jungen Geheimdienst in eine tiefe Vertrauenskrise gegenüber den westlichen Alliierten.

Der Journalisten-Skandal (2005)

2005 musste der damalige BND-Präsident August Hanning öffentlich einräumen, dass sein Geheimdienst über Jahre hinweg rechtswidrig agiert hatte. Um Informationslecks innerhalb der eigenen Behörde aufzuspüren, ließen BND-Mitarbeiter zwischen 1993 und 1998 mehrere deutsche Journalisten bespitzeln und überwachen.

Die Affäre löste weitreichende parlamentarische Untersuchungen und heftige Debatten über die mangelnde Kontrolle des Dienstes aus. BND-Chef August Hanning musste sich öffentlich bei betroffenen Publizisten entschuldigen. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss rügte das Vorgehen als illegalen Eingriff in die Pressefreiheit.

Logo des BND (seit 2024)
Aktuelles Logo des BND

Die CIA-Spionage und die NSA-Affäre (2013–2015)

Die weltweiten Enthüllungen von Edward Snowden im Jahr 2013 brachten auch den BND in Bedrängnis. Es stellte sich heraus, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst über Jahre hinweg eine unzulässig enge und rechtlich fragwürdige Kooperation mit dem US-Geheimdienst NSA pflegte.

Der BND half der NSA dabei, anhand sogenannter „Selektoren“ (Suchbegriffe wie IP-Adressen oder Telefonnummern) befreundete EU-Staaten, Institutionen und ausländische Regierungen auszuspähen. Der Vorfall löste eine schwere Staatsaffäre aus und führte zu einer grundlegenden Reform der gesetzlichen BND-Kontrolle.

Der Fall Markus R. (2014)

Im Jahr 2014 wurde öffentlich, dass der BND-Mitarbeiter Markus R. über Jahre hinweg als Maulwurf für den US-amerikanischen Geheimdienst CIA gearbeitet hatte. Zwischen 2008 und 2014 entwendete der in der Poststelle des BND beschäftigte Mitarbeiter mehr als 200 hochsensible Dokumente, darunter eine digitale Liste mit den echten Namen und Tarnnamen von rund 3.500 deutschen Agenten im Ausland. Er verkaufte diese Informationen für mindestens 95.000 Euro an die USA.

Markus R. flog auf, als er versuchte, seine Dienste auch dem russischen Geheimdienst anzubieten. Im anschließenden Prozess wurde er zu acht Jahren Haft verurteilt. Der Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Berlin und Washington.

Fassade der BND-Zentrale in Berlin
BND-Zentrale in Berlin und blickdichten Fenstern

Der Fall Carsten L. (2022)

Mitten im aufflammenden Ukraine-Konflikt wurde im Dezember der hochrangige BND-Mitarbeiter Carsten L. festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm besonders schweren Landesverrat vor. Er soll streng geheime interne Dokumente und sensible Lageeinschätzungen beschafft und an den russischen Geheimdienst FSB übermittelt haben.

Carsten L. hatte Zugriff auf sensible BND-Daten und leitete gemeinsam mit einem Komplizen, dem Geschäftsmann Arthur E., geheime Dokumente an den russischen Inlandgeheimdienst FSB weiter. Der damalige BND-Chef Bruno Kahl sprach von einem immensen Reputationsschaden für die Kooperation mit internationalen Partnern, da sensible Erkenntnisse über den Ukraine-Konflikt direkt nach Moskau geflossen waren.

Die Affäre August Hanning (2026)

Der jüngste BND-Spionageskandal: Im Oktober 2026 nahmen Ermittler nahmen den ehemaligen BND-Präsidenten August Hanning wegen des Verdachts auf Spionage und versuchten Landesverrat fest. Ihm wird vorgeworfen, über seinen ehemaligen Büroleiter über Jahre hinweg bis 2022 kontinuierlich geheimes Material aus der Berliner BND-Zentrale bezogen zu haben.

Hanning soll sensible BND-Unterlagen im Rahmen privater Beratertätigkeiten kommerziell verwertet und politische Informationen an Angehörige ausländischer Dienste weitergegeben haben. Dazu zählen unter anderem Lageeinschätzungen zum russischen Militär und Papiere zum iranischen Atomprogramm. Für den aktuellen BND-Präsidenten Martin Jäger bedeutet dieser Fall eine fundamentale Bewährungsprobe bei der internen Spionageabwehr.


Bilder: Logo BND: BND | BND-Zentrale: Andi-Weiland, CC-BY-SA-4, via Wikimedia Commons

Autor: Florian Schimikowski

Veröffentlicht am: 07.10.2026