Die Sicherheitslage in Europa hat sich zuletzt durch den Ukraine-Krieg, hybride Bedrohungen und Unstimmigkeiten mit den USA stark verändert. Schweden als jüngstes NATO-Mitglied plant nun die Gründung eines neuen Auslandsgeheimdienstes, um den aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden.
Die Neuausrichtung der schwedischen Außenpolitik macht deutlich, wie stark sich in den vergangenen Jahren die politische Realität in Europa verändert hat. Nicht nur in der Ukraine wird gekämpft, sondern auch viele andere europäische Länder sind von hybrider Kriegsführung mit Propagandaaktionen und Sabotageakten betroffen.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen gab die schwedische Regierung nach zwei Jahrhunderten ihre militärische Bündnisfreiheit auf und trat 2024 der NATO bei. Diese Woche wurde nun bekannt, dass man zudem plane, einen neuen zivilen Geheimdienst zur Abwehr ausländischer Bedrohungen einzurichten.

Der neue Geheimdienst soll den Namen Sveriges utrikes underrättelsetjänst (dt. schwedischer Auslandsnachrichtendienst), kurz UND tragen. Bereits im Januar 2027 soll er die Arbeit aufnehmen. Strukturelles Vorbild ist der britische Auslandsgeheimdienst MI6. Mit der Maßnahme will Schweden seine Nachrichtendienste nach der Kritik, den Einmarsch in der Ukraine nicht vorausgesehen zu haben, neu aufstellen.
Einen zivilen Auslandsnachrichtendienst gab es bisher in Schweden nicht. Die schwedische Geheimdienststruktur umfasste bisher:


Wappen der schwedischen Geheimdienste Säpo und MUST
Der neue Geheimdienst UND soll Aufgaben vom derzeitigen Militärgeheimdienst MUST übernehmen, wobei der Fokus auf der Informationsbeschaffung im Ausland liegen wird. Die Zusammenarbeit mit dem inländischen Sicherheitsdienst SÄPO soll intensiviert werden.
Die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard sagte dazu: „Während des andauernden Krieges in der Ukraine ist sehr deutlich geworden, dass ein Informationsvorsprung sowie die Fähigkeit, verschiedene technische Systeme rasch und kontinuierlich anzupassen, ebenso entscheidend sind wie hochentwickelte Waffensysteme.“ In diesem Sinne solle die Umstrukturierung Schwedens Fähigkeiten im Bereich Aufklärung stärken und die Koordination mit anderen NATO-Partnern verbessern.
Angesichts der aktuellen Enwickungen gibt es zudem auf EU-Ebene Pläne zur Einrichtung einer neuen Geheimdiensteinheit beziehungsweise einer besseren Vernetzung nationaler Nachrichtendienste. Ziel ist es, den Informationsaustausch zu verbessern und unabhängiger von den USA zu agieren.
Ganz aktuell plant die deutsche Bundesregierung eine tiefgreifende Reform des Bundesnachrichtendienstes (BND). Diese beinhaltet erweiterte Befugnisse für Agenten, darunter Cyber- und Hackingangriffe sowie operative Maßnahmen, um die Unabhängigkeit von anderen Diensten zu erhöhen.
Wer sich darüber vertieft informieren möchte: Am 25. Juni 2026 diskutieren Experten bei einer Podiumsdiskussion im Deutschen Spionagemuseum über das neue BND-Gesetz.
Bilder: Schwedische Flagge: Bild von Unif auf Pixabay | Wappen Säpo & MUST: Lokal_Profil, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons
Autor: Florian Schimikowski
Veröffentlicht am: 08.05.2026