Spionage gibt es in allen Lebensbereichen, auch im Sport. Zum Beginn der Weltmeisterschaft im Herrenfußball 2026 zeigen wir einige der Spionageaktionen aus der Welt des Fußballs: von Stasi-Spitzeln und getarnten Scouts über Drohnentechnik bis hin zu digitalem Datendiebstahl.
Im Kalten Krieg standen DDR-Fußballspieler vor allem bei Spielen im Ausland im Visier der DDR-Staatssicherheit. Um „Republikfluchten“ zu verhindern, wurden die Mannschaften bei Spielen im westlichen Ausland auf Schritt und Tritt bewacht. Die Spieler wurden untereinander als Spitzel eingesetzt. Außerdem nutzen KGB und die DDR-Staatssicherheit internationale Fußballturniere, um westliche Delegationen auszuspionieren.
Nachdem Lutz Eigendorf vom BFC Dynamo 1979 nach einem Spiel in Gießen in die BRD floh, stufte ihn die DDR-Staatssicherheit als Verräter ein. Er wurde jahrelang observiert und starb 1983 unter bis heute ungeklärten, mutmaßlichen Mordumständen.

1983 setzten sich Falko Götz und Dirk Schlegel vom BFC Dynamo vor einem Europapokalspiel in Belgrad über die dortige Botschaft der BRD ab. Sie unterschrieben bei Bayer 04 Leverkusen und wurden daraufhin von der DDR-Staatssicherheit observiert. Man versuchte erfolglos, sie über Mittelsmänner zur Rückkehr in die DDR zu bewegen.
Im Wintertrainingslager des Hamburger SV in Dubai mischte sich 2015 ein Unbekannter unter die Reporter. Er machte eifrig Notizen beim Geheimtraining und setzte sich sogar in die offizielle Pressekonferenz. Aufmerksame Journalisten enttarnten den Mann im Shuttle-Bus schließlich als Scout des 1. FC Köln.
2018 surrte vor einem Duell in der Bundesliga eine Drohne über dem abgesperrten Trainingsplatz der TSG Hoffenheim. Die herbeigerufene Polizei konnte den Piloten dingfest machen. Es stellte sich heraus, dass ein Scout von Werder Bremen die Drohne steigen ließ, um das geheime Abschlusstraining zu filmen. Werder Bremen entschuldigte sich offiziell, der verantwortliche Scout wurde intern sanktioniert.
Vor einem Topspiel der zweiten englischen Liga im Jahr 2019 ließ Leeds United-Trainer Marcelo Bielsa das Training von Derby County ausspionieren. Ein Mitarbeiter von Leeds United wurde von der Polizei mit einer Kneifzange und einem Fernglas am Trainingsgelände von Derby aufgegriffen. Bielsa berief daraufhin eine Pressekonferenz ein, gab die Spionage offen zu und zeigte den Medien stundenlang seine detaillierten Taktik-Analysen des Gegners. Leeds United musste eine Geldstrafe von 200.000 Pfund zahlen. Als Nationaltrainer von Urugay ist Bielsa auch bei der WM 2026 dabei.
Selbst IT-Spionage ist in der Fußballwelt anzutreffen: Ein ehemaliger Mitarbeiter von RB Leipzig, der zu Eintracht Frankfurt gewechselt war, nutzte 2019 monatelang weiterhin seine alten Zugangsdaten für die Scouting-Datenbank der Leipziger. Er konnte so sensible Leistungsbewertungen und Scouting-Ziele einsehen. Die Folge war eine umfangreiche Schadensersatzklage durch RB Leipzig.

Während der Olympischen Spiele 2024 in Paris nutzte die kanadische Frauen-Nationalmannschaft eine Drohne, um das Geheimtraining des Auftaktgegners Neuseeland auszuspionieren. Ein Videoanalyst wurde dabei erwischt und festgenommen. Als Konsequenz wurde die Cheftrainerin Bev Priestman suspendiert. Dem kanadischen Team wurden von der FIFA sechs Punkte im laufenden Turnier abgezogen.
Der jüngste und finanziell folgenreichste Skandal traf den FC Southampton. Vor dem Halbfinale der Championship-Playoffs 2026 filmte ein Mitarbeiter des FC Southampton illegal das Training des Gegners FC Middlesbrough und fotografierte Taktikpläne. Die English Football League griff hart durch und schloss Southampton komplett vom Playoff-Finale um den Aufstieg in die Premier League aus. Zudem gab es vier Punkte Abzug für die Folgesaison.
Ein weiterer Spionagefall mit Fußballbezug (auch wenn es dabei nicht um das Thema Fußball ging) dreht sich um BND-Referatsleiter Carsten L. Viele Jahre lebte er unauffällig in der bayerischen Kleinstadt Weilheim und engagierte sich dort als Jugendtrainer.
Seine Tätigkeit beim BND hielt er geheim und noch mehr sein Leben als Doppelagent. Im Dezember 2022 wurde er verhaftet und beschuldigt, streng geheime Informationen des BND an den russischen Geheimdienst FSB weitergegeben zu haben. Der Prozess vor dem Berliner Kammergericht dauert noch an.
Bilder: Titelbild Fußballfeld: NoName_13, Pixabay | DDR-Nationalmannschaft: Bundesarchiv, Bild 183-T1020-0300 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0 | Drohne: grunzibaer, Pixabay
Autor: Florian Schimikowski
Veröffentlicht am: 11.06.2026