Rückblick: Die letzten Geheimnisse! Operation Gold – Der Berliner Spionagetunnel

Operation Gold war eine der spektakulärsten Spionageoperationen im Berlin des Kalten Kriegs. Eine außergewöhnlicher Archivfund ist nun Grundlage einer aktuellen Publikation und bringt neue Details zur Operation ans Licht. Am 21. April 2026 stellten die Autoren das Buch im Deutschen Spionagemuseum vor.

Operation Gold: Wie CIA und MI6 den Untergrund Berlins anzapften

Die Operation Gold war eine spektakuläre Spionageaktion von CIA und MI6, bei der ein ca. 450 Meter langer Tunnel von Berlin-Rudow (West-Berlin) unter die Grenze nach Altglienicke (Ost-Berlin) gegraben wurde. Ziel war das Anzapfen von Fernmeldekabeln der sowjetischen Armee, um deren Kommunikation mit Moskau zu überwachen. Das verdeckte Graben des begehbaren Tunnels sechs Meter unter der Erdoberfläche war eine technische Meisterleistung. 

Der Tunnel war von Mai 1955 bis April 1956 in Betrieb, obwohl die Operation frühzeitig durch den Doppelagenten George Blake an den KGB verraten worden war. Zum Schutz des Doppelagenten ließ der KGB die CIA und den MI6 absichtlich gewähren. Erst nach elf Monaten, am 21. April 1956, „entdeckten“ sowjetische Truppen den Tunnel offiziell bei angeblichen Reparaturarbeiten an Erdkabeln. 

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Podiumsgäste im Deutschen Spionagemuseum: Helmut Müller-Enbergs, Sven Felix Kellerhof und Dietmar Arnold (v.l.n.r.)

Obwohl der KGB Bescheid wusste, lieferte der Tunnel den westlichen Diensten enorme Mengen wichtiger Information, da die sowjetischen Militärnutzer der Leitungen nichts vom Verrat ahnten. So wurden über 440.000 Telefonate aufgezeichnet, es fielen etwa 25 Tonnen Tonbandmaterial zur Auswertung an. 

Die Sowjetunion nutzte die Enttarnung des Tunnels für eine massive Propagandakampagne, um die „völkerrechtswidrige Spionage“ des Westens anzuprangern. Es entwickelte sich ein regelrechter Tunneltourismus: Insgesamt kamen über 50.000 Besucher zum Tunnel, es wurde sogar eine eigene Broschüre mit dem Titel Die Tunnelspione erstellt. Erst dann wurde die Technik abgebaut, zum Teil in der DDR weiter verwendet und der Tunnel geriet in Vergessenheit.

Neue Einblicke durch verschollenen DDR-Bericht

Das neue Buch Operation Gold – Der Spionagetunnel in Berlin vom Berliner Unterwelten e.V. erschien 2026 zum 70. Jahrestag der Entdeckung des Tunnels. Es basiert auf einer umfassenden Dokumentation, die ursprünglich für den DDR-Innenminister Karl Maron angefertigt wurde, und liefert detaillierte Einblicke in die Planungs- und Abhörphase. Die Autoren Dietmar Arnold und Helmut Müller-Enbergs lieferten im Spionagemuseum unter der Moderation des Journalisten Sven Felix Kellerhoff erste Einblicke in die Dokumente.

Podiumsgespräch Veranstaltung zum Berliner Spionagetunnel 3

Die Dokumentation galt jahrzehntelang als verschollen und schlummerte unerkannt in den Archiven des Berliner Unterwelten e.V. Besonders spannend ist das umfangreiche Bildmaterial: Das Buch enthält 181 Abbildungen, darunter viele bisher unbekannte Fotos aus DDR-Beständen. Diese zeigen den Tunnel aus der Luft, vom Boden und von innen und dokumentieren sowohl den Bau als auch die spätere propagandistische Ausschlachtung nach der Entdeckung. Außerdem liefert der Bericht präzisere Einblicke in die Funktionsweise des Tunnels und die Umstände, wie die sowjetischen Dienste ihn letztlich aufspürten. 

Abschließend beschäftigt sich die Publikation mit der Geschichte des Tunnelreste nach dem Mauerfall. So wird enthüllt, dass 1995 über 100 Meter des Tunnels auf ehemaligen West-Berliner Gebiet achtlos entsorgt wurden. Im Rahmen der Buchvorstellung wurde zudem der Kurzfilm „Die Grabungen von 1997“ gezeigt, der die damaligen Bemühungen zur Freilegung der Tunnelreste dokumentiert.

Die neuen Erkenntnisse bekräftigen, dass der Berliner Spionagetunnel weit mehr als nur ein Abhörprojekt war, sondern eine der kühnsten Operationen des Kalten Krieges.


Autor: Florian Schimikowski

Veröffentlicht am: 30.04.2026