Spanischer Geheimdienst entschlüsselt historischen Code

Manche Codierungen wie die der berühmten Enigma wurden schnell geknackt, an anderen beißen sich Experten jahre- oder sogar jahrhundertlang die Zähne aus. Umso spannender ist es dann, wenn ein uraltes Rätsel gelüftet wird und sein Geheimnis preisgibt. Schon immer sitzen bei Nachrichtendiensten fähige Kryptografie-Experten, die sich intensiv mit dem Ver- und Entschlüsseln codierter Nachrichten beschäftigen. Dem spanischen Geheimdienst Centro Nacional de Inteligencia (CNI) ist es nun gelungen, einen königlichen Briefwechsel zu entschlüsseln.

Militärische Nachrichten wurden schon in der Antike verschlüsselt, um dem Gegner keinen Einblick auf strategische Informationen zu geben. Aus diesem Grund kommunizierten auch König Ferdinand II von Aragón (1452–1516) und sein Kommandeur Gonzalo Fernandez de Córdoba (1453–1515) mit chiffrierten Briefen. Hintergrund der geheimen Kommunikation waren spanische und französische Machtkämpfe um Gebiete in Süditalien. Gonzalo Fernandez de Córdoba agierte als Kommandeur der Spanier in Italien und tauschte sich in den besagten Briefen mit seinem König aus.

Es handelt sich um vier Briefe aus der Zeit um 1500, die zum Teil viele Seiten lang sind. Die Geheimschrift war recht raffiniert, ein halbes Jahr mussten die Experten tüfteln, bevor sie den Code knacken konnten. Der König und sein Kommandeur nutzten 88 unterschiedliche Symbole sowie 237 Buchstabenkombinationen. Damit keine Rückschlüsse auf die Wortlänge oder die Satzstruktur gewonnen werden konnten, gab es weder Leerzeichen noch Satzzeichen. Die spanischen Codeknacker hatten einen großen Vorteil: Für eine Passage eines Briefes fand sich eine Übersetzung. Dadurch ergab sich ein erster Rückschluss darauf, wie die Geheimschrift konstruiert wurde. Diese Übersetzungen wirkten sich wie der „Stein von Rosetta“, der zur Entschlüsselung der Hieroglyphen beitrug, auf die Arbeit der Nachrichtendienstler aus.

Das Ergebnis: Der Inhalt der Briefe drehte sich um militärische, politische, und juristische Angelegenheiten. Vor allem wurden darin Manöver erwähnt, die heute als ausschlagegebend für den spanischen Sieg angesehen werden. So hatte vermutlich auch die jetzt entschlüsselte Geheimschrift ihren Teil dazu beigetragen, den militärischen Konflikt zu entscheiden. Vielleicht liefert die Entschlüsselung in Zukunft zudem weitere Ansätze, andere Geheimdokumente zu dechiffrieren. Es ist unwahrscheinlich, dass ein so wirkungsvoller Code nur einmal zur Anwendung kam. Das Deutsche Spionagemuseum wird weiter über Details der spanischen Geheimschrift und andere kryptografische Enthüllungen berichten.