Serientipp: Berlin Station – Agententhriller in der Hauptstadt der Spione

Filme und Serien über die spannende Geschichte der Agentenhochburg Berlin im Kalten Krieg existieren zu Hauf – erst dieses Jahr kam „Atomic Blonde“ in die Kinos. Seit dem 16. Oktober 2017 gibt es nun auch eine Agentenserie mit dem Handlungsgort Berlin, die in der Gegenwart spielt: Berlin Station. Die erste Staffel der US-Serie wurde von November 2015 bis April 2016 in Berlin und Potsdam produziert. In den USA lief Berlin Station bereits im Oktober 2016, seit dem 16. Oktober 2016 ist sie auf Netflix auch in Deutschland zu sehen.

Die Handlung dreht sich um die Enthüllungen des Whistleblowers Thomas Shaw, der die Identitäten von in Berlin tätigen CIA-Agenten und V-Leuten aufdeckt. Hauptakteur ist der CIA-Analyst Daniel Miller (Richard Armitage), der undercover aus den USA nach Berlin geschickt wird, um dem Whistleblower das Handwerk zu legen. Armitage hat in Sachen Agentenfilmen bereits Erfahrung vorzuweisen, den er wirkte in der BBC-Serie „Spooks – Im Visier des MI5“ mit. Den meisten Zuschauer wird er aber als Thorin Eichenschild aus „Der Hobbit“ bekannt sein. Auch ein deutscher Darsteller gehört zu den Hauptdarstellern: Sabin Tambrea spielt den mysteriösen Whistleblower Thomas Shaw. Für Dramatik sorgt zudem Rhys Ifans als CIA-Agent Hector DeJean mit seinem dubiosen Schattenleben. Der Titel der Serie bezieht sich auf die Niederlassung des CIA in Berlin, die sich laut Drehbuch innerhalb der amerikanischen Botschaft am Brandenburger Tor befindet. Doch Berlin wäre kaum die Hauptstadt der Spione, wenn nicht andere Geheimdienste, vor allem das Bundesamt für Verfassungsschutz und der Mossad, mal kooperierend, mal konkurrierend in die Tätigkeiten des CIA eingreifen würden.

Die Anfangsszene der ersten Folge findet noch mitten im modernen Touristenhotspot Potsdamer Platz statt – übrigens in Sichtweite zum Deutschen Spionagemuseum. Zahlreiche Szenen spielen aber auch in den weniger sauberen und mit Graffiti übersäten Hinterhöfen, Imbissen und Spätis der Stadt. Das alles wirkt authentisch, es wurde tatsächlich viel in der Stadt gedreht und nicht in Studiobauten. Lediglich die Innenaufnahmen wie die Büros der CIA-Zentrale oder des Verfassungsschutzes sind fiktiver Natur. Natürlich dürfen wilde Partyszenen mit bizarr verkleiden, halbnackten Menschen nicht fehlen, wie sie zu jeder tages- und Nachtzeit in Berlin stattfinden… Authentizität erhält die Serie auch dadurch, dass tatsächlich viel Deutsch gesprochen wird. Die Handlung selbst ist frei erfunden, die Geschichte verarbeitet aber die Entwicklungen der letzten Jahre wie Whistleblower, unrechtmäßige Überwachung oder Terrorismus zu einem sich verdichtenden Geflecht aus Täuschungen und Intrigen.

Wer nach den ersten beiden Folgen denkt, es handele sich um eine recht typische amerikanische Agentenserie sollte Geduld haben, Berlin Station gewinnt im Laufe der Staffel zunehmend an Tiefe und Dramatik. Die zweite Staffel der Serie wird gegenwärtig in Berlin gedreht. Netflix hat die Ausstrahlung für Oktober 2017 angekündigt.