Faktencheck: ARD-Produktion „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“

Angesichts des 100-jährigen Jubiläums der Enttarnung und Hinrichtung der wohl berühmtesten Spionin der Geschichte überrascht es wenig, dass derzeit zahlreiche neue Bücher und Dokumentationen über Margaretha Geertruida Zelle – besser bekannt als Mata Hari – erscheinen. Eine dieser neuen Produktionen hatte gestern in der ARD Premiere: „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“. Wir haben uns angeschaut, wie korrekt der Film die historischen Realitäten widerspiegelt.

Das 90-minütige Dokudrama unter der Regie von Kai Christiansen stellt neben Mata Hari (gespielt von Natalia Wörner) eine weitere Frau in den Mittelpunkt der Handlung: Dr. Elsbeth Schragmüller, Leiterin der deutschen Spionageabwehr im Ersten Weltkrieg, gespielt von Nora Waldstätten. Der Film schildert die Beziehung zwischen den sehr unterschiedlichen Frauen, beginnend mit der Spionage-Ausbildung Mata Haris unter der Leitung Schragmüllers, bis hin zur Erschießung der enttarnten Spionin. Die Persönlichkeiten könnten unterschiedlicher kaum sein, während Mata Hari die Ikone einer vergangenen Epoche darstellt, zeigt sich Schragmüller als eine Frühform der emanzipierten Frau. Gedreht wurde der Film im Schloss Bückeburg (Niedersachsen) und in Berlin. Einmal mehr dient die Hauptstadt der Spione also als Kulisse für einen Film zum Thema Geheimdienst.

Der Schwerpunkt des Dokudramas liegt eher auf dem Drama, weniger auf der Dokumentation. Die vereinzelten Einspielungen von Originalaufnahmen aus dem Stellungskrieg an den Fronten bieten im Grunde nichts Neues. Interessanter wird es da bei einigen historischen Details. Die Hintergründe zum Leben Mata Haris sind immer noch recht unklar. Das liegt einerseits an den vielen verschiedenen Versionen, die Mata Hari selbst lieferte, und andererseits an den bisher erschienenen über 200 oftmals sehr fiktionalen Büchern über sie. Ein einheitliches Bild ist so kaum möglich. Die Produzenten von „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“, Sandra Maischberger und Matthias Martens, weisen darauf hin, dass bisher geheime Akten aus dem deutschen Nachrichtendienst als Grundlage für den Film herangezogen wurden. Dieser stelle also „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ die Realität genauer dar als bisher bekannt. Leider wird zur Herkunft und zum Inhalt dieser neuen Aktenlage keine weitere Information gegeben, überprüfbar sind die neuen Fakten also (noch?) nicht. Falls es wirklich eine neue Quellenlage zu Mata Hari gibt, verwundert es ein wenig, dass diese spannende Tatsache nicht entsprechend gewürdigt und beworben wurde, sondern nur als Fußnote auftaucht.

Die Person und Geschichte Mata Haris hat im Vergleich zur historischen Forschung nicht viel Neues zu bieten. Auffallend ist, das Elsbeth Schragmüller eine deutlich dominantere Position einnimmt, als dies in der allgemeinen Geschichtsschreibung dargestellt wird. Zwar gilt sie in der Tat als Mata Haris Führungsoffizierin, ob sie allerdings sämtliche Ausbildungsinhalte sowie die Entscheidung, dass Mata Hari den enormen finanziellen Aufwand wert ist, maßgeblich mitbestimmt hat, lässt sich anhand der Quellenlage nicht eindeutig belegen. Vor allem der im Film dargestellte Vorwurf, Schragmüller habe Mata Hari schließlich gezielt durch die Franzosen enttarnen lassen, ist neu. Um die kalt berechnende Deutsche etwas menschlicher darzustellen, taucht eine weitere Geschichte auf, für die es bisher keine Hinweise gab: Schragmüller verliert ihren Verlobten in den ersten Kriegsmonaten. Auch das im Abspann erwähnt wird, Schragmüller wäre nach dem Ersten Weltkrieg eine wissenschaftliche Karriere versagt geblieben, entspricht nicht ganz den historischen Tatsachen. Immerhin war sie bis Mitte der 1930er Jahre die erste weibliche Lehrstuhlassistentin in Freiburg.

Generell lässt sich kaum erkennen, welches Detail tatsächlich durch die erwähnten neuen Quellen gestützt oder aber rein dramaturgischer Natur ist. Immerhin bietet der Film in einigen Bereichen Neuansätze, vor allem in Bezug auf Elsbeth Schragmüller, die das gängige Geschichtsbild neu definieren könnten. Ob es sich aber tatsächlich um die korrekte Darstellung der Ereignisse handelt, wird sich erst zeigen, wenn die Quellen gesichtet werden. Sicherlich wird „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ nicht die letzte Verfilmung um die legendäre Spionin sein, die zwar legendär – und hier stimmt der Film mit der gängigen Expertenmeinung überein – aber letztlich als Agentin erfolglos war. Das Deutsche Spionagemuseum wird die neuen Entwicklungen diesbezüglich weiter verfolgen.

 

Bilder:
Screenshots ARD-Produktion „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ (2017)