Zum Weltfrauentag – bedeutende Agentinnen in der Spionagegeschichte

Das Agentenhandwerk erscheint oftmals als stark männerdominiertes Genre. Doch immer wieder gab es bedeutende Agentinnen, welche ihren männlichen Kollegen nicht nur das Wasser reichen konnten, sondern sie oft sogar in den Schatten stellten. Den meisten Menschen fallen beim Thema „Frauen in der Spionage“ zuerst Mata Hari oder Anna Chapman ein. Doch deren Berühmtheit steht nicht wirklich in Relation zu ihren eher überschaubaren Spionage-Erfolgen. Die folgenden drei Beispiele von Agentinnen dagegen sind zwar unbekannter, haben dabei aber deutlich erfolgreichere Arbeitsergebnisse vorzuweisen.

Josephine Baker (1906-1975) ist vor allem als legendäre Tänzerin und Schauspielerin bekannt. Die Amerikanerin eroberte in den 20er und 30er Jahren mit ihrem für damalige Verhältnisse recht freizügigem Tanz und ihren spektakulären Outfits zuerst das Pariser Publikum und wurde dann in ganz Europa zur Berühmtheit. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Baker für den französischen Geheimdienst Deuxième Bureau und sammelte Informationen über deutsche Truppen bei Partys mit Angestellten von Ministerien und Botschaften. Nachdem die Deutschen Truppen Paris erobert hatten, musste sie die Stadt verlassen. In der Folgezeit unterstützte sie auch die Résistance im Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Als berufsbedingt herumreisende Künstlerin war es ihr möglich, unauffällig europaweit zu agieren. Die Nachrichten verbarg sie unter anderem mit unsichtbarer Tinte in ihren Notenblättern. Josephine Baker wurde aufgrund ihrer Verdienste mehrfach ausgezeichnet und erhielt nach ihrem Tod ein französisches Militärbegräbnis.

Marita Lorenz (*1939) hat eine außergewöhnliche Biografie vorzuweisen. 1959 hatte die junge Deutsche eine kurze Beziehung mit Kubas Präsident Fidel Castro. Danach wurde sie vom CIA angeheuert und sollte im Januar 1960 im Rahmen einer Mission Castro töten – wozu es aber nicht kam. Eine weitere spannende Episode ist ihre Aussage im Zusammenhang mit dem Attentat gegen US-Präsident Kennedy: Sie gab vor Gericht an, von einem Waffentransport am Vortag des Attentats gewusst zu haben, der Wert dieser Aussagen ist aber umstritten. Auch mit dem venezolanischen Diktator Marcos Pérez Jiménez hatte sie eine Beziehung. Dieser überließ ihr nach seinem Tod fünf Mio. US-Dollar, die angeblich die CIA einbehalten hat. Über ihr Leben berichten zwei Autobiographien und ein Dokumentarfilm. Ende 2017 wird es zudem eine Hollywood-Verfilmung geben, bei dem Jennifer Lawrence den Part von Marita Lorenz übernimmt. Noch vor der Premiere dieses Films plant das Deutsche Spionagemuseum eine Veranstaltung zu diesem Thema – näheres dazu wird bald unter der Rubrik „Veranstaltungen“ zu finden sein.

Gabrielle Gast (*1943) war eine der erfolgreichsten Agenten für die DDR-Auslandsspionage, der Hauptverwaltung Aufklärung (H VA). Die gebürtige Westdeutsche wurde während einer Studienreise in die DDR angeworben. Als besonders wertvoll erwies sie sich, nachdem sie 1973 begann, beim Bundesnachrichtendienst (BND) in Pullach zu arbeiten. Im Rahmen ihrer dortigen Karriere, die sie bis zur Regierungsdirektorin für das Referat „Sowjetunion“ brachte, hatte sie Zugang zu zahlreichen wertvollen Dokumenten. Ihre Arbeit zeichnete sich auch dadurch aus, dass sie diese Fülle an Dokumenten nicht im Urzustand an die H VA übermitteln konnte und daher zusammenfassende Berichte schrieb. Dies erleichterte die Auswertung der Informationen deutlich. Die außergewöhnliche Qualität und Treffsicherheit der Berichte wurde von den HV A-Verantwortlichen sehr geschätzt. Nach ihrer Enttarnung wurde sie zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Ihre Erlebnisse arbeitete sie in der Autobiographie „Kundschafterin des Friedens“ auf.

 

Foto: Cover „Lieber Fidel : mein Leben, meine Liebe, mein Verrat“ / Marita Lorenz. Unter Mitarb. von Wilfried Huismann, erschienen im Ullstein Taschenbuchverlag