Die Erfahrung, bei einem Lügendetektortest unter die Lupe genommen zu werden, können Besucher des Deutschen Spionagemuseums nun in einer aufwändig neu gestalteten und technisch optimierten interaktiven Station erleben. Aus diesem Anlass geben wir ein paar Tipps, wie Geheimdienste ihre Spione trainieren, um einen Lügendetektortest zu bestehen.
Seit den 1920er-Jahren werden die als Lügendetektoren bezeichneten Polygrafen genutzt, um Doppelagenten, Terroristen oder Kriminelle zu überführen. Doch der Mythos, dass sich Lügen durch das Messen von Körperreaktionen einwandfrei erkennen lassen, bekam schnell Risse: Nicht alle Lügner reagieren nervös, während manchem Unschuldigen beim Test die Nerven versagen. Der Einsatz von Lügendetektoren ist bis heute vor allem in den USA weit verbreitet.

Um einen Lügendetektor zu überlisten, muss man wissen, dass das Gerät keine Lügen misst, sondern lediglich körperliche Stressreaktionen aufnimmt wie Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung und Hautleitfähigkeit. Ein ausgefeilter Fragenkatalog aus harmlosen und kritischen Fragen soll diese Reaktionen bei den Personen in einem Lügendetektortest hervorrufen.
Zu Beginn eines Tests werden harmlose Fragen gestellt (z. B. nach Name, Alter, Wohnort etc.), um eine Baseline zu etablieren, also die normalen körperlichen Werte, die sich je nach Person unterscheiden können. Später im Test sollen dann Abweichungen der Körperwerte von dieser Baseline bei konkreten, kritischen Fragen dazu dienen, Lügen zu enttarnen.
Ein Ansatz zur Beeinflussung der Endergebnisse zu beeinflussen, ist es, diese Baseline zu manipulieren. Wenn die Ausgangswerte schon hoch sind, fallen spätere Steigerungen, wenn man wirklich nervös wird, weniger auf. Dazu erzeugt man bei harmlosen Fragen absichtlich eine Stressreaktion, zum Beispiel indem man dort lügt oder an etwas Unangenehmes denkt.

Eine andere Technik zielt darauf ab, die Messwerte des Geräts durch gezielte Muskelanspannung oder Schmerzreize zu verfälschen. Bekannte Tricks sind das heimliche Anspannen der Gesäßmuskulatur oder der Zehen während der Baseline-Fragen. Manche Probanden nutzen einen versteckten Reißnagel im Schuh oder beißen sich leicht auf die Zunge, um eine Schmerzreaktion auszulösen.
Mentale Strategien nutzen dagegen zum Beispiel die gedankliche Ablenkung. Bei kritischen Fragen an etwas extrem Beruhigendes oder völlig Abstraktes zu erinnern (z. B. komplizierte Matheaufgaben im Kopf lösen). So lässt sich eine emotionale Reaktion unterdrücken. Zu der mentalen Strategie gehört auch, fest an die eigene Lüge zu glauben: Wenn du dich selbst davon überzeugt, dass deine Antwort die Wahrheit ist, bleibt die typische Stressreaktion beim Lügen oft aus.
Die Zuverlässigkeit von Lügendetektortests ist umstritten. Eines der berühmtesten Beispiele, dass Schuldige einen solchen Text bestehen, lieferte der Doppelagent Aldrich Ames. Der hochrangige CIA-Mitarbeiter agierte als Doppelagent für die Sowjetunion und überlistete gleich zweimal, 1986 und 1991, Lügendetektortests.

Ames war anfangs zwar besorgt, wurde jedoch vom KGB instruiert, den Test als normales Gespräch zu betrachten und sich nicht nervös machen zu lassen. Diese psychologische Ruhe verhinderte die typischen Stressreaktionen, die ein Polygraph misst. Anstatt auf direkte Fragen mit offensichtlichen Lügen zu antworten, gelang es Ames, durch geschicktes Ausweichen oder Teilwahrheiten die physiologischen Ausschläge des Geräts in einem unauffälligen Bereich zu halten.
Da Ames fest an seine eigene Vorgehensweise glaubte und psychisch sehr stabil blieb, zeigte sein Körper bei kritischen Fragen zu seiner Spionagetätigkeit für die Sowjetunion keine signifikanten Stressanzeichen. Er bestand beide Tests trotz seiner intensiven Spionagetätigkeit für den KGB. Erst durch eine Observation ließ sich seine Spionagetätigkeit nachweisen.
Autor: Florian Schimikowski
Veröffentlicht am: 19.03.2026