Codename Farewell: Am 23. Januar 1985 wurde KGB-Doppelagent Wladimir Wetrow hingerichtet

Spionage hat den Verlauf des Kalten Krieges mehrfach stark beeinflusst. Als eine der ausschlaggebenden Spionageaktionen gilt der Geheimnisverrat des KGB-Offiziers Wladimir Wetrow an westliche Geheimdienste. Die Folgen trugen maßgeblich zur Destabilisierung des Ostblocks bei und hatten so Einfluss auf das Ende des Kalten Krieges.

Wetrows Weg zum Doppelagenten

Wetrow wurde 1932 in Moskau geboren. Nach seinem Studium der Elektronik als Ingenieur rekrutierte ihn 1957 der KGB. Unter anderem agierte er daraufhin fünf Jahre lang als Spion für Wissenschafts- und Technologieangelegenheiten in Frankreich. Ab 1970 kehrte er nach Moskau zurück und wertete in leitender Funktion für den KGB eingehende Spionageberichte aus.

Wachsende Frustration über das sowjetische System und persönliche Unstimmigkeiten mit seinen Vorgesetzten bewegten ihn 1981 dazu, Geheiminformationen über sowjetische Technologiespionage an westliche Dienste zu liefern.

KGB-Doppelagent W. Wedrow
KGB-Agent Wladimir Wetrow

In kurzer Zeit übergab er dem französischen Geheimdienst DST unter dem Decknamen Farewell 4000 Dokumente über sowjetische Spionage und Technologiediebstahl. Die Dokumente enthielten die Namen Hunderter KGB-Agenten sowie eine Auflistung der sowjetischen Spionageziele und -ergebnisse. Es ging dabei vor allem um Spionage zu Computer-, Luft- und Raumfahrttechnik sowie Mikroelektronik.

Da die Informationen sich nicht nur auf KGB-Aktionen in Frankreich beschränkten, teilte der DST die Informationen mit befreundeten Geheimdiensten. Der französische Präsident François Mitterrand informierte US-Präsident Ronald Reagan sogar persönlich beim G7-TReffen im Juli 1981 über Farewell und bot die Informationen an.

Die gefährliche Rolle als Doppelagent hinterließ bei Wetrow allerdings Spuren. Er begann stark zu trinken und reagierte zunehmend nervös auf sein KGB-geprägtes Umfeld – selbst seine Geliebte war beim KGB beschäftigt. Als er fürchtete, seine Geliebte hätte seinen Verrat bemerkt, versuchte er im Februar 1982, sie im Auto zu erstechen. Dabei wurde er von einem Hilfspolizisten überrascht, den er tötete (während seine Geliebte die Attacke letztlich überlebte).

Wetrow nach seiner Verhaftung, 1982

Wetrow wurde verhaftet und im Herbst 1982 wegen Totschlags zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Während der Haft deutete er in Briefen an, an etwas „Großem“ beteiligt gewesen zu sein. Der KGB wurde aufmerksam und es gelang daraufhin, seine Tätigkeit als Doppelagent aufzudecken. Man versprach Wetrow, dass er im Falle eines Geständnisses kein Todesurteil drohe, Wetrow ging darauf ein und gestand. Dennoch wurde er am 23. Januar 1985 wegen Hochverrats hingerichtet.

Schwerer Schlag gegen Sowjet-Spionage: Das Farewell Dossier

Wetkows Dokumente wurden unter dem Namen Farewell Dossier bekannt. Sie enthüllten zahlreiche sowjetische Geheimdienstoperationen und enttarnten Hunderte KGB-Agenten und -Quellen. Große Teile der sowjetischen Spionagebemühungen zu wissenschaftlichen, industriellen und technischen Informationen wurden durch die Enthüllungen wertlos.

Insgesamt kam es zur Ausweisung von 150 Agenten, die als Diplomaten getarnt in westlichen Ländern gearbeitet hatten. Viele der sonstigen, verdeckt im Land eingesetzten KGB-Spione mussten fliehen, einige wurden festgenommen.

Während dem G7-Gipfel in Ottawa im Juli 1981 informierte Mitterrand (3.v.r.) Reagon (4.v.l.) über Farewell

Zusätzlich ermöglichten die Informationen wirkungsvolle westliche Gegenmaßnahmen. Die CIA nutzte die Informationen, um die Sowjetunion gezielt mit fehlerhafter Technologie zu versorgen. Dies führte zu Ausfällen in sowjetischen Pipelines, Chemieanlagen und militärischer Ausrüstung und schwächte diese erheblich.

Trotz der nur kurzen Dauer von Wetrows Doppelagententätigkeit beschleunigte diese den technologischen Niedergang der Sowjetunion und trug zum Ende des Kalten Krieges bei. Die Öffentlichkeit erfuhr von den Vorgängen 1996, als die Akten dazu freigegeben wurden.


Autor: Florian Schimikowski

Veröffentlicht am: 23.01.2026