Geheimdienst-Mord mit Eispickel: Das Attentat auf Leo Trotzki am 20. August 1940

Der Mord an Leo Trotzki durch den sowjetischen Geheimdienst gehört zu den bekanntesten politischen Attentaten der Geschichte. Trotzki fiel dem Machtkampf mit Stalin zum Opfer; die internationale sozialistische Bewegung verlor damit eine ihrer charismatischsten Persönlichkeiten.

Die Personalie Leo Trotzki

Leo Trotzki (1879–1940) war ein russischer marxistischer Revolutionär, kommunistischer Theoretiker und sowjetischer Politiker. Neben Lenin war er die zentrale Führungsfigur der Oktoberrevolution 1917. Trotzki gilt als der eigentliche militärische und organisatorische Kopf hinter dem Sturz des Zaren und der Machtübernahme der Bolschewiki.

Trotzki spricht während des Polnisch-Sowjetischen Krieges zu Soldaten der Roten Armee, 1920

Nach Lenins Tod 1924 jedoch kam es zu Machtkämpfen innerhalb der sowjetischen Führungsriege. Stalin setzte sich durch und ließ in umfangreichen und brutalen Säuberungsaktionen alle potenziellen Gegner ermorden oder einsperren. Trotzki wurde 1929 aus der Sowjetunion ausgewiesen und musste sich ins Exil begeben.

Nach einer Odyssee durch mehrere europäische Länder fand Trotzki 1937 politisches Asyl in Mexiko. Vom Exil aus kritisierte er den Stalinismus als bürokratische Perversion des Kommunismus und gründete die Vierte Internationale. Dieser Zusammenschluss revolutionärer sozialistischer Gruppen sollte ein Gegenentwurf zum Stalinismus in der Sowjetunion sein.

Attentate im mexikanischen Exil

Stalin sah daher in Trotzki trotz dessen Verbannung eine dauerhafte und gefährliche Bedrohung für seine Alleinherrschaft. Er beauftragte den sowjetischen Geheimdienst NKWD, einen Vorläufer des KGB, mit der Ermordung Trotzkis. Alle folgenden Attentate auf Trotzki wurden vom NKWD gesteuert und finanziert.

Ein erstes Attentat auf Leo Trotzki fand in der Nacht zum 24. Mai 1940 in seinem Haus in Coyoacán bei Mexiko-Stadt statt. Eine Gruppe von rund 20 bewaffneten Männern unter der Führung des mexikanischen Malers David Alfaro Siqueiros drang in das Anwesen ein. Sie feuerten Hunderte Schüsse in die Zimmer von Trotzki und seiner Frau ab. Beide überlebten, weil sie sich rechtzeitig unter den Betten versteckt hatten.

Ramón Mercader, 1953

Das folgende Attentat sollte jedoch Erfolg haben: Es war dem NKWD-Agenten Ramón Mercader gelungen, unter falscher Identität mithilfe einer Liebesbeziehung zu einer Anhängerin Trotzkis in dessen engeren Kreis vorzudringen. Am 20. August 1940 bat Mercader Trotzki in dessen Arbeitszimmer, einen von ihm verfassten Text zu lesen.

Als Trotzki las, zog Mercader einen unter dem Mantel versteckten Eispickel hervor und schlug auf Trotzkis Hinterkopf ein. Trotzki konnte den Angreifer noch attackieren, verbot den herbeigeeilten Leibwächtern aber, diesen zu töten. Am folgenden Tag erlag Trotzki im Krankenhaus an seinen Verletzungen.

Die Folgen des Attentats

Mercader wurde von einem mexikanischen Gericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Da er keinerlei Reue zeigte, wurde ihm eine vorzeitige Entlassung verwehrt. Nach seiner Haftentlassung 1960 reiste Mercader in die Sowjetunion und wurde als „Held der Sowjetunion“ ausgezeichnet. Er starb 1978 in Havanna.

Stalin hatte seinen gefährlichsten Kritiker eliminiert und seine Alleinherrschaft gefestigt. Die internationale trotzkistische Bewegung verlor ihren intellektuellen Kopf und spaltete sich in der Folgezeit auf. Der Trotzkismus existiert aber als eigenständige Abspaltung des Marxismus bis heute.


Bilder: Titelbild: Rijksmuseum, CC0, via Wikimedia Commons | Trotzki vor Soldaten: Unknown author, Public domain, via Wikimedia Commons | Correio Paulistano (25 August 1953), Public domain, via Wikimedia Commons

Autor: Florian Schimikowski

Veröffentlicht am: 20.08.2026