Ein Enthüllungsbuch deckt auf, wie große deutsche Konzerne durch Abhängigkeiten und Wirtschaftsinteressen zu willigen Helfern von Putins Machtstrategie wurden. Am 23. Juni 2026 stellte die Autorin ihre Publikation im Deutschen Spionagemuseum vor und forderte ein Umdenken deutscher Entscheidungsträger.
Die renommierte deutsche Wirtschafts- und Politikjournalistin Birgit Jennen ist vor allem bekannt durch ihre langjährige Berichterstattung aus den europäischen Machtzentren. Zuletzt sorgte ihr investigatives Sachbuch Putins Marionetten. Wie geheime Netze in der deutschen Wirtschaft und Sicherheitsdienste uns an Russland ausliefern für Aufsehen.

Auf dem Podium des deutschen Spionagemuseums schilderte Jennen im Gespräch mit dem Politologen Helmut Müller-Enbergs, dass ihre Auseinandersetzung mit dem Wirecard-Untersuchungsausschuss den Anstoß zu der Publikation gegeben habe. Danach sei der Anreiz geweckt worden, weitere Recherchen durchzuführen.
Ihr Ziel sei es gewesen, aufzuarbeiten, wie Russland und dessen Geheimdienste über Jahrzehnte hinweg die deutsche Wirtschaft und Politik unterwandern konnten. Die Publikation sei eine investigative Aufarbeitung der letzten dreißig Jahre deutscher Wirtschaftspolitik. Sie solle den Bürgern und auch den deutschen Entscheidungsträgern die Augen für die Notwendigkeit einer neuen Sicherheitsstrategie öffnen.
Jennen kritisierte, dass das deutsche Exportmodell trotz Warnungen, etwa nach der Krim-Annexion 2014, rein auf dem wirtschaftlichen Profit fokussiert blieb. Die Aussicht auf billige Rohstoffe und hohe Gewinne ließ Deutschland blind für die tatsächlichen Kriegsgefahren in Europa werden. Dabei seien laut Jennen Sicherheitsinteressen sträflich ignoriert worden.
Über Jahrzehnte hinweg hätten sich deutsche Unternehmen und die Politik durch Energieprojekte wie Gazprom stark abhängig von Russland gemacht. Bei ihren Recherchen habe sich gezeigt, wie Wladimir Putin diese Abhängigkeiten nutzte.

Im Zentrum der Analyse Jennens stehen die Energiepartnerschaften, insbesondere mit Gazprom. 2022 traf es Deutschland völlig unvorbereitet, als Russland den Gashahn zudrehte. Jenne stieß auf interne Dokumente aus dem Jahr 2010, die belegen, wie Russland strategisch darauf abzielte, die deutsche Industrie in die Abhängigkeit zu zwingen.
Jenne schilderte, dass deutsche Unternehmen wie VW, Siemens, BASF oder die Deutsche Bank sowie politische Akteure diese Netzwerke toleriert und geschützt hätten und die Politik den Handel sogar als „positiven Wandel“ deklariert habe. Zum Teil sei es zudem zur Unterstützung durch deutsche Sicherheitsbehörden gekommen. Ehemalige deutsche Geheimdienstler und Politiker halfen laut Jennen dabei, den russischen Einfluss im Westen auszubauen.
Generell geht es der Journalistin nicht nur darum, die Fehler der Vergangenheit aufzuzeigen. Skandale wie Wirecard seien nur die Spitze des Eisbergs, warnte Jennen. Für die Zukunft müsse Deutschland seine Lehren aus diesen Erkenntnissen ziehen. Sie beobachte bereits Parallelen zum aktuellen Umgang mit China.
Jennen fordert daher, dass nationale Sicherheit künftig über den reinen wirtschaftlichen Profit gestellt werden muss. Nur so sei man auch gegenüber anderen autoritären Staaten wie China gewappnet.
Autor: Florian Schimikowski
Veröffentlicht am: 10.07.2026