In der aufwändigen Geheimoperation Cyclone unterstützte die CIA ab 1979 afghanische Mudschaheddin im Kampf gegen die Sowjetunion. Langfristig trug das Programm maßgeblich zur Destabilisierung der Region bei, da es den Aufstieg der Taliban, von Al-Qaida und des internationalen Dschihadismus begünstigte.
Der Kalte Krieg hatte viele Schauplätze. Ab 1978 gehörte dazu auch Afghanistan, als dort eine kommunistische, pro-sowjetische Regierung an die Macht kam. Die radikalen Reformen der neuen Regierung stießen jedoch auf massiven Widerstand in der traditionell-islamischen Bevölkerung. Die US-Regierung erkannte in diesem Unruheherd eine Möglichkeit, den Einfluss der Sowjetunion einzudämmen.

Mitte 1979 initiierte der damalige US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski daher ein verdecktes Hilfsprogramm für die aufständischen Mudschaheddin. Rasch trug das Unternehmen Früchte, doch als die kommunistische Regierung in Kabul zu stürzen drohte, marschierten Truppen der Roten Armee im Dezember 1979 in Afghanistan ein.
Die sowjetische Intervention wandelte die CIA-Operation in ein massives, milliardenschweres Unterfangen. Es war eine der längsten, teuersten und folgenreichsten verdeckten Operationen in der Geschichte des US-Geheimdienstes CIA. Das Budget der Operation stieg von anfangs wenigen Millionen auf über 630 Millionen US-Dollar jährlich im Jahr 1987.
Anfangs wurden vor allem alte Waffen wie britische Repetiergewehre gekauft, später kamen hochmoderne Waffen hinzu. Die Bandbreite der Waffen reicht von Handfeuerwaffenwie dem Sturmgewehr AK-47 über Granatwerfer bis hin zu Minen, Mörser und Panzerfäusten.

Ein entscheidender Wendepunkt im Krieg war die Lieferung von US-amerikanischen FIM-92 Stinger-Luftabwehrraketen ab 1986. Diese ermöglichten es den Mudschaheddin, die gefürchteten sowjetischen Kampfhubschrauber abzuschießen und die Lufthoheit der Besatzer zu brechen.
Um Spuren der USA zu vertuschen, kaufte der US-Geheimdienst viele Waffen im Ausland. Oft stammten diese aus sowjetischen Beständen, China, Ägypten oder wurden heimlich hergestellt. Die Verteilung der US-Waffen und Gelder lief nicht direkt über Washington, sondern wurde über den pakistanischen Geheimdienst (ISI) abgewickelt. Der ISI bevorzugte dabei radikal-islamistische Gruppierungen gegenüber gemäßigten Kräften.
Der enorme Einsatz zeigte zunächst Erfolg: Zermürbt von den hohen Kosten, militärischen Verlusten und den internationalen Sanktionen zogen sich die sowjetischen Truppen bis Februar 1989 vollständig aus Afghanistan zurück. Die Operation Cyclone war militärisch ein Coup, der zum Zusammenbruch der Sowjetunion beitrug.
Aus geopolitischer Sicht erwies sie sich jedoch als verheerende Fehlkalkulation, die Entwicklung auslöste, die bis heute das Weltgeschehen prägt: Durch das Programm wurden radikale Kämpfer aus der gesamten islamischen Welt nach Afghanistan geschleust und militärisch professionalisiert. Die so geschaffenen Netzwerke bildeten den Grundstein für den Aufstieg des internationalen Dschihadismus und das Terrornetzwerk Al-Qaida.

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen und dem Zusammenbruch der afghanischen Regierung im Jahr 1992 versank Afghanistan in einem blutigen Bürgerkrieg. Aus den ehemaligen, von den USA und Pakistan unterstützten Mudschaheddin gingen die Taliban hervor, die 1996 erstmals die Macht im Land übernahmen.
Die von der CIA geförderten Strukturen hatten wesentlichen Anteil an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Diese zogen den fast 20-jährigen Afghanistan-Krieg der NATO nach sich, der 2021 mit der erneuten Machtübernahme der Taliban endete.
Operation Cyclone gilt als Paradebeispiel dafür, wie kurzfristige geostrategische Interessen zu langanhaltender Destabilisierung und schließlich zur Bedrohung der eigenen Sicherheit führen können. Ein Bumerang-Effekt, dessen Folgen bis heute nachwirken.
Bilder: Zbigniew Brzezinski: Kightlinger, Jack E., Public domain, via Wikimedia Commons | Mudschahid mit Repetiergewehr: Erwin Franzen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons | Mudschahedin in Afghanistan: erwinlux, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Autor: Florian Schimikowski
Veröffentlicht am: 03.07.2026