In einem gemeinsamen Statement warnt das multinationale Geheimdienstbündnis der Five Eyes vor den Gefahren durch KI für die Cybersicherheit. Sie fordern die Politiker zu entschlossenem und raschem Handeln auf, um angemessen auf kommende Bedrohungen reagieren zu können.
Die Five Eyes bestehen aus den Geheimdiensten der fünf englischsprachigen Länder USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland. Die Allianz hat ihren Ursprung im Zweiten Weltkrieg und basiert auf dem sogenannten UKUSA-Abkommen von 1946 zur gemeinsamen Fernmeldeaufklärung.
Es ist einer der exklusivsten und engsten Geheimdienstverbünde der westlichen Welt und spielt auch in der heutigen Sicherheitspolitik, etwa bei der Terrorismus- und Cyberabwehr, eine zentrale Rolle. Die beteiligten Nachrichtendienste arbeiten eng zusammen und tauschen systematisch abgefangene Daten, nachrichtendienstliche Erkenntnisse und Analysen aus.

Viele Jahrzehnte lang erhielt die Allianz in der breiten Öffentlichkeit nur wenig Aufmerksamkeit. Das änderte sich 2013 mit den Enthüllungen durch den Whistleblower Edward Snowden über die massive Überwachung des globalen Daten- und Kommunikationsverkehrs durch die Five Eyes.
Die am 22. Juni 2026 von den Five Eyes veröffentlichte Erklärung lässt keine Zweifel am Ernst der Lage aufkommen: „Angesichts des rasanten Tempos der Entwicklung im Bereich der Pionier-KI können Annahmen zu Cyberrisiken bereits innerhalb von Monaten und nicht erst nach Jahren überholt sein“. Weiter heißt es: KI „senkt die Hürden für böswillige Akteure und erhöht die Geschwindigkeit und Komplexität von Angriffen“.
Die Sicherheitsbehörden Großbritanniens, der USA, Australiens, Kanadas und Neuseelands forderten Regierungen und Unternehmen nachdrücklich auf, rasch zu handeln, um sich auf die Weiterentwicklung der KI vorzubereiten: „Sicherheitsverletzungen werden auftreten. Durch gute Vorbereitung können Sie diese schnell eindämmen und verhindern, dass sie zu schwerwiegenden operativen und finanziellen Krisen eskalieren.“
Um ihre Cyberabwehr zu verbessern, sollten Unternehmen unter anderem KI-Tools in ihre Sicherheitsabläufe integrieren, veraltete Systeme aktualisieren und den Zugriff auf kritische Systeme einschränken, so die Experten.
Das Risiko durch KI-gestützte Hackerangriffe steht im Fokus, nachdem das US-Start-up Anthropic im April erklärt hatte, dass seine hochmodernen „Mythos“-KI-Modelle über beispiellose Fähigkeiten zur Aufdeckung von Software-Schwachstellen verfügten. Die Modelle sind in der Lage, Computersysteme in Minutenschnelle zu analysieren und Schwachstellen zu identifizieren.
Dadurch entstehen laut Experten auch massive Cybersicherheitsrisiken, da diese Systeme theoretisch für hochgradig effiziente Cyberangriffe missbraucht werden können. Es besteht die Gefahr, dass Kriminelle diese Fähigkeiten nutzen, um Systeme automatisiert zu hacken oder Schadcode zu entwickeln.

Interne Sicherheitstests haben gezeigt, dass die Anthropic-KI in der Lage ist, die geheimen Systeme der NSA in nur wenigen Stunden zu knacken. Diese Tatsache führte zu beispiellosen Sperrungen durch die US-Regierung. Auf Anordnung der US-Behörden hat Anthropic den Zugriff auf Mythos 5 und eine eingeschränkte Version namens Fable 5 gesperrt.
Diese Maßnahme ist bemerkenswert für die derzeitige USA-Regierung, die ansonsten darauf drängt, die Aufsicht über KI zu lockern. Auch eine gemeinsame Warnung der Five-Eyes ist ein seltenes Ereignis. Diese offiziellen Reaktionen unterstreichen die Brisanz der aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der KI.
Autor: Florian Schimikowski
Veröffentlicht am: 23.06.2026