Cyberkriminalität und Sabotage durch Cyberangriffe stellen eine zunehmende Bedrohung für deutsche Infrastrukturen dar. Wie gut Deutschland mit der aktuellen Cyberstrategie dagegen gewappnet ist, diskutierten Experten im Deutschen Spionagemuseum.
Das Thema ist hochaktuell und das Interesse dementsprechend groß – die Besucherstühle im Veranstaltungsraum des Deutschen Spionagemuseums an diesem 10. März 2026 waren voll besetzt. Auf dem Podium saßen der Politologe Raphael Bossong, ein ausgewiesener Experte für europäische Sicherheitspolitik und Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, sowie Burkhard Even, ehemaliger ziviler Vizepräsident des MAD.

Einleitend machte Bossong deutlich, dass es im Hinblick auf Cyber-Sicherheit zwei grundsätzliche Unterscheidungen gebe. Auf der einen Seite betreffe es die allgemeine Cyberkriminalität, die vor allem mit Schadsoftware Unternehmen erpresst. Auf der anderen Seite stehen Akteure im staatlichen Auftrag, die gezielte Cyberattacken zu Spionage- und Sabotagezwecken durchführen. Dies seien keineswegs immer offizielle Geheimdienste, sondern oft auch private Cyberkriminelle im staatlichen Auftrag.
Die Bedrohungslage sei den deutschen Sicherheitsbehörden seit langem bekannt. Die deutschen Regierungen hätten aber in der Vergangenheit andere Prioritäten gesetzt und zum Beispiel keine nennenswerte Reaktion gegen chinesische Spionage gezeigt. Die deutsche Wirtschaft habe ein starkes Interesse an guten chinesischen Beziehungen und man wollte die Zusammenarbeit nicht gefährden. Generell sei im Hinblick auf die deutsche IT-Sicherheit zu lange zu wenig gemacht worden.
Die Cybersicherheitsstrategie 2021 ist ein Rahmenwerk der Bundesregierung, das darauf abzielt, die IT-Sicherheit in Deutschland angesichts zunehmender Bedrohungen zu stärken. Ziel ist vor allem die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gegenüber Cyberangriffen.
Die Experten lobten vor allem die in der deutschen Cybersicherheitsstrategie 2021 vorgesehene Stärkung der digitalen Souveränität, also die Etablierung einer vertrauenswürdigen IT-Infrastruktur ohne Backdoor. Dies würde laut Even eine Unabhängigkeit gewährleisten, die derzeit noch nicht möglich sei. Zu oft müsse man sich zwischen chinesischen und amerikanischen Produkten entscheiden.

Auch die bessere Verzahnung der Akteure einer deutschen Cyber-Sicherheitsarchitektur auf Bundes-, Länder- und Unternehmensebene wurde als wichtige Marschrichtung eingestuft. Grundsätzlich bewerteten die Experten die Arbeit des Cyber-Abwehrzentrums positiv. Allerdings beschränke sich diese Bilanz auf die Bundesebene. Schwieriger sei die Lage auf Länderebene, denn viele Bundesländer (v.a. die kleineren) seien schlechter aufgestellt. Hier gäbe es im Hinblick auf Cyber-Sicherheit noch deutlich Luft nach oben.
Für erfolgreiche Cybersicherheit sieht Bossong nicht allein den Staat in der Pflicht. Ein erheblicher Teil der Verantwortung liege auch bei den Firmen und Privatpersonen, ihre Rechnersysteme zuverlässig zu schützen. Beklagenswert sei in dieser Hinsicht, dass das Problem vielerorts immer noch nicht als so relevant eingestuft werde, dass man zu den eigentlich notwendigen hohen finanziellen Aufwendungen bereit sei.
Autor: Florian Schimikowski
Veröffentlicht am: 02.04.2026