Waffengeschäfte & Kokainschmuggel mit CIA-Unterstützung: Am 3. November 1986 löste ein Artikel die Iran-Contra-Affäre aus

Im Kalten Krieg gab es zahlreiche Aktionen der US-Regierung , um ihren Einfluss auf den Nahen Osten als auch in Mittel- und Südamerika zu festigen. Unter anderem kam es dabei zu illegalen Waffenlieferungen an den Iran, deren Einnahmen anschließend für eine verdeckte Operation mit in Mittelamerika genutzt wurden. Bis heute sind nicht alle Hintergründe der Iran-Contra-Affäre geklärt.

Kampf gegen den Sozialismus an vielen Fronten

Eigentlich galt der Iran seit der Islamischen Revolution 1979 als Feind der USA. Boykott-Bestimmungen verboten jegliche Waffenexporte. Die Waffenlieferungen der USA fanden daher im Geheimen statt. Das so erwirtschaftete Geld floss in die Unterstützung der rechtsgerichteten Guerilla-Bewegung Contra in Nicaragua, um die dortige sozialistische Regierung zu schwächen.

Die CIA hatte die Contras bereits ab 1981 unterstützt, durfte dies aber nach dem 1982 vom Kongress beschlossenen Boland-Amendment nicht weiter ausführen. Da es sich bei Einkünften aus den Waffenlieferungen um illegale Gelder handelte, fiel die geheime Weiterleitung an die Guerilla-Bewegung nicht weiter auf. Außerdem duldete die CIA den Schmuggel von Kokain durch die Contras in die USA, der ebenfalls der Finanzierung des brutalen Guerilla-Kampfes diente.


Mehdi Hashemi

Den Anstoß zur Aufdeckung der Aktionen gaben Informationen zu den geheimen Waffenverkäufen, die Mehdi Hashemi, ein hochrangiger Beamter der Iranischen Revolutionsgarde, an Journalisten weitergab. Hashemi entschloss sich zu diesem Schritt, da er die geheimen Geschäfte seiner Regierung mit der USA ablehnte. Die Veröffentlichung der Informationen am 3. November 1986 in der libanesischen Zeitschrift Ash-Shiraa löste einen Skandal aus. Hashemi wurde bereits kurz zuvor wegen Verrats festgenommen und 1987 hingerichtet.

Untersuchung ohne große Folgen

Der Skandal verschärfte sich, als herauskam, das US-Oberstleutnant Oliver North zwischen Ende November 1986 versuchte, belastende Beweisdokumente zu beseitigen. North war CIA-Agent und Mitarbeiter im United States National Security Council. Er soll einen maßgeblichen Anteil an der Einrichtung des verdeckten Netzwerks gehabt haben, mit dem die Gelder an die Contras weitergeleitet wurden. North war es auch, der in den folgenden Untersuchungen zur Affäre bei den Anhörungen vor dem US-Kongress als Hauptschuldiger auftrat. Er gilt vielen heute aber als Sündenbock, der sich bewusst opferte, um die maßgeblichen Drahtzieher zu schützen.

US-Präsident Reagan sagte 1987 vor der Untersuchungskommission aus, sich an nichts erinnern zu können. Er gab aber zu, dass es klare Beweise gebe, dass die Aktionen stattgefunden haben. Dies reichte nicht aus, um ihn persönlich haftbar zu machen. Der durch einen Hirntumor stark beeinträchtigte Gesundheitszustand des damaligen CIA-Direktors William J. Casey verhinderte eine Verurteilung desselben.

Einzig North wurde zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Allerdings hob man das Urteil 1990 wegen Verfahrensfehlern auf, zu einer neuen Verurteilung kam es nicht. North arbeitete weiter in der Politik und wurde 1994 republikanischer Kandidat für das Senatorenamt in Virgina, das er nur knapp verpasste. 2018 wurde er zum Präsidenten der einflussreichen National Rifle Association gewählt.

Auch wenn der Internationale Gerichtshof in Den Haag zu dem Urteil kam, dass die USA unerlaubte paramilitärische Aktionen in Nicaragua durchgeführt hatte, blieben die Folgen für die Verantwortlichen überschaubar. Die Regierungen Nicaraguas trauten sich nicht, Ansprüche an die USA geltend zu machen, da die USA ihrerseits damit drohten, in diesem Fall alle Hilfezahlungen an das Land einzustellen. 

Weitere Versuche der Aufarbeitung der Iran-Contra-Affäre

Erst ab Mitte der 1990er-Jahre erfuhren die Ergebnisse der Untersuchungskommission größere öffentliche Aufmerksamkeit. Damals veröffentlichte als der Journalist Gary Webb seine Recherchen zu den Verbindungen der CIA zum organisierten Drogenhandel in einer Artikelserie und dem Buch Dark Alliance: The CIA, the Contras, and the Crack Cocaine Explosion veröffentlichte.

Buchcover Dark Alliance: The CIA, the Contras, and the Crack Cocaine Explosion

Während Webb 2004 an weiteren Recherchen zu dem Thema arbeitete, wurde er tot in seinem Haus aufgefunden. Die offizielle Todesursache lautete Suizid, es war bekannt, dass Webb an Depressionen litt. Einige Experten zweifeln diese Erklärung an, da Webb durch zwei Kopfschüsse starb. Allerdings ist auch dieses bei Suiziden bereits vorgekommen, wenn der erste Schuss nur unzureichend getroffen hatte.

Die Iran-Contra-Affäre gilt als einer der größten Skandale während der Präsidentschaft von Ronald Reagan, auch wenn viele Details bis heute unklar sind. Bald wird die Geschichte vielleicht auch filmisch aufgearbeitet. 2017 wurde bekannt, das Amazon an einer Amazon-Miniserie über die Iran-Contra-Affäre arbeitet. Dabei soll der Schauspieler Colin Farrell Oliver North verkörpern.