Rückblick Buchvorstellung: AUF SPIONAGE TOUR. Alliierte Militärverbindungsmissionen in der DDR 1946-1990

Deutschland, 1945. Um auf kurzem Wege miteinander kommunizieren zu können, richteten die West-Alliierten mit der Sowjetunion gegenseitige „Militärverbindungsmissionen“ (MVM) ein. Mit der Verschärfung des Kalten Krieges wurde aus dem Verbindungsauftrag schon früh die Lizenz zur Militärspionage. In kleinen Teams fuhren amerikanische, britische und französische Militärs durch die DDR und inspizierten Militärstützpunkte der NVA und der Roten Armee. Umgekehrt fuhren die sowjetischen Militärs von ihrem Stützpunkt in Baden-Baden durch die gesamte Bundesrepublik. Aufgelöst wurden die MVM erst mit dem Abzug der alliierten Truppen und der Roten Armee aus dem wiedervereinigten Deutschland 1994.

Die Angehörigen der Militärverbindungsmissionen verfügten über einen quasi diplomatischen Status und ihre Fahrzeuge waren mit auffälligen Nummernschildern gekennzeichnet. Ihr Ziel: Ausspionieren aller Militäranlagen in der DDR. Dafür waren sie 365 Tage im Jahr bei Wind und Wetter im Einsatz. Mit Range Rovern, Mercedes oder Opel-Limousinen bretterten sie durch das Unterholz, nicht selten verfolgt von den Wartburgs, Trabants und Wolgas des MfS und KGB. Wahre Verfolgungsjagden waren immer wieder an der Tagesordnung, Verkehrsunfälle, Hollywood-artige Manöver und Todesfälle inklusive.

Mark Prüfer ist ein waschechter Berliner. Seine Leidenschaft machte ihn zum Sammler. Nicht Kunst oder antike Waffen, sondern Nummernschilder. Seine Sammlung umfasst heute 800 Nummernschilder. Und darunter befinden sich 30 Jahre nach dem Fall der Mauer auch seltene Raritäten aus dem Kalten Krieg: Kennzeichen der Alliierten Militärverbindungsmissionen. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema mündete schließlich in einem Buch: AUF SPIONAGE TOUR. Einsätze, Fahrzeuge und Nummernschilder der Alliierten Militärverbindungsmissionen in der DDR 1946-1990.

Im Deutschen Spionagemuseum stellte Prüfer am 21. November 2019 nicht nur sein Buch vor, sondern bot einen tiefen Einblick in seine über Jahre zusammengetragene Sammlung. Begleitet vom stets souveränen Moderator Bernd von Kostka, ein ausgesprochener Kenner und Experte der Alliierten im Kalten Krieg, der das AlliiertenMuseum in Berlin mit aufgebaut hat und kuratorisch betreut. Über jedes Nummernschild und Fahrzeug der MVM führt Prüfer ausführliche Listen. Mindestens ebenso ausführlich ist seine Fotosammlung über die Einsätze, Fahrzeuge und die verwendete Spionagetechnik, bei der vor allem Kameratechnik eine wichtige Rolle spielte.

Mit zahlreichen Original-Bildern und spannenden Geschichten sorgten Mark Prüfer und Bernd von Kostka für einen kurzweiligen Abend. Die über 50 Besucher hatten die Gelegenheit, nochmals in diese längst vergangene Zeit einzutauchen und ein oftmals vergessenes Stück Spionagegeschichte des Kalten Krieges mitzuerleben.

Auf der nächsten Veranstaltung im Deutschen Spionagemuseum am 3. Dezember 2019 stellt Autor Andreas Kollender sein Buch zu einem der wichtigsten Agenten des deutschen Widerstands im 2. Weltkrieg vor: Fritz Kolbe.