Rückblick: Ich krieg dich! Menschenfänger Leo Martin und Wolfgang Bosbach

Vertrauen ist ein Grundbestandteil menschlicher Beziehungen. Vertrauen will jeder – und gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen. In kaum einem anderen Milieu ist Vertrauen so eine wichtige Währung wie im Geheimdienst. Und vielleicht der Politik. Wer wäre also besser geeignet, um über Vertrauen und menschliche Beziehungen zu sprechen als ein ehemaliger Geheimagent und ein ehemaliger Politiker?

Am 16. Oktober 2018 diskutierten der ehemalige V-Mann-Führer Leo Martin und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach in einer Pressekonferenz im Deutschen Spionagemuseum über Vertrauen. Anschließend lies Martin tief blicken und präsentierte am Abend einem interessierten Publikum nicht nur sein Buch, sondern auch seine Tipps und Ratschläge. Anlass war die Neuauflage des Bestsellerbuchs von Leo Martin „Ich krieg dich! Menschen für sich gewinnen – Ein Ex-Agent verrät die besten Strategien”. Heute ist Leo Martin Autor. Mit seinen Werken hat er in Deutschland ein neues Genre etabliert. Seine Bücher sind Ratgeber, die spannende Geschichten erzählen und wie Krimis geschrieben sind. Leo Martin hat es geschafft, sein geheimes Wissen und gelernte Techniken alltagstauglich in Bücher umzusetzen. Sein Bestseller wurde allein in Deutschland über 100.000-mal verkauft, in zahlreiche Sprachen übersetzt und erscheint jetzt in einer komplett überarbeiteten Neuauflage.

Kontakt aufnehmen, Vertrauen aufbauen und andere überzeugen. Das war Leo Martins Auftrag, als er für einen deutschen Geheimdienst V-Leute im Milieu der Organisierten Kriminalität angeworben hat. Als Experte für unterbewusst ablaufende Denk- und Handlungsmuster brachte er fremde Menschen dazu, ihm zu vertrauen, ihr geheimstes Insiderwissen preiszugeben und langfristig mit dem Geheimdienst zusammenzuarbeiten. Wichtiger als die Frage: „Worauf kannst du vertrauen?“ war dabei die Frage: „Worauf kannst du vertrauen, wenn du es mit mir zu tun hast?“

Ähnliche Erfahrungen hat auch der Politiker Wolfgang Bosbach gemacht. Authentisch und ehrlich zu seinem Publikum müsse der Politiker sein. Alles Andere räche sich auf Dauer. Auch der Bundeskanzlerin gegenüber sei Bosbach so verfahren. Hart ins Gericht ging Bosbach hingegen mit einigen Entwicklungen der aktuellen Politik, mit realitätsfremden Entscheidungen in der causa Maaßen oder ungebührlichem Benehmen. Vertrauen sei gerade in der Politik nur durch jahrelange harte Arbeit zu erwerben, hingegen in Sekunden wieder verspielt.

In der anschließenden Abendveranstaltung griff Leo Martin dann wieder tief in die psychologische Trickkiste. Mit verblüffenden Kniffen und Erkenntnissen schaffte er es, Licht in die komplexe Welt von Überzeugung, Entscheidung, Lüge und Wahrheit zu bringen. Geheimdienstliche Kriminalistik vom Feinsten, die nur einen Ausschnitt aus dem Repertoire von Geheimagenten geben. Besonders spannend war dabei für viele Besucher die Erkenntnis, dass man kein Geheimagent sein muss, um solche Praktiken zu nutzen. Auch im Umgang mit Kolleggen, Vorgesetzten und Freunden ist Vertrauen eine unschätzbar wertvolle Währung.

 

Die nächste Veranstaltung im Deutschen Spionagemuseum am 8. November 2018 gibt einen Einblick in einen bis heute geheimnisumwitterten Skandal um die älteste Bank der Welt. Der Eintritt ist frei.