Ein Meister der Geheimoperationen – Zum Tod von Ulrich Wegener

Manche Flüge haben Verspätung. Dass sie jedoch erst nach 40 Jahren wieder ankommen, schaffte nur der Lufthansa-Flug LH 181 der Boeing 737 „Landshut“ von Mallorca nach Frankfurt. Am 13. Oktober 1977 wurde das Flugzeug von vier palästinensischen Terroristen entführt und flog über Umwege nach Mogadischu, Somalia. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung von RAF-Mitgliedern aus deutschen Gefängnissen. Nach mehreren Tagen stürmte ein Spezialkommando der GSG-9 die Maschine und befreite die Geiseln. Deckname: Operation Feuerzauber. Mit einem Mal war die bis dahin unbekannte Spezialeinheit weltbekannt. Maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Aktion hatte deren Gründer und erste Kommandeur, Ulrich Wegener.

Gegründet wurde die GSG 9 nach dem damals schwersten Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dem Geiseldrama während der Olympischen Spiele 1972 in München. Damals waren die regulären Polizeieinheiten mit der Situation überfordert – das sollte sich nicht wiederholen. Innenminister Hans-Dieter Genscher und sein militärischer Adjutant Ulrich Wegener wohnten mussten einer misslungenen Befreiungsaktion beiwohnen. Auf Initiative der Bundesregierung wurde daraufhin die Grenzschutztruppe 9 als erstes Antiterror-Spezialkommando gegründet. Ihr erster und langjähriger Leiter war Ulrich Wegener.

Nach fünf Jahren Spezialtraining war die GSG-9 gut gerüstet und befreite nicht nur die Geiseln der „Landshut“ in Mogadishu, sondern hatte über die Jahre noch viele weitere Einsätze überall auf der Welt. Wegener selbst trat von deren Leitung in den 1980er-Jahren zurück, blieb jedoch bis 1989 beim Bundesgrenzschutz und agierte auch weiterhin als Sicherheits- und Terrorexperte.

Im September 2017 kehrte die „Landshut“-Maschine der Lufthansa nach Deutschland zurück. Seit den 1970er-Jahren für mehrere Fluggesellschaften im Einsatz, kaufte die Bundesregierung sie zum Schrottpreis von 20.000 Euro. Sie soll im Dornier-Museum in Friedrichshafen am Bodensee ausgestellt werden. Im selben Jahr verstarb Ulrich Wegener am 28. Dezember in seinem langjährigen Wohnort Windhagen in Rheinland-Pfalz.

 

Bilder:
Übung GSG 9: Bundesarchiv_B_145_Bild-F054217-0020, Wienke, Ulrich
Rückkehr der GSGS 9 nach Beendigung der Landshut-Entführung: Bundesarchiv_B 145 Bild-F051866-0010, Wegmann, Ludwig