Rückblick: Ich krieg dich! Ein Ex-Geheimagent packt aus…

Geheimwaffen der Kommunikation – Sanfte Strategien mit durchschlagender Wirkung. Das verspricht der Ex-Verfassungsschützer Leo Martin seinem Publikum und dem Leser seiner Bücher. Am 22. März 2017 wollten mehr als 120 Besucher im Deutschen Spionagemuseum alles erfahren über die psychologischen Tricks und Techniken eines Ex-Agenten. Sie wurden nicht enttäuscht.

Kein typischer Geheimagent

Sanfte braune Augen, ein charmanter süddeutscher Zungenschlag und ein warmer Händedruck. Dieser Mann – ein knallharter Geheimagent? Eine Lizenz hat Leo Martin mit Sicherheit: die zum Betören. Dass er aber auch zehn Jahre lang für den Verfassungsschutz gearbeitet, Drogendealer, Kriminelle und Zuhälter als V-Männer angeworben hat – kaum vorstellbar.

Sein Spezialauftrag war das Anwerben und Führen von Informanten. In dieser Funktion brachte er fremde Menschen dazu, ihm zu vertrauen und ihr geheimstes Insider-Wissen preiszugeben. Dann stieg er aus und schrieb ein Buch über die psychologischen Strategien des Geheimdienstes. Es wurde zum Bestseller.

Geheimdiensttechniken aktiv erleben

Wie effizient die Geheimdienst-Techniken sind, mit denen Leo Martin viele Jahre erfolgreich arbeitete, ließ sich an diesem Abend im Deutschen Spionagemuseum aktiv nachvollziehen. Der Ex-Agent brachte sein Publikum von Anfang an ins Schwitzen. Alle folgten willenlos seinen Anweisungen zum Mitmachen und ernteten oft scharfe, aber liebevolle Kritik.

Diese Übungen entpuppten sich nach Auflösung der Aufgaben durch den Meister als Weg in die Erkenntnis: Wie kriege ich mein Gegenüber auf meine Seite? Mit welchen Strategien kann ich meine Ziele erreichen, ohne den Anderen im Regen stehen zu lassen oder gar einen Gesichtsverlust zu bescheren? Leo Martin zeigte, dass es durchaus möglich ist, den eigenen Willen durchzusetzen und gleichzeitig die manipulierte Person in dem Gefühl zu belassen, alles wäre auch für sie alles optimal gelaufen.

Wertvolle Lehren auch ohne Geheimauftrag

Im Laufe des sehr unterhaltsamen Abends wurde klar: Diese Strategien funktionieren auch außerhalb des Geheimdienst-Milieus. Das Wissen um die Taktiken zur Beeinflussung von Menschen lässt sich in den unterschiedlichsten Lebensbereichen einsetzen. Egal, ob im Beruf im Rahmen von Verhandlungen oder Networking wie auch im Privatleben bei Diskussionen mit Freunden oder Partnern. Die Fähigkeit, dass Menschen einem vertrauen und man sie dadurch für sich gewinnen kann, ist in vielen Lebenssituationen wertvoll.

Für die Besucher zeigte Leo Martin auf dieser Veranstaltung neue Perspektiven im Alltagsleben auf. Um die hier gezeigten Taktiken allerdings anwenden zu können, genügt ein Abend nicht. Dies erfordert schon etwas mehr Übung. Zum Glück hat Leo Martin sein Wissen auch schriftlich festgehalten.

All sein Geheimwissen gibt aber kein Agent der Welt Preis. Leo Martin ist natürlich nicht Leo Martin – es handelt sich hier um einen Decknamen von vielen aus seiner aktiven Zeit beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Wer weiß, was dieser Mann noch an Geheimnissen bereithält und in den nächsten Jahren mit der Öffentlichkeit teilen wird. Wir sind gespannt…


Die nächste Veranstaltung im Deutschen Spionagemuseum beleuchtet die Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in den sozialistischen Bruderländern. Eine renommierte Expertenrunde bringt am 6. April 2017 um 18:30 Licht in dieses spannende, aber lange vernachlässigte Thema.

Autor: Florian Schimikowski

Veröffentlicht am: 27.03.2017