Rückblick: Am geheimen Schleier gerüttelt – Die Freimaurer zu Gast im Spionagemuseum

Das Geheime führt zu Mythen, Mythen zu Verschwörungstheorien. Die Spionage, Geheimdienste und Agenten können ein Lied davon singen – und die Freimaurer auch!
Von daher kann die Veranstaltung, die am Samstag den 28.1.2017 im Deutschen Spionagemuseum zu Berlin abgehalten wurde, in doppelter Hinsicht als bemerkenswert gelten.

Denn an einem Ort, der sich selbst zur Aufgabe macht, das Geheime der Spionage ein Stück weit öffentlicher zu machen, gaben auch die Berliner Freimaurerloge „Friedrich zur Bruderkette“ ihr „coming out“, wie es der überragende Moderator Dr. Müller-Enbergs treffsicher formulierte. Mehr als 120 Besucher wollten dies nicht verpassen und wurden sicherlich nicht enttäuscht.

Der eloquente Freimaurer-Meister Frédérick Vo Van, im „profanen Leben“, wie die Freimaurer ihre Zeit außerhalb der Bruderschaft bezeichnen, für die Lufthansa tätig,  der Stadtführer Linus M. Scheffran (Winkel & Zirkel Touren, Freimaurergeschichte in Berlin) und Mario Röllig (Freimaurer) berichteten von den Werten, Ritualen und Aktivitäten ihrer Freimaurerloge. Von humanitären Hilfsaktionen und Spenden, einem selbstauferlegten Verbot von Politisierung sowie konfessionellen Auseinandersetzungen und der verbindenden Kraft der Humanität war hier die Rede.

Aber auch zu Alters- und Sozialstrukturen, der Geschlechtergleichstellung oder Homo- und Transsexuellen bezogen die Freimaurer auf Wunsch des Publikums und Moderators Stellung. Sogar über einige grundlegende Kleidungsrituale und Symboliken – eigentlich die geheimsten Güter der Logen – führten der Meister und der Lehrling ein.
Ein Stück weit zumindest, denn alles wollen die „Brüder“, wie sie sich gegenseitig nennen, nicht preisgeben. Wer also die letzten Riten und Geheimnisse der Freimaurer erkunden will, muss schon selbst den langen Weg zum Freimaurer-Meister gehen.

Dass zumindest die Berliner Loge „Friedrich zur Bruderkette“ am vergangenen Samstag einen großen Schritt in die Öffentlichkeit ging, war bemerkenswert. Dass sie dabei weiterhin mit dem Geheimen und Mythischen kokettierte, trug zur Unterhaltung dieses gelungenen Abends merklich bei.