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Rückblick: Spionagegeschichte(n) aus Berlin

Der 9. November ist in vielerlei Hinsicht ein historisches Datum. Der Tag, der die Agentenwelt veränderte, war der des Jahres 1989. Mit dem Fall der Berliner Mauer änderten sich schlagartig die Bedingungen, unter denen verschiedenste Nachrichtendienste in der Stadt arbeiteten.

Ex-Spione und Gehiemdienst-Experten im Gespräch

Aus Anlass des Jahrestages diskutierten im Deutschen Spionagemuseum der ehemalige CIA-Agent Eberhard Fätkenheuer, der Historiker und Journalist Sven-Felix Kellerhoff und der Kurator des Museums Franz-Michael Günther über die Motivation von Spionen und die Spionagepraxis im Kalten Krieg. Moderiert wurde die Veranstaltung vom stellvertretenden Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Helmuth Frauendorfer.

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Nach einer Führung durch die Ausstellung des Deutschen Spionagemuseums bekamen die rund 100 Besucher der Veranstaltung einen Einblick in die Arbeit eines echten CIA-Agenten im Kalten Krieg. Eberhard Fätkenheuer berichtete über seine individuellen Motive und den Alltag als Spion des Westens in der DDR.

Eindrucksvoll schilderte er auch Episoden aus seiner Haftzeit im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Dort dienten aus Einsamkeit demnach sogar Tomatenpflanzen als Gesprächspartner. Niemals verlor er nach eigener Aussage jedoch den Glauben an die Freiheit. Natürlich berichtete der ehemalige Agent auch von seinem tatsächlichen Schritt in die Freiheit. 1985 wurde er auf de Glienicker Brücke ausgetauscht.

Vielschichtige Gestalt: DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel

Flankiert wurde diese Erzählung durch kritische Einordnungen und Ergänzungen von Sven-Felix Kellerhoff und Franz-Michael Günther. Kellerhoff sorgte auch für eine der einprägsamsten Aussagen des Abends. Bei der Frage nach dem organisatorischen Aufwand eines Agentenaustausches, so wie ihn Eberhard Fätkenheuer erlebt hatte, kam die Runde auch auf die Rolle Wolfgang Vogels zu sprechen.

Der Rechtsanwalt war maßgeblich an den Verhandlungen zum Austausch von Francis Gary Powers und Rudolf Iwanowitsch Abel im Jahr 1962 beteiligt. Zudem verhandelte er in der Folge viele weitere ähnlich gelagerte Fälle. Er hatte, so Kellerhoff, „seine Pfoten in fast allem drin“ und habe auch immer davon profitiert. Das brachte den Journalisten zu dem Fazit, Vogel sei „ein Schwein“ gewesen.

Im Anschluss konnten die Gäste der Veranstaltung Steven Spielbergs Sicht auf den Einfluss Wolfgang Vogels beim Agentenaustausch von 1962 bewundern. In „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ taucht Vogel zwar auf, der Unterhändler im Fokus ist allerdings Vogels amerikanischer Gegenpart James B. Donovan.

Wir bedanken uns bei den zahlreich erschienenen Gästen für die schöne Veranstaltung und verweisen an dieser Stelle auf unser Veranstaltungsprogramm, dass weitere spannende Abende verspricht.