Ende der 1960er-Jahre versetzte ein Serienmörder die San Francisco Bay Area in Angst und Schrecken. Das Besondere: Er verhöhnte die Polizei mit kryptischen Briefen und forderte die Medien heraus, seine Chiffren abzudrucken – andernfalls würde er weitere Morde begehen. Der verwendete Zodiac-Code gilt als eines der berühmtesten Rätsel der Kriminalgeschichte.
Die Taten fanden primär zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 im Raum San Francisco und Nordkalifornien statt. Der Täter lauerte meist jungen Paaren an einsamen Plätzen auf oder tötete einen Taxifahrer in San Francisco. Mindestens fünf Personen starben, einige Personen überlebten die Attacken und konnten Details zum Aussehen des Täters liefern. Wir wollen uns hier aber nicht im Detail mit den Taten und den Verdächtigen beschäftigen, sondern mit dem sogenannten Zodiac-Code.

Außergewöhnlich war, dass der Täter unter dem Pseudonym Zodiac nach den Taten chiffrierte Briefe mit Symbolen, Buchstaben und Zahlen an Zeitungen sandte, in denen er Details zu den Morden nannte, um seine Täterschaft zu beweisen. Insgesamt handelt es sich um vier verschlüsselte Nachrichten:
Diese Nachricht wurde kurz nach Erscheinen im August 1969 von einem Lehrerehepaar gelöst. Der Code bestand aus 408 Symbolen, die in drei Abschnitte unterteilt waren, und nutzte ein einfaches Substitutionsverfahren, bei dem Symbole durch Buchstaben ersetzt wurden.
Die Nachricht enthielt keine Hinweise auf die Identität, sondern hasserfüllte Botschaften, in denen der Täter erklärt: “Ich töte gern Menschen, weil es so viel Spaß macht.”
Diese Nachricht wurde im November 1969 verschickt. Sie galt lange als unlösbar, da sie komplexere Verschlüsselungstechniken (höchstwahrscheinlich eine homophone Substitution) verwendete. Ein internationales Team aus Hobby-Kryptologen knackte den Z340 im Dezember 2020. Die Nachricht enthielt Sätze wie: „Ich hoffe, ihr habt viel Spaß dabei, zu versuchen, mich zu fangen.“
Es handelte sich um eine sogenannte homophone Substitution, kombiniert mit einer komplexen Transposition (diagonales Lesen über 17 Spalten). Die Entschlüsselung erfolgte durch den Einsatz von Supercomputing-Ressourcen, um eine große Menge verschiedener Verschlüsselungsvariationen zu testen.
Bei einer homophonen Substitution (oder homophone Verschlüsselung) wird ein Klartextzeichen (z. B. ein Buchstabe) durch mehrere verschiedene Geheimtextzeichen (z. B. Zahlen oder Symbole) ersetzt. Der Begriff kommt aus dem Griechischen (homos = gleich, phone = Klang/Stimme). Es bedeutet, dass verschiedene Zeichen im Geheimtext alle denselben „Klang“ (denselben Buchstaben) im Klartext darstellen.
Häufige Buchstaben (im Deutschen ist „E“ der häufigste Buchstabe) werden so nicht immer durch dasselbe Zeichen ersetzt, sondern abwechselnd durch verschiedene Zeichen (Homophone). Dies erschwert beim Entschlüsseln die Suche nach gängigen Mustern oder Zifferkombinationen.
Die nächsten beiden Chiffren (Z13 und Z32) des Zodiac-Killers wurden im Gegensatz zu Z408 und Z340 bisher nicht offiziell geknackt. Aufgrund ihrer Kürze gelten sie als kryptographisch schwer lösbar, da zu viele Lösungen möglich sind.
Der verschlüsselte Teil besteht aus 13 Symbolen und folgt dem Satz: „My name is…“. Die Nachricht enthält Zeichen, die in früheren Chiffren vorkamen, sowie eingekreiste Achten und ein umgedrehtes Aries-Symbol. Einige Forscher vermuten, es handelt sich um ein Anagramm oder reinen Unsinn, um die Polizei zu verwirren.

Der 32 Zeichen lange Code war Teil eines Briefes, in dem der Zodiac behauptete, einen Polizeiwagen gesprengt zu haben. Die Chiffre wird oft als Koordinaten oder Hinweise auf den Standort einer Bombe interpretiert. Er wird auch als Karten-Code bezeichnet, weil er eine Karte der San Francisco Bay Area enthielt.

Obwohl der Täter in weiteren Briefen, die keine Codes enthielten, behauptete, insgesamt 37 Menschen getötet zu haben, konnten ihm die Behörden offiziell nur fünf Morde und zwei versuchte Morde zweifelsfrei zuordnen. Zahlreiche Verdächtige wurden polizeilich untersucht, aber die Identität des Zodiac-Killers ist bis heute ungeklärt.
Autor: Florian Schimikowski
Veröffentlicht am: 24.04.2026