Am 4. März 2018 entdeckte man im englischen Salisbury zwei Personen bewusstlos auf einer Parkbank. Das Ereignis entpuppte sich als gezielter Giftanschlag auf einen ehemaligen GRU-Oberst, der für den MI6 spioniert hatte. Der Anschlag führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Großbritannien und Russland.
Im Zuge der Ermittlungen nach dem Giftanschlag gelang es den Ermittlern, den Ablauf der Ereignisse größtenteils zu rekonstruieren: Am 2. März 2018 trafen drei Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU aus Moskau in London ein. Die Ermittler konnten die Personen bei der späteren Auswertung von Überwachungsaufnahmen in der Nähe von Skripals Wohnhaus in Salisbury identifizieren.
Am 4. März 2018 schmierten die Täter den Nervenkampfstoff Nowitschok als klebrige Substanz auf die Türklinke von Skripals Haus. Auf diese Weise kamen Sergej Skripal sowie seine Tochter Julia Skripal mit dem Gift in Kontakt. Sie wurden später am selben Tag bewusstlos auf einer Parkbank aufgefunden und in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Die Täter verließen Großbritannien noch am selben Abend per Flugzeug in Richtung Moskau.

Sergej Skripal und seine Tochter Julia überlebten den Anschlag nach wochenlanger Intensivbehandlung. Auch der bei der Durchsuchung von Skripals Wohnung ebenfalls in Kontakt mit dem Gift geratene Polizist Nick Bailey überlebte.
Bei Nowitschok handelt es sich um eine Gruppe hochtoxischer militärischer Nervenkampfstoffe, die in den 1970er/80er-Jahren in der Sowjetunion entwickelt wurden. Symptome sind Krämpfe, Atemlähmung, extremer Speichelfluss, Erbrechen und Herzstillstand, bereits kleinste Mengen können tödlich wirken. Das Gift kann eingeatmet, verschluckt oder über die Haut aufgenommen werden.
Die Behandlung ist schwierig und umfasst eine sofortige Dekontamination, die Gabe von Gegengiften sowie künstliche Beatmung. Oft endet der Verlauf dennoch tödlich. Wie gefährlich das in Salisbury verwendete Gift tatsächlich war, zeigte sich einige Monate später. Im Juni 2018 wurde ein britisches Paar vergiftet, nachdem es den von den Agenten weggeworfenen Gift-Behälter, eine präparierte Parfümflasche, gefunden hatte. Die Frau hatte sich die Flüssigkeit auf die Handgelenke gesprüht und starb später an den Folgen der Giftaufnahme.
Nach Erkenntnissen britischer Ermittler ist der russische Militärgeheimdienst GRU für den Anschlag verantwortlich. Die britische Regierung und internationale Untersuchungen, deren Abschlussbericht im Dezember 2025 veröffentlicht wurde, kamen zu dem Schluss, dass der Anschlag „fast sicher“ von hochrangiger Stelle in Russland genehmigt wurde.

Das wahrscheinlichste Motiv ist Rache, da Skripal als Oberst der GRU russische Agenten an den MI6 verraten hatte. Auch wollte man vermutlich ein warnendes Zeichen für jeden setzen, der mit dem Gedanken spielt, einen ähnlichen Geheimnisverrat zu begehen.
Die russische Regierung weist jede Verantwortung zurück und bezeichnete die Vorwürfe als haltlos. Die mutmaßlichen Täter behaupteten in einem bizarren TV-Interview, sie seien lediglich als Touristen in Salisbury gewesen, um die Kathedrale zu besichtigen. Der Auftritt wirkte konstruiert, außerdem wurden in den Hotelzimmern der Männer chemische Hinweise auf Nowitschok gefunden.
Der Skripal-Anschlag führte zu einer der schwersten diplomatischen Krisen zwischen Russland und dem Westen seit dem Ende des Kalten Kriegs. Als Reaktion auf den Anschlag wies Großbritannien 23 russische Diplomaten aus. Zahlreiche westliche Staaten, darunter viele EU-Mitglieder, die USA, Kanada und die NATO, solidarisierten sich und wiesen in der Folge ebenfalls Dutzende russische Diplomaten aus.
Die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland sowie zwischen der Europäischen Union und Russland verschlechterten sich drastisch. Neben der Ausweisung von Diplomaten wurden weitere Strafmaßnahmen diskutiert und ergriffen, darunter die Verstärkung von Sicherheitsmaßnahmen und die mögliche Beschränkung von Finanzströmen. Russland warf dem Westen infolge der Ausweisungen „Verlust des Anstands“ vor und kündigte Vergeltungsmaßnahmen an.
Bilder: Wohnhaus Skripal: Peter Curbishley, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons | Fundort Skripal: Peter Curbishley, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons
Autor: Florian Schimikowski
Veröffentlicht am: 04.03.2026