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Spionage im 2. Weltkrieg: Ab dem 6. Dezember 1941 begann das Agententraining in Camp X

Auch wenn die USA in den ersten Jahren des 2. Weltkriegs noch nicht aktiv an den Kriegshandlungen teilnahmen, unterstützen sie Großbritannien auf vielen Ebenen beim Kampf gegen das Deutsche Reich. Zu dieser Unterstützung gehörte es auch, geheimdienstliche Operationen des britischen Auslandsnachrichtendienstes Secret Intelligence Service (besser bekannt als MI6) auf amerikanischem Boden zu ermöglichen. Ab 1940 konnte der MI6 aufgrund dieser Kooperation die als Nachrichtenagentur getarnte British Security Coordination (BSC) in New York aufbauen. Zu den zahlreichen Aufgaben der BSC zählte der Aufbau eines streng geheimen Trainingslagers für Spezialagenten unter dem Decknamen Camp X, welches sich als Vorbild für weitere ähnlicher Anlagen etablieren sollte.

Ausbildungszentrum für verdeckte Spezialoperationen

Der Standort der geheimen Einrichtung mit der offiziellen Bezeichnung Special Training School No. 103 (S.T.S. 103) lag nicht auf dem Gebiet der USA, sondern zwischen den kanadischen Städten Whitby und Oshawa am Ufer des Ontariosees. Hier bildete das BSC Agenten für die britische Spezialeinheit Special Operations Executive (SOE) aus. SOE-Agenten führten im 2. Weltkrieg vor allem in von Deutschen besetzten Ländern Sabotageaktionen durch, zerstörten Infrastrukturen wie Eisenbahnen oder Brücken und behinderten die Bewegung und Versorgung des Feindes. Außerdem unterstützen die Agenten die lokalen Widerstandsgruppen.

Luftaufnahme von Camp X, 1943

Die angehenden Agenten durchliefen bei ihrer Ausbildung ein vielschichtiges Programm: Sie erlernten klassische Spionagetechniken wie das Sammeln von Informationen, das Öffnen von Schlössern, Funkkommunikation, Morseausbildung und kryptografische Kenntnisse für das Ver- und Entschlüsseln von Nachrichten. Auch kriegsspezifische Techniken zu Sabotage und Sprengstofftraining, wie man Partisanen rekrutiert, unbewaffneter Nahkampf sowie der Kunst des stillen Tötens standen auf dem Lehrplan. Die Nahkampfausbildung übernahm William Fairbairn, der unter dem bezeichnenden Spitznahmen Dangerous Dan bekannt war. Fairbarn hatte bereits jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt und entwickelte zusammen mit seinem Kollegen Eric Sykes das legendäre Fairbairn-Sykes-Kampfmesser, das bis heute von Spezialeinheiten genutzt wird.

Fairbarn-Skyes-Kampfmesser aus dem 2. Weltkrieg
[Sammlung Deutsches Spionagemuseum]

Der Beginn der Nutzung von Camp X am 6. Dezember 1941 fand unmittelbar vor einem kriegsentscheidenden Wendepunkt statt: Am Folgetag griff das mit Deutschland verbündete Japan ohne Kriegserklärung die US-Flotte in Pearl Harbour an und provozierte damit den Kriegseintritt der USA. Aus diesem Grund erhielten auch amerikanische Agenten des FBI und Office of Strategic Services (OSS) ihre Spezialausbildung in Camp X. Historiker gehen davon aus, dass dort bis zum Kriegsende etwa 500-2.000 Agenten trainiert wurden und anschließend hinter feindlichen Linien zum Einsatz kamen.

Alliierte Kommunikationszentrale für geheimen Nachrichtenverkehr

Ab 1942 nahm der Einrichtung eine weitere bedeutende Funktion ein: Sie wurde unter dem Decknamen Hydra die Endstelle für die weltweite Kommunikation zwischen den verbündeten Ländern USA, Kanada und Großbritannien. Als Gegenstelle agierte dabei unter anderem die Station X in Bletchley Park nahe London, in der es gelang, die deutsche Chiffriermaschine Enigma zu knacken. Damit die Deutschen den hochgeheimen Nachrichtenverkehr der Alliierten nicht mithören konnten, arbeitete Hydra mit Rockex-Chiffriermaschinen. Die Verschlüsselung auf Basis des One-Time-Pad-Verfahrens war so sicher, dass einige Rockex-Chiffriermaschinen bis in die 1980er-Jahre zum Einsatz kamen.

Mahnmal für Camp X, 2011
[Gary Blakeley, CC BY-SA 3.0]

Nach dem Krieg nutzte die kanadische Regierung die Einrichtung bis 1969 als Fernmeldestation. Heute trägt das Gelände den Namen Intrepid Park, benannt nach dem MI6-Codenamen von Sir William Stephenson, dem Direktor des BSC, unter dessen Führung Camp X einst gegründet wurde. Von den Gebäuden ist nichts mehr vorhanden, lediglich ein Mahnmal erinnert noch an die einst hochgeheime Ausbildungststätte.