Fairbairn-Sykes Kampfmesser

Nahkampfwaffe für Spezialeinheiten

Besondere Umstände verlangen besondere Ausrüstung. Da verwundert es wenig, dass es vor allem in Kriegszeiten eine Vielzahl an kreativen Neuentwicklungen gab, mit dem Militärs, Geheimdienste und Sondereinheiten dem Gegner Herr werden wollten. Im 2. Weltkrieg zeichneten sich vor allem die britischen Experten durch hohen Einfallsreichtum aus. Neben technisch ausgefeilten Gerätschaften zur Kommunikation gehören dazu auch Spezialwaffen für den Kampfeinsatz. In der Sektion „Waffen der Agenten“ zeigt das Deutsche Spionagemuseum einen der prominentesten Vertreter dieser Gattung: das Fairbairn-Sykes Kampfmesser.

Dieses doppelschneidige Kampfmesser wurde 1941 von William Ewart Fairbairn und Eric Anthony Sykes entworfen. Beide waren britische Soldaten, die sich umfassend mit verschiedensten Nahkampftechniken auseinandergesetzt haben. Ihre Kenntnisse flossen unter anderem in die Bücher „Shooting to live“, das sich mit dem Einsatz von Pistolen beschäftigte, und „Scientific Self-Defence“ ein, in welchem auch das Fairbairn-Sykes Kampfmesser vorgestellt wurde. Beide Bücher gelten als Klassiker ihres Genres. Die hohe Innovationskraft, mit der Fairbairn und Sykes neue Ansätze für den Kampfeinsatz entwickelten, resultiert aus deren Erfahrungsschatz, der weit über eine klassische Soldatenlaufbahn hinausging. Fairbairn war zum Beispiel für die Polizei in Shanghai tätig, wo er spezielle Kampftechniken entwickelte. Skyes hatte unter anderem für den renommierten Waffenhersteller „Colt“ und den britischen Secret Intelligence Service (besser bekannt als MI6) gearbeitet.

Das Fairbairn-Sykes Kampfmesser basierte auf einem Kampfmesser, dass Fairbairn und Sykes für die Polizei in Shanghai entwickelt haben. Im 2. Weltkrieg gehörte das Fairbairn-Sykes Kampfmesser zur Standardausrüstung der britischen Kommandotruppen und weiterer Spezialeinheiten. Auch das amerikanische Office of Strategic Services (OSS) nutzte das Modell in einer abgewandelten Form. Diese Truppen mussten oft Spezialaufträge und Aufklärungsarbeit im feindlichen Gebiet ausführen. Das spezielle Design des Kampfmessers eignete sich ideal für Überraschungsangriffe und Kampfeinsätze. Die 19 cm lange, schmale Klinge ließ sich leicht durch die Rippen stoßen und führte so zu schweren Organverletzungen. Die Klingenlänge sollte dafür sorgen, dass sie auch sehr dicken Uniformstoff durchdringen konnte und immer noch tiefe Verletzungen herbeiführte – der Stoff der russischen Soldatenmäntel war teilweise 7 cm dick. Der geriffelte Handgriff garantierte stets einen festen Halt. Seine Form ist an das klassische Florett angelehnt und sollte eine Vielzahl an verschiedensten Handhabungsvarianten ermöglichen.

Die Bedeutung der Spezialwaffe wird auch dadurch deutlich, dass einige Einheiten sie immer noch als Teil ihrer Insignien nutzen. Bis heute wird das Fairbairn-Sykes Kampfmesser in verschiedenen Ausführungen hergestellt und in zahlreichen Ländern von Sondereinheiten eingesetzt.

 

 

Bilder:

Fairbairn-Sykes Kampfmesser: Sammlung Deutsches Spionagemuseum
Uniformausschnitt Royal marine Commando: By UK MOD, Byline PO(Phot) Sean Clee