Berlin und die CIA – Vor 70 Jahren wurde die Central Intelligence Agency gegründet

Das Jahr 1947 sollte als der offizielle Beginn des Kalten Krieges in die Geschichte eingehen. Auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und die wachsenden Spannungen mit der Sowjetunion reagierte die USA mit einer umfassenden militärischen und geheimdienstlichen Neustrukturierung. Mit der am 12. März verkündeten Truman-Doktrin begann eine amerikanische „Eindämmungspolitik“ gegenüber der UdSSR. Der am 26. Juli folgende National Security Act setzte diese Neuausrichtung dann institutionell um. Neben der US Air Force, dem Department of Defence und dem Nationalen Sicherheitsrat wird dabei auch der wohl bekannteste Geheimdienst der Welt gegründet: die Central Intelligence Agency (CIA). Die zahlreichen Aktionen der CIA in den folgenden Jahrzehnten aufzuzählen, würde hier zu weit führen. Wir haben uns angeschaut, wie der Geheimdienst in der Hauptstadt der Spione in Erscheinung trat.

Eine der spektakulärsten Spionageaktionen in Deutschland führt die CIA in Zusammenarbeit mit dem MI6 Mitte der 1950er Jahre durch: Die Operation Gold. Ziel war es, eine zentrale Kommunikationsleitung im Ostteil Berlins anzuzapfen und so die Konversationen des sowjetischen Militärs und von Diplomaten abzuhören. Zu diesem Zweck entstand ein 450 Meter langer begehbarer Tunnel in sechs Meter Tiefe, der die Geheimdienstler direkt bis an die Kabel führte – eine konstruktionstechnische Meisterleistung. Allerdings wurde die Operation bereits in der Planungsphase durch einen Doppelagenten des KGB verraten. Um diesen wichtigen Spion nicht zu enttarnen, ließ die UdSSR es zu, dass Amerikaner und Briten den Tunnel 11 Monate lang nutzen. Insgesamt wurde eine halbe Million Gespräche auf 50.000 Bändern erfasst – eine gewaltige Menge an Informationen, deren Wert bis heute umstritten ist. Die Presse verurteilte die Aktion nach ihrer Enttarnung als Verstoß gegen internationales Recht. Es sollte nicht die letzte Berliner Aktion der CIA sein, die für Unmut sorgte.

Im Jahr 1962 schreibt dann ein CIA-Mitarbeiter in Berlin Spionagegeschichte. Zwei Jahre zuvor war Francis Gary Powers in dem speziell für die CIA entwickelten Spionageflugzeug U-2 während einem Aufklärungsflug über den USA abgeschossen worden. Nachdem die US-Regierung zuerst öffentlich bestritt, dass es sich um ein Spionageflug gehandelt habe, musste sie nach der Präsentation des Piloten und des Wracks im sowjetischen Fernsehen die Spionagevorwürfe bestätigen. Der Anwalt James B. Donovan übernahm im Auftrag eines CIA-Mitarbeiters die Verhandlungen, die schließlich zum Erfolg führten: Im Februar 1962 wurde Powers auf der Glienicker Brücke gegen den sowjetischen Atom-Spion Rudolf Abel ausgetauscht.

Nach solch spektakulären Aktionen glichen die nächsten Jahrzehnte der CIA-Tätigkeit in Berlin einem Dornröschenschlaf. Der Mauerbau zementierte den Status Quo und beendete die akute Bedrohungslage. Zudem erschwerte die extrem bewachte Grenze den Einsatz von HUMINT (Human Intelligence, die Informationsgewinnung durch menschliche Quellen) erheblich. Gerade das ist aber das klassische Arbeitsfeld der CIA. In Berlin wurde ab den 1960er Jahren SIGINT (Signals Intelligence, die elektronische und Fernmeldeaufklärung) deutlich wichtiger. Der dafür zuständige US-Geheimdienst, die National Security Agency (NSA) nutzte zum Beispiel die berühmte Spionagestation auf dem Berliner Teufelsberg.

Doch das Kapitel CIA und Berlin ist mitnichten beendet. Der Kalte Krieg ist vorbei und Berlin gilt immer noch als ein internationaler Hotspot für Spione. Der CIA-Deutschland-Chef koordiniert die Aktionen seiner Mitarbeiter von der US-Botschaft am Brandenburger Tor aus. Und die CIA ist nicht untätig: Nach den Enthüllungen von Edward Snowden 2013 zeigte sich, dass CIA und NSA Mobilfunkgespräche im Berliner Regierungsviertel abgehört haben. Prominentestes Zielobjekt: Das Handy von Bundeskanzlerin Merkel. Die Affäre sorgte für reichlich diplomatischen Zwist. 2014 kam es zur Aufdeckung weiterer mutmaßlicher Spionageaktionen der USA beim Bundesnachrichtendienst (BND) und im Verteidigungsministerium. In der Folge wurde der der damalige CIA-Leiter seitens der Bundesregierung aufgefordert, das Land verlassen – ein politischer Affront, denn eine solche Maßnahme wird normallerweise nicht für Staaten angewandt, zu denen freundschaftliche diplomatische Kontakte bestehen.

Angeblich boten die USA im Anschluss an diese unangenehme Episode ein besonderes Spionageabkommen an, welches die Behörden aber mit Hinweis auf die deutschen Datenschutzgesetze ablehnten. Dieses Angebot wurde jedoch nie offiziell bestätigt. Für die Filmindustrie scheinen solche Entwicklungen genug Potenzial zu bieten, um den Spionagestandort Berlin und die dortige CIA in der aktuellen Serie „Berlin Station“ zu beleuchten. Real und fiktional – die CIA-Berlin-Connection wird auch in Zukunft noch regelmäßig Spionagegeschichten liefern. Präsident Trump lobte auf der gestrigen Geburtstagsfeier die Verdienste der CIA für die USA. Die CIA selbst feiert ohne großen Pomp, die Meldung auf der eigenen Website ist nüchtern und unauffällig – ganz so, wie es sich für einen Geheimdienst gehört.

 

Bilder:
Spionagetunnel 1956: Bundesarchiv_Bild_183-37695 0003, Fotograf: Junge, Peter Heinz
US-Botschaft Berlin: Mutter Erde