Man lebt nur siebenmal: Katzen in der Welt der Spionage

Katzen haben gegenüber menschlichen Agenten natürliche Vorteile: Sie landen immer auf den Füßen und wenn nicht, so haben sie sieben Leben – während selbst die Superagenten wie James Bond nur zweimal sterben. Dennoch bieten Katzen im Vergleich mit anderen tierischen Agenten auf den ersten Blick wenig Potenzial zum Spionageeinsatz. Mit viel Kreativität und hohem Aufwand wurden im Laufe der Jahre dennoch verschiedene Einsatzmöglichkeiten für die beliebten Felltiere erdacht. Doch gab es tatsächlich erfolgreiche Katzen-Agenten?

Acoustic Kitty: Mobile Wanze auf Samtpfoten

In den 1960er-Jahren startete die CIA das Projekt Acoustic Kitty. Dabei sollten mit Abhörtechnik präparierte Katzen sich unauffällig an Personen heranschleichen und deren Gespräche abhören. Als mögliches Einsatzziel galt das Umfeld von sowjetischen Botschaften. Man hoffte, auf diese Weise Botschaftsmitarbeiter zu belauschen, die sich zum Beispiel auf angrenzenden Parkbänken unterhielten.

Schematische Zeichnung Acoustic Kitty

In aufwendigen chirurgischen Operationen statteten Geheimdiensttechniker die Katzen mit Spionagetechnik aus. Die Mikrofone saßen im Gehörgang, die Antenne verlief über die Wirbelsäule bis hinein in den Schwanz, der Sender saß im Schädel. Als großes Problem für gezielte Abhöraktionen erwies sich allerdings das unkontrollierbare Verhalten von Katzen durch deren natürlichen Jagdtrieb. Sobald während der Operation ein potenzielles Beutetier auftauchte, ließen die Tiere von der Spionageoperation ab.

Kostenfalle Katzenspion

Als Zielobjekt zum Testen von Acoustic Kitty diente die sowjetische Botschaft in Washington. Dort sollte eine Katze zwei Diplomaten auf einer Parkbank belauschen. In einem unauffälligen Transporter fuhren CIA-Beamte die Katze nah an den Einsatzort und setzten sie aus. Das Projekt endete tragisch: Schon nach wenigen Metern wurde die mit viel Aufwand operierte und trainierte Katze von einem Taxi überfahren. Vielleicht hatten die Strapazen der Vorbereitung die Schutzinstinkte der Katze vermindert. Der dichte Washingtoner Verkehr tat sein Übriges.

Abschlussbericht zum Projekt Acoustic Kitty [National Security Archive]

Dies war lange die bekannte Version der Geschichte. 2013 allerdings berichtete ein CIA-Mitarbeiter, dass man das Projekt vorzeitig im Jahr 1967 beendete, da die Trainingsergebnisse nicht zufriedenstellend verliefen. Danach sei die Spionagetechnik wieder operativ aus dem Tier entfernt worden und es lebte danach weiter. Egal, welche Geschichte zutrifft, das Projekt erbrachte keinerlei relevante Geheiminformationen – bei Kosten von etwa 20 Millionen US-Dollar eine magere Bilanz.

Unfreiwillige Bomben-Piloten im Zweiten Weltkrieg

An einem anderen gescheiterten Katzen-Projekt arbeitete der amerikanische OSS (Office of Strategic Services), der Vorläufer der CIA, im Zweiten Weltkrieg: den Kitty bombs. Der Plan war, Katzen mit Bomben aus Flugzeugen auf feindliche Schiffe abzuwerfen. Der Grund für diese Operation lag darin, dass das gezielte Bombardieren von sich bewegenden Schiffen für die damaligen noch recht ungenauen Bombenabwürfe aus Flugzeugen mit einer hohen Zahl an Fehlversuchen verbunden war.

Aus dem Grundgedanken heraus, dass die meisten Katzen Wasser meiden, dachte man daher, dieses Instinktverhalten würden die Katzen auch anwenden, wenn sie die Bomben steuern. Also wurden die Katzen in Hohlräume der Bomben gesetzt, die über Sichtfenster verfügten. Die Pfoten der Katzen waren dabei mit Steuerseilen verbunden. Sobald die Tiere in den herabsausenden Bomben nun die Wasseroberfläche erkennen, hoffte man, dass sie die Bombe auf das verlockend trockene Schiffsdeck lenken würden.

Amerikanischer U-17-Bomber im Zweiten Weltkrieg

Auch wenn der Vorschlag absurd klingt, verfolgte der OSS den Plan so weit, dass es zu ernsthaften Tests kam. Dabei stellte sich allerdings heraus, dass die Katzen durch die starke Beschleunigung schon während dem Flug ohnmächtig wurden. Als Bomben-Piloten erwiesen sich Katzen also als unbrauchbar und mussten daher im Zweiten Weltkrieg nicht mit an die Front.