Résistance-Agentin Josephine Baker in den Pariser Panthéon aufgenommen

Die meisten Agenten arbeiten im Geheimen und vermeiden jede Art von Aufmerksamkeit. Einige Agenten jedoch können gerade wegen ihrer Berühmtheit Geheimtätigkeiten ausüben. Zu letzteren zählt Josephine Baker, die als Star ihrer Zeit nicht davor zurückschreckte, ihr Leben für den Kampf gegen die Nationalsozialisten aufs Spiel zu setzen. Für ihre Verdienste wurde sie nun als erste schwarze Frau in den Panthéon in Paris, die nationale Ruhmeshalle Frankreichs, aufgenommen.

Von der „Schwarzen Venus“ zur Geheimagentin

Nach einer durchwachsenen Kindheit in St. Louis, Missouri, begann Josephine im Alter von 16 Jahren ihre Karriere als Tänzerin. Ab 1925 erhielt sie Engagements in Europa, wo sie vor allem in Paris und Berlin mit dem bis dahin unbekannten Charleston-Tanz und ihrem Sex-Appeal rasch zum Publikumsliebling aufstieg. In der Folge war sie auch in Osteuropa sowie Südamerika erfolgreich und etablierte sich zudem als Sängerin. Eine dauerhafte neue Heimat wurde schließlich Frankreich. 1937 erhielt sie durch Heirat die französische Staatsbürgerschaft.

Josephine Baker 1930
[Theaterfotograf Fred Erismann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons]

Im Zweiten Weltkrieg engagierte sich Baker nach der Besetzung Frankreichs in der Résistance, der Widerstandbewegung gegen die nationalsozialistische Herrschaft. Zudem wurde sie Mitarbeiterin des französischen Nachrichtendienstes Deuxième Bureau. Die Tätigkeit als internationale Künstlerin wurde zum Deckmantel ihrer Agententätigkeit. Sie erlaubte es ihr, zu reisen und Kontakte zu hohen gesellschaftlichen Persönlichkeiten zu pflegen, ohne dabei Verdacht zu erregen. Mit ihrem natürlichen Charme gelang es Baker, Deutsche und deren Verbündete auf Empfängen oder bei Shows auszufragen.

Außerdem kam sie als Kurier zum Einsatz. Um die transportierten Geheiminformationen zu verstecken, waren diese zum Teil in unsichtbarer Tinte auf den Partituren Bakers notiert. Einige Dokumente versteckte sie auch in ihrer Unterwäsche, da ihr als Berühmtheit nicht die Gefahr einer Leibesvisitation drohte. Neben diesen Tätigkeiten versteckte Josephine Baker auf ihrem französischen Anwesen Personen, die von den Nationalsozialisten gesucht wurden: Mitglieder der Résistance und Juden. Später motivierte sie alliierte Soldaten mit kostenlosen Shows.

Josephine Baker 1940

Symbolisches Ehrengrab mitten in Paris

Für ihre Verdienste im Krieg wurde Josephine Baker mehrfach ausgezeichnet und 1957 in die französische Ehrenlegion aufgenommen. In den folgenden Jahrzehnten unterstützte sie die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und adoptierte zwölf Kinder verschiedener kultureller Herkunft als Symbol der Toleranz. Auch der Bühne blieb sie immer verbunden. 1975 verstarb sie, nur wenige Tage nach der gefeierten Premiere ihrer Show Josefine, im Alter von 68 Jahren in Paris.

Der gestrigen Zeremonie der Panthéonisation Bakers wohnten 2000 Personen bei, auch Präsident Macron und 10 ihrer adoptierten Kinder. Eine faktische Umbettung der sterblichen Überreste Bakers in das Panthéon fand dabei nicht statt. Die Nachfahren der Tänzerin baten darum, dass diese in der Grabanlage in Monaco verbleiben. Stattdessen erhielt Baker in Paris eine symbolische Grablege an der Seite zahlreicher anderer großer Franzosen wie Victor Hugo, Marie Curie, Alexandre Dumas oder Jean-Jacques Rousseau.