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Der größte Spionagefall der USA – Am 2. Januar 1942 endet der Prozess gegen den Duquesne-Spionagering

Schon lange bevor die USA aktiv in den Zweiten Weltkrieg eintraten, waren deutsche Spione im Land der unbegrenzten Möglichkeiten aktiv. Das Ziel war es einerseits, Informationen zu beschaffen, um ein möglichst vollständiges Bild von dem Gefahrenpotenzial des potenziellen Gegners zu erstellen. Außerdem dienten die Aktivitäten der Vorbereitung von Sabotageakten. Damit sollten die Wirtschaft und damit die Kriegsproduktion nachhaltig Schaden erleiden.

Der amerikanischen Spionageabwehr gelang es aber, den Großteil dieser Bemühungen schon vor dem Kriegseintritt der USA am 11. Dezember 1941 zu zerschlagen. Mit insgesamt 33 verurteilten Agenten ist der Spionagefall um den deutschen Duquesne-Spionagering bis heute der größte dieser Art in den USA, der in Verurteilungen endete.

Vielschichtiges Agenten-Netzwerk

Namensgeber und Mittelpunkt des deutschen Agentennetzwerks war der ehemalige Hauptmann Frederick „Fritz“ Joubert Duquesne, der bereits im Ersten Weltkrieg für Spionage- und Sabotageaktivitäten ausgezeichnet worden war. Ab 1940 lässt sich Duquesne als Inhaber eines Geschäfts in New York City nachweisen.

Zusammen mit Paul Fehse, der als Koch auf amerikanischen Schiffen arbeitete, unterhielt er ein breit gefächertes Netzwerk aus Agenten, die in unterschiedlichsten Positionen tätig waren. Alle Informationen liefen bei Duquesne und Fehse zusammen, wurden dort ausgewertet und schließlich weitervermittelt.

FBI-Fotografien der Mitglieder des Spionagerings

Der Spionagering umfasste eine Vielzahl an Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Buchhändler, Handelsreisende, Ingenieure, Funktechniker, Restaurantbesitzer, Mechaniker in den Docks von New York und Seeleute auf amerikanischen Schiffen.

Einige Agenten hatten direkten Zugang zu Informationen über neue technische Entwicklungen aus dem Waffen- und Flugzeugbau, oder auch zu Fracht- und Fahrplänen von Schiffen Richtung Europa. Andere Agenten wiederum agierten als Kuriere. Sie organisierten den Transport der beschafften Informationen als Mikrofilme. Zudem wurden codierte Informationen über Kurzwellensender versandt.

Einer der größten Erfolge des Spionagerings war das Beschaffen von Informationen zu einem der wichtigsten amerikanischen Militärgeheimnisse, einem innovativen Bombenzielgerät der U.S. Air Force. Die deutsche Luftwaffe konnte mit diesen Erkenntnissen eine ähnliche Konstruktion nachbauen und einsetzen. 

Neben der Informationsbeschaffung plante der Spionagering auch Sabotageakte, die vor allem das Ziel hatten, die amerikanischen Lieferungen von kriegswichtigen Gütern an Großbritannien zu behindern. Die Aktivitäten reichten von Unruhestiftung unter Gewerkschaftern bis hin zur Planung von konkreten Bombenanschlägen.

Todesstoß durch Doppelagenten

Unter den Agenten des Spionagerings befand sich auch der deutschstämmige Maschinentechniker William Sebold, der seit 1936 die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß. Nachdem er bei einem Familienbesuch 1939 von der Abwehr, dem Militärnachrichtendienst Deutschlands, als Agent angeworben wurde, kontaktierte er über das amerikanische Konsulat das FBI und bot sich als Doppelagent an.

Sebold wurde anschließend durch den deutschen Geheimdienst in Hamburg ausgebildet und kehrte 1940 in die USA zurück. Das FBI sorgte dafür, dass Sebold als Ingenieur schnell Kontakte in New York aufbaute. So konnte er sich rasch als wertvolles Mitglied des Spionagerings etablierte.

FBI-Aufnahmen eines Treffens von Sebold (mit dem Rücken zur Kamera) und Duquesne

Die Hauptaufgabe Sebolds bestand darin, Informationen über eine Kurzwellen-Funkstelle, die das FBI für ihn betrieb, nach Deutschland zu übermitteln. Regelmäßig traf sich Duquesne mit Sebold und überbrachte diesem die zu übermittelnden Details. Dadurch ergab sich für das FBI ein klares Bild vom Umfang der Spionageorganisation und dem Wert der gesammelten Informationen. Dazu wurden die Treffen in Sebolds Büro mit Mikrofonen und Kameratechnik überwacht.

Nachdem das FBI genug Details zu den einzelnen Agenten des Spionagerings sowie Beweise zu deren Verurteilung gesammelt hatte, schnappte die Falle zu: Am 29. Juni 1941 wurden alle 33 Mitglieder verhaftet.

Insgesamt 300 Jahre Haft für Spionageaktivitäten

Der anschließende Prozess endete mit Gefängnisstrafen, die sich auf insgesamt 300 Jahre summierten. Duquesne erhielt mit 20 Jahren Haft die höchste Strafe. Der Doppelagent Sebold erhielt vom FBI eine neue Identität und wurde Hühnerfarmer in Kalifornien.

Für die deutsche Spionage in den USA im Zweiten Weltkrieg bedeutete die Enttarnung des Spionagerings einen entscheidenden Rückschlag. Die verlorenen Quellen konnten im Krieg nicht mehr kompensiert werden. FBI-Direktor J. Edgar Hoover feierte das Ergebnis als größten Erfolg der Spionageabwehr der USA überhaupt.