Stasi im Rentenalter – 68 Jahre seit Gründung des MfS

Der 8. Februar 1950 ist das offizielle Gründungsdatum des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS, kurz: Stasi). Als Synonym für Gewalt, politische Unterdrückung und Massenüberwachung ging sie in die Geschichte ein und prägt bis heute das Bild eines Geheimdienstes in der deutschen Öffentlichkeit.

Bei ihrer Gründung hatte die Stasi zwei geistige Väter: den allmächtigen sowjetischen Geheimdienst und die Sozialistische Einheitspartei SED. Vorläufer waren 1946 die „Deutsche Verwaltung des Inneren“ (DVdI), in der 1948 das sogenannte „K5 Referat“ organisiert wurde. Die „Kriminalpolizei 5“ war als Teil der politischen Polizei zuständig für die Entnazifizierung, die Abwehr von Attentaten und Sabotage, der Bekämpfung von antisozialistischem Gedankengut und der Funküberwachung. Faktisch kam ihr damit die Überwachung und Kontrolle von Gesellschaft und Politik zu. Aus der K5 ging dann ein halbes Jahr nach Gründung der DDR das MfS hervor.

In den 1950er-Jahren wuchs sowohl der Personalbestand als auch das Aufgabengebiet rasant an. 1956 hatte die Stasi schon 16.000 Mitarbeiter. Als Geheimpolizei stalinistischer Prägung sollte das MfS den Aufbau des Sozialismus und die Alleinherrschaft der SED absichern – „Schild und Schwert der Partei“ war das Motto. 1953 erhielt dieses Bild Risse, als es zu landesweiten Unruhen und Aufständen kam, denen die Stasi hilflos gegenüberstand. Nachdem die Unruhen von sowjetischen Panzern niedergeschlagen worden waren, schritt das MfS zur Tat. Unter dem neuen Minister für Staatssicherheit Ernst Wollweber wurden nun massenhaft Oppositionelle sowie tatsächliche und vermeintliche West-Agenten verhaftet.

1956, nach einem Streit zwischen Wollweber und Staatschef Ulbricht, wurde Erich Mielke zum neuen Minister für Staatssicherheit. Dort sollte er bis zur friedlichen Revolution 1989 bleiben. Mielke schrieb sich die Bekämpfung der „politisch-ideologischen Diversion“ auf die Fahne. Repressionen gegen Andersdenkende und westliche Einflüsse waren die Folge. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 kamen vor allem Aufgaben in der Fluchtverhinderung und Grenzsicherung dazu. Während der gesamten Zeit des Bestehens war die Auslandsspionage ein gesonderter Arbeitsbereich im Ministerium für Staatssicherheit. Zuständig war die Hauptverwaltung A, kurz HV A. Ihr oblag insbesondere die Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland, alliierte Militäreinrichtungen und Organisationen. Daneben gehörte auch die Überwachung von ausgereisten DDR-Oppositionellen zum Aufgabenprofil der HV A.

Die friedliche Revolution, Mauerfall und die Auflösung des DDR-Staates kam auch für die Stasi abrupt. Eigentlich vorbereitet zur Niederschlagung jeder organisierten Opposition verharrte die Stasi 1989 ohnmächtig. Am 15. Januar 1990 drangen Oppositionelle und Bürgerrechtler in die Festung der Stasi-Zentrale ein und besetzten den gesamten Gebäudekomplex. Danach begann die organisierte Auflösung der Stasi und ihrer über 90.000 Mitarbeiter. Dabei gelang es der HV A am Runden Tisch durchzusetzen, dass sie ihr gesamtes Archivgut vernichten konnte. Das restliche Stasi-Archiv von über 100 laufenden Regalkilometern ging in die Ägide des neuen Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit (BStU) über.

Seit dem 5. Februar 2018 gibt es die Berliner Mauer genauso lange nicht mehr, wie sie zuvor existierte. Mauer und Stasi stehen wie keine zweiten für die zweite Diktatur auf deutschem Boden. Die Erinnerung und historische Aufarbeitung ihrer Hinterlassenschaften dauern bis heute an.

 

Bilder
Haus 1 Stasi-Zentrale, heute Stasi-Museum: Angela Monika Arnold (=44Pinguine) [CC BY-SA 3.0]
Stürmung Stasi-Zentrale: Bundesarchiv_Bild_183-1990-0115-034