Spionagetechnik: Informationsaustausch mit toten Briefkästen und Containern

Nachrichtendienste sammeln und analysieren alle Arten von Informationen. Besonders relevant sind streng geheime Dokumente, Fotografien und ähnliches, die zum Teil so brisant sind, dass sie sich nicht auf den üblichen Kommunikationswegen überliefern lassen. Ihre Entdeckung könnte das Leben der Quelle oder auch das Ansehen des spionierenden Landes gefährden. Seit der Antike setzen Spione für diese Zwecke Hilfsmittel ein, um die Informationen zu übergeben. Hauptsächlich handelt es sich dabei um sogenannte „tote Briefkästen“ (TBK) und „Container“.

„Tote Briefkästen“ sind in der Regel Gegenstände, in die versteckt ein kleines Fach eingelassen ist, in dem ein Agent unauffällig Nachrichten deponiert. Ein speziell präparierter Ast, ein loser Stein in der Mauer, ein Hohlraum in einem Seifenspender oder ein hohler Nagel in einem Zaun. Nachdem ein Agent die Nachricht dort versteckt hat, hinterlässt er ein unauffälliges Zeichen. Das kann zum Beispiel ein Kreuz an einer Wand sein, eine spezielle Mülltüte an einem Laternenpfahl oder auch zugezogene Vorhänge in einer Wohnung. Alternativ wurde die Hinterlegung der Nachricht im Vorfeld zeitlich abgestimmt. Sobald der andere Agent das Zeichen sieht (oder der abgesprochene Zeitpunkt gekommen ist), holt er die Nachricht ab. Der Vorteil: Die beiden Agenten treffen sich nicht – es kann also bei einem Zugriff feindlicher Geheimdienste immer nur ein Agent in die Falle gehen. Im Idealfall kennen sich die „Kommunikationspartner“ nicht einmal. Auch wenn einer der Agenten geschnappt wird, ist er nicht in der Lage, Informationen über den anderen preiszugeben.

Ein „Container“ hingegen ist ein beweglicher Gegenstand, meist aus dem Alltagsleben, der ebenfalls präpariert wurde, sodass er als Geheimversteck für die aufzunehmende Information fungiert. Ähnlich einem toten Briefkasten eignet sich hierfür nahezu jeder Gegenstand, genügend Einfallsreichtum vorausgesetzt: Batterien, Kleidungsstücke, Attrappen jeder Art. Der Phantasie sind nahezu keinen Grenzen gesetzt. Optimalerweise behalten diese Gegenstände ihre ursprüngliche Funktion bei, um ihre Enttarnung zu erschweren – das ist allerdings nicht immer machbar. Ein gelungener, fast schon eleganter Container ist ein Reiseschachspiel der Stasi. Es lässt sich unauffällig mitführen und nutzen. Erst wenn ein dünner Draht (etwa eine aufgebogene Büroklammer) in ein bestimmtes Loch eingeführt wird, öffnet sich ein Mechanismus und gibt die Geheimfächer frei.

Mit dem Eintritt ins digitale Zeitalter hat sich auch die Spionagetechnik weiterentwickelt. Informationen werden nun laut- und körperlos übertragen, digitale Daten und Signale ersetzen Papier und Fotos. Spionage und geheimdienstliche Arbeit verliert an Form und Körper, um an Geschwindigkeit zu gewinnen. Doch wer denkt, das Kapitel der toten Briefkästen und Container ist beendet, irrt – in modifizierter Form kommen die alten Techniken immer noch zum Einsatz: 2006 wurde in Moskau ein fußballgroßer falscher Stein gefunden, in dessen Inneren sich eine Art Minicomputer befand. Dieser sendete und empfing Nachrichten von Agenten, die in einer Entfernung von bis zu 20 Metern vorbeigingen. Russische Behörden bewerteten den Stein als Kommunikationsmodul eines in Moskau operierenden britischen Spionagerings. Einige Jahre später gab der ehemalige Büroleiter von Premierminister Tony Blair zu, dass die Briten tatsächlich die Urheber der Installation waren.