Faktencheck: „Verräter. Tod am Meer“. Ein ZDF-Krimi über die RAF-Stasi-Connection

Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, ebenso wie sein großer Bruder des sowjetischen KGB wurden bereits Ende der 1970er Jahre verdächtigt, mit Linksterroristen im Westen in Verbindung zu stehen. Spätestens nach dem Untergang der DDR kam dann die Gewissheit: die DDR hatte RAF-Terroristen Unterschlupf gewährt, freies Geleit über das Territorium der DDR garantiert und sogar einige Terroristen an Schuss- und Sprengwaffen ausgebildet. Doch gab es auch Aufträge für Anschläge im Westen? Diese Frage wurde immer wieder aufgeworfen, bis heute konnte jedoch kein Beweis gefunden werden.

Die künstlerische Freiheit jedoch muss sich nicht an diese Grenzen des Realen halten. Schon in dem Roman „Innere Sicherheit“ spannte Christa Bernuth den erzählerischen Faden weiter zu einem „Was wäre wenn?“ und schrieb einen Krimi, der sich genau dieser Frage nach der Instrumentalisierung von RAF-Terroristen durch die DDR annahm. Dieser Roman wurde nun verfilmt und lief gestern als Montags-Krimi im ZDF (21. August 2017, 20:15 Uhr).

Schwer zu beantworten ist bei dem Film manchmal die Frage, ob es sich um einen fiktiven Kriminalfall oder um ein Historiendrama handeln soll. Alles beginnt mit einer an der Ostsee angeschwemmten Leiche, die von dem Protagonisten in Volkspolizei-Uniform gefunden wird. Republikflucht? Nein, Mord. Mit einer West-Waffe. Schnell ist die Stasi da und reißt alles an sich. Doch nicht mit Martin Franzen (Albrecht Abraham Schuch), der weiter auf eigene Faust ermittelt. In der Realität war dies zwar genauso unwahrscheinlich wie unbelegt, doch der Zuschauer soll ja mit dem Helden mitgehen können, deshalb muss es eben „ein guter Bulle“ sein. Martin findet bald eine Freundin der Toten, Nina (Hannah Herzsprung), in Berlin und kommt dem Geheimnis auf die Schliche: beide waren bei der RAF, beide stehen im Fokus von Stasi und BND. Doch die Historie um Terroristen und Geheimdienste gerät zum Hintergrundrauschen, das persönliche Drama und die sich entwickelnde Romanze zwischen den Protagonisten steht im Vordergrund. Dazu etwas romantische DDR-Nostalgie. Und der Mörder wird schließlich auch enttarnt.

Am Ende bleibt der Film (wie auch der Roman) Geschmackssache. Die historische Realität wird bewusst verlassen, denn weder gab es direkte Aufträge an die RAF-Terroristen, noch Volkspolizisten, die sich über die Stasi hinwegsetzten oder in RAF-Aussteiger verliebten. Vielleicht hätte das Endergebnis jedoch von einem engeren Realitätsbezug mehr profitiert Als Hintergrund für einen Montags-Krimi taugt die DDR und RAF jedoch allemal. Und vielleicht sogar als Einstieg in eine tiefere Auseinandersetzung mit den tatsächlichen historischen Gegebenheiten.