Rückblick: Bonds Bösewichte und die Wirklichkeit

In der sich ständig verändernden Welt des Films gibt es seit 1962 einen Fixstern, auf den immer Verlass ist: Bond. James Bond. Gerade erst hat Daniel Craig zugestimmt, für eine Rekordgage auch im 25. Film der Reihe den Geheimagenten Ihrer Majestät zu geben. Bond bleibt, seine Gegenspieler ändern sich. Jeder seiner Aufträge führt Bond unweigerlich zu einem mächtigen Gegenspieler und seinen Schergen. Von Dr. No, Auric Goldfinger, Francisco Scaramanga zu Ernst Stavro Blofeld und seiner Geheimloge „Spectre“ – die Welt der Super-Schurken ist ein faszinierender Teil des Mythos James Bond. Nicht wenige der Bond-Bösewichter sind dabei enger an die Realität angelehnt als gemeinhin bekannt. Doch wie ist das Böse in den Bond-Filmen aufgebaut und wie trägt es zur Gesamtkomposition „James Bond“ bei?

Über diese Welt des Bösen in der 007-Reihe diskutierten am 10. August 2017 im Deutschen Spionagemuseum einer der größten Bond-Sammler weltweit, Christopher Distin, und der Spionage-Forscher Christopher Moran, Berater der Bond-Ausstellung im Spy Museum Washington. Untermalt wurde die Veranstaltung durch originale Film-Requisiten der Bond-Filme aus der Sammlung von Christopher Distin. Darunter Bonds Dienstwaffe Walther PPK mit Sensorgriff aus „Skyfall“, das Kostüm der amazonenhaften Leibwächter von „Octopussy“ oder die Maschinengewehre von Strombergs Wachen aus „Der Spion der mich liebte“.

So überzeichnet das Böse in den Bond-Filmen zum Teil wirken mag, es hat mehr mit der Realität gemein, als oftmals gedacht. Im Prinzip lässt sich das Böse in der Bond-Reihe als Reflektion über sich entwickelnde, reale Sicherheitsbedrohungen beschreiben, welche die öffentliche Wahrnehmung bestimmen und durch Geheimdienste bearbeitet werden. In den Hochzeiten des Kalten Krieges rückte der Ost-West-Konflikt als Projektionsfläche für die ständige Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse in den Vordergrund. So zum Beispiel in „Liebesgrüße aus Moskau“ oder „Octopussy“. Hier waren das die Furcht vor nuklearer Vernichtung oder die kommunistische Expansion. Dies führte zu wütenden Reaktionen in der Sowjetunion, die 007 offiziell zur Persona non grata machten. Der KGB engagierte sogar den bulgarischen Schriftsteller Andrej Gulaschki, um einen Anti-Bond-Roman mit dem Titel „Avakum Zahov“ gegen 007 zu schreiben.

In den folgenden Dekaden gab es einen Übergang zu organisierter Kriminalität und Drogenkartellen („Der Hauch des Todes“, „Leben und sterben lassen“), bevor die 1990er und 2000er Jahre Massenvernichtungswaffen und Cyber-Terrorismus („Casino Royale“, „Ein Quantum Trost“) thematisierten. Das jüngste Aufleben der Spectre-Geheimloge mit dem Super-Schurken Ernst Stavro Blofeld unterstreicht diese Entwicklung auch weiterhin. James Bond wurde von seinem Schöpfer Ian Flemming oft als machohafte Gute-Nacht-Geschichte abgetan. In den vergangenen 50 Jahren jedoch schuf die James Bond-Reihe eine ganz eigene, populäre Vorstellungswelt für Geheimdienstarbeit. Laut Christopher Moran hat das für die Nachrichtendienste selbst sowohl positive als auch negative Aspekte: Einerseits resultiert daraus oftmals eine unrealistische Vorstellung von der Arbeitsrealität eines Geheimdienstlers, die im allgemeinen viel häufiger einem Verwaltungsjob am Schreibtisch ähnele. Auf der anderen Seite aber freut man sich über die Imagepflege, da die Filme zumeist die Geheimdienste eindeutig auf die Seite der Guten stellen. So gab es nach manchen Bond-Streifen eine deutliche Steigerung an Bewerbungen.

In der abschließenden Fragerunde mit dem interessierten und zahlreich erschienenen Publikum gab es nicht nur Einblicke in den enormen Aufwand, der an manchen Bond-Sets betrieben wurde und spannende Hintergrundgeschichten. Auch Fragen über die Zukunft der Bond-Reihe wurde diskutiert, zum Beispiel hinsichtlich der Frage, ob es je einen schwarzen oder gar weiblichen Bond geben werde. Die beiden Experten stuften die erste Möglichkeit als wahrscheinlicher ein. Doch wie heißt es so schön bei Bond: „Sag niemals nie!“

 

Auch die nächste Veranstaltung im Deutschen Spionagemuseum beschäftigt sich mit der Verknüpfung von Fiktion und Realität. Der Literaturwissenschaftler Prof. Heinz-Joachim Müllenbrock und IT-Experten gehen am 24. August 2017 der Frage nach, in wieweit die Versionen einer überwachten Gesellschaft in George Orwells Klassikers „1984“ heute Realität geworden sind.