Zum internationalen Kindertag: Kinder in der Welt der Spionage

Der heutige internationale Kindertag soll auf die Rechte von Kindern aufmerksam machen. Denn immer wieder wurden und werden Kinder als willensschwache, formbare Menschen für die Zwecke anderer instrumentalisiert. Da verwundert es wenig, dass dies auch wiederholt in der Welt der Spionage passiert.

In der DDR hatte die Stasi mehrere Wege gefunden, Kinder als Informanten einzusetzen. So wurden die Kinder in der Schule mit unauffällig dahingehend abgeklopft, ob ihnen beispielsweise Lieder oder Personen von Sendungen des Westfernsehens vertraut sind. Die Fragen waren so harmlos formuliert, dass die Kinder nicht ahnten, ob sie damit unter Umständen eine Straftat der Eltern verrieten, denn West-Fernsehen und -radio war für bestimmte Berufsgruppen verboten.

Doch die Nutzung von Minderjährigen durch die Stasi gestaltete sich noch konkreter: Da die staatlich kontrollierten Jugendorganisationen wie die FDJ (Freie Deutsche Jugend) in den 1970er Jahren immer mehr ihren Einfluss auf die Jugend verloren, rekrutierte die Stasi Jugendliche, um Einblicke in neue Jugendkulturen zu erhalten. Durch vertrauensbildende Maßnahmen wie die vorgetäuschte Anteilnahme an den Problemen der Jugendlichen wurden diese dazu animiert, Freunde oder Klassenkameraden auszuspionieren. Historiker gehen nach dem aktuellem Forschungstand davon aus, dass der Anteil an minderjährigen Inoffiziellen Mitarbeitern im Mittel bei 0,8 Prozent lag. Die Folgen, die sich aus den weitergegeben Informationen für die Bespitzelten ergaben, waren für die Jugendlichen nicht abzusehen. Erst Jahre später wurde vielen der jungen Stasi-Spitzel der Umfang ihrer Spionagetätigkeit bewusst – oft resultierte das in traumatischen Schuldkomplexen.

Eine besondere Art der Beeinflussung erfuhren die sogenannten „Stasi-Kinder“. Sie wuchsen mit einem Elternteil auf, der Mitarbeiter der Stasi war, und wurden von früh auf geformt, um im besten Fall den Stasi-Nachwuchs der Zukunft sicherzustellen. Mehrere Publikationen haben dieses Thema mittlerweile aufgearbeitet. Viele dieser Kinder berichten von extrem strenger Erziehung mit harten Strafen, den das Kind eines Stasi-Mitarbeiters, das „aus der Reihe lief“ und anderweitige Lebensvorstellungen entwickelte, stellte auch eine Gefahr für die Karriere der Eltern dar. Gegenseitiges Vertrauen und Offenheit, die Grundlagen eines guten Eltern-Kind-Verhältnisses, konnten sich so kaum entwickeln. An den Folgen dieser Erziehung leiden zahlreiche „Stasi-Kinder“.

Auch heute noch scheinen Geheimdienste an Kindern und Jugendlichen interessiert zu sein. Vor 10 Jahren sorgte eine „CIA Homepage for Kids“ für Aufsehen. Hier sollten Kinder ab den Grundschulalter auf spielerische Art und Weise, etwa mit Comicfiguren und Computer-Spielen, an eine Spionagekarriere herangeführt werden. Vermittelt wurde grundsätzlich, wie spannend die Geheimdienst-Arbeit sei und dass sogar der Präsident die Ergebnisse seiner Spione zu schätzen wisse. Ähnliche Projekte gibt es auch von anderen Geheimdiensten, etwa der National Security Agency (NSA). Experten kritisierten, dass die jeweiligen Institutionen sich die Ahnungslosigkeit und Gutgläubigkeit der Kinder zu Nutze machen, um frühzeitig Nachwuchs zu formen.

Ein große Kontroverse lösten Pläne zum konkreten Einsatz von Kindern als Spione in Deutschland aus. Kinder und Jugendliche sollten als verdeckte Ermittler den illegalen Verkauf von alkoholhaltigen Getränken aufdecken. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) stellte 2007 einen entsprechenden Gesetzesentwurf vor, der die rechtlichen Rahmenbedingungen zu einem solchen Einsatz abstecken sollte. Der Plan, Kinder als Köder zu verwenden um Verbrechen aufzudecken, wurde von zahlreichen Organisation so scharf kritisiert, dass von der Leyen ihren Gesetzesentwurf schließlich zurückzog. In England, Kanada und Australien dagegen laufen ähnliche Programme mit Minderjährigen bereits. „Spy Kids“ werden dort regulär als Agenten eingesetzt, um den illegalen Verkauf von Alkohol und Tabak an Kinder aufzudecken.

 

Bilder:
Foto Schüler DDR: Bundesarchiv, Bild 183-N0417-0014 / Ludwig, Jürgen / CC-BY-SA 3.0