Spionage-Jubiläum – Vor 100 Jahren wurde die Zimmermann-Depesche entschlüsselt

Das Verschlüsseln von Nachrichten mit dem Ziel, sicher und geheim zu  kommunizieren, hat eine Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Genauso lange versuchen Experten mittels Kryptoanalyse solche Codes zu knacken. Während des Ersten Weltkriegs saß eines der berühmtesten Teams dieser Art in England: Die „Room 40“ genannte Abteilung befasste sich mit den geheimen Nachrichten des Deutschen Reichs.

In diesen Tagen jährt sich der wohl größte Erfolg des „Room 40“ zum 100. Mal: Die Entschlüsselung der sogenannten Zimmermann-Depesche. Dieses Ereignis trug maßgeblich zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten von Amerika bei. Bis 1917 verhielten sich die USA während des Ersten Weltkriegs neutral, standen aber gelegentlich dem deutschen Kaiserreich helfend zur Seite. So durften die Deutschen die amerikanischen Transatlantikkabel nutzen, da ihre eigenen zerstört worden waren. Diese Kabel nutzte der Staatssekretär des deutschen Auswärtigen Amtes, Arthur Zimmermann, und übergab der Botschaft der USA in Berlin ein codiertes Telegramm. Diese sendete es über London und Kopenhagen weiter zur deutschen Botschaft in Washington. Von dort schickte man es weiter an einen deutschen Gesandten in Mexiko. Der verschlüsselte Inhalt war brisant: Die Deutschen gingen auf die mexikanische Regierung zu und versprachen ihr ein Militärbündnis sowie Gebiete auf dem Territorium der USA, falls die Vereinigten Staaten in den Krieg eintreten würden. Diese spektakuläre Nachricht griffen die Engländer jedoch bereits in London ab und dechiffrierten sie durch Spezialisten der Abteilung „Room 40“. Hier wurde sofort das Potential der Nachricht erkannt. Sie könnte die Vereinigten Staaten dazu bringen, ihre Neutralität aufzugeben und in den Weltkrieg einzutreten.

Doch was tun mit diesem entschlüsselten Geheimnis? Die Engländer hatten ein amerikanisches Kabel angezapft, um an diese Erkenntnis zu gelangen. Damit konnte man nicht an die Öffentlichkeit gehen, ohne die USA schwer zu verärgern. Als Alternative diente ein englischer Agent in Mexiko, der Zugriff auf alle im Telegrafenamt von Mexico City ankommenden Depeschen hatte. Eine Information aus dieser Quelle ließ sich deutlich einfacher an die USA weitergeben. Die Enthüllung einer potenziellen Bedrohung an der Südgrenze des eigenen Landes brachte US-Präsident Wilson schließlich zur Entscheidung. Er spielte das Telegramm der Presse zu und sorgte damit für einen Meinungsumschwung innerhalb der amerikanischen Bevölkerung, die einem Kriegseintritt zuvor eher skeptisch gegenübergestanden hatte. Damit erhielt er auch die benötigte Rückendeckung für einen Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg. Diese erfolgreiche Entschlüsselungsaktion und der taktische Einsatz der so gewonnenen Informationen haben also den Verlauf des Ersten Weltkriegs maßgeblich beeinflusst.

 

Fotos: National Archives and Records Administration, NationalArchives.uk (Open Government Licence v3.0)