Rückblick: Stalins deutsche Spionin. Ilse Stöbe und das Auswärtige Amt

Ilse Frieda Gertrud Stöbe begann ihre Karriere als Stenotypistin und Sekretärin beim Berliner Tageblatt. Dabei war Stöbe seit 1929 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und ließ sich vom Bekannten ihres Chefs für die sowjetische Militäraufklärung GRU anwerben. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde Stöbe oberflächlich Mitglied der NSDAP während sie bis 1939 in Warschau als Korrespondentin der Neuen Zürcher Zeitung und Kulturreferentin der NSDAP arbeitete. Insgeheim jedoch erstattete sie Bericht nach Moskau und an die KPD. Kurz vor Beginn des deutschen Überfalls auf Polen kehrte Stöbe nach Berlin zurück und arbeitete in der Informationsabteilung des Auswärtigen Amtes. Nun erstattete sie Moskau von dort Bericht. So soll sie auch den bevorstehenden Angriff Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion gemeldet haben.

Im Herbst 1942 wurde Stöbe zusammen mit den prominenteren Mitgliedern der Roten Kapelle von der Gestapo verhaftet, im Gefängnis Plötzensee inhaftiert und nach dem Todesurteil am 22. Dezember 1942 hingerichtet. Die ganze Geschichte der Ilse Stöbe erzählen Hans Coppi und Sabine Kebir in ihrem Buch „Ilse Stöbe: Wieder im Amt. Eine Widerstandskämpferin in der Wilhelmstraße.“ Dies stellte Kebir und die Expertin des Instituts für Zeitgeschichte PD Dr. Elke Scherstjanoi, die im Auftrag des Auswärtigen Amtes den Fall Stöbe untersucht hat, am 1. Oktober 2019 im Deutschen Spionagemuseum vor.

Versiert gaben Kebir und Scherstjanoi Einblicke zu den Ursachen für die zahlreichen Fehlinterpretationen, die es auch von wissenschaftlicher Seite lange zu Ilse Stöbe gegeben hatte. Eng damit zusammenhängend gingen sie auch der Frage nach, wie es zu dem weitgehenden Vergessen Stöbes in beiden deutschen Staaten kam und gaben anhand von seltenen Privataufnahmen Einblicke auf den Menschen und die Persönlichkeit Ilse Stöbes.

Bis zum 10. Juli 2014 dauerte es, bevor Ilse Stöbe als Widerstandskämpferin gegen das Nazi-Regime im Auswärtigen Amt geehrt werden konnte. Kebirs und Scherstjanois Arbeit trugen zu diesem Umstand maßgeblich bei. Heute erinnert eine Ehrentafel in der Zentrale des Auswärtigen Amtes an Stöbe und andere Widerstandskämpfer. Symbolisch unterstützte auch der damalige Außenminister und heutige Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier das Buch mit einer Würdigung.


Zur nächsten Veranstaltung im Deutschen Spionagemuseum am 8. Oktober 2019 gibt Bestseller-Autorin Elisabeth Herrmann Einblicke in ihren Spionage-Thriller „Die Schatten der Toten“.