Wie Edward zu „Snowden, der Whistleblower“ wurde: Vorstellung der Memoiren „Permanent Record“

Wie wurde Edward Snowden zum bekanntesten Whistleblower des Planeten – und warum? Wer ist eigentlich der Mensch Edward Snowden, was motivierte ihn für die US-Geheimdienste zu arbeiten und dann ihre Geheimnisse zu verraten?

Darum geht es in Snowdens Memoiren „Permanent Record. Meine Geschichte“, die gestern, am 17. September 2019, zeitgleich in den USA und in Deutschland erschienen. Das war kein Zufall, denn auf Deutschland setzte und setzt Snowden immer besondere Hoffnung. Erst die vage Hoffnung, hier als Whistleblower Asyl zu erhalten und für den Friedensnobelpreis nominiert zu werden, dann vor allem die Hoffnung auf Veränderung. Gerne teilt Edward Snowden auch gegen die CDU und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel aus, so auch gestern, als er im Deutschlandfunk-Interview sagte: „Die bekannteste Position der CDU sei, keine Position zu beziehen.“

Snowdens Online-Präsenz bei der Buchvorstellung

Seit Snowdens Ankunft in Moskau 2013 traf der Whistleblower immer wieder deutsche Politiker wie den ehemaligen Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele und gab deutschen Journalisten zahlreiche Interviews, vor Ort und per Liveschalte. Online zugeschaltet wurde Snowden auch gestern bei der Vorstellung seines Buchs, live in der Urania in Berlin, moderiert von Holger Stark, Ressortleiter Investigativ DIE ZEIT. Eine andere Möglichkeit der Kommunikation wäre für einen „Techi“ wie Snowden auch kaum angemessen, andererseits aber auch aufgrund seiner Lebenssituation in Moskau kaum möglich.

Wie immer sprach Snowden dabei beredt, charmant und leicht zurückhaltend über seine Motivation, wie sein Vater und Großvater seinem Land zu dienen, weswegen er ursprünglich zur CIA ging. Und wie ihn der Schock über das Ausmaß und die Methoden globaler digitaler Überwachung letztlich dazu brachte, Geheimnisse zu veröffentlichen und zum größten Whistleblower der Geschichte zu werden. Einen Mitschnitt der Veranstaltung (mit leider miserabler Tonqualität) stellte der russische Propaganda-Sender RT Deutsch noch am Abend auf YouTube.

Persönliche Einblicke in die Welt eines Whistleblowers

Für das Buch engagierte Snowden einen Schriftsteller, der ihm dabei half, seine Lebensgeschichte in eine unterhaltsame und lesenswerte Form zu bringen. Auf eine gute Show und knackige Aussagen kann man bei Snowden immer vertrauen. Wer aber auf „die ganze Wahrheit“ gehofft hat, wird auch dieses Mal enttäuscht werden. Sehr persönlich wird der Whistleblower in dem Buch, als eine Antwort auf all diejenigen, die im vorwerfen, nur als Marionette russischer oder chinesischer Interessen gegen die USA zu dienen, hat er das Buch konzipiert. Doch über seine Lebensumstände in Russland, etwaige geheime Absprachen oder Überwachung durch russische Geheimdienste, erfährt man wenig bis nichts. Das Buch endet quasi mit seiner Ankunft in Moskau.

Wie immer also bleibt auch nach dieser Veröffentlichung noch viel Platz für Spekulationen und vor allem für weitere Bücher, Interviews und Filme. Wer den Menschen Edward Snowden besser kennenlernen und verstehen möchte, dem sei „Permanent Record“ auf jeden Fall ans Herz gelegt. Snowdens ehemaliger Arbeitgeber von der CIA in Langley scheint daran jedoch wenig gelegen: Per Eilantrag reichte sie Klage gegen das Buch ein, da es Snowden, anders als in seiner Geheimhaltungsvereinbarung mit der CIA unterschrieben hatte, nicht vorab zur Freigabe vorgelegt hatte. Dabei geht es dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst nach eigenem Bekunden nicht um ein Verbot des Buchs, sondern darum zu verhindern, dass der Whistleblower mit der Veröffentlichung von Geheimnissen Geld verdiene. Auch das endlose Kapitel „US-Regierung vs. Edward Snowdens Veröffentlichungen“ setzt sich also fort.


Bilder
Buchcover „Permanent Record“: S. Fischer Verlag
Snowden 2014: Freedom of the Press Foundation [CC BY 4.0]