Bielefeld-Verschwörung: Die ganze Wahrheit – Teil 2

Wie der BND der „Aktion Biele Feld“ auf die Schliche kam

Letzte Woche ließ das Deutsche Spionagemuseum die Bombe platzen: die sogenannte Stadt „Bielefeld“ ist in Wahrheit eine Erfindung des DDR-Geheimdienstes aus den Zeiten des Kalten Krieges! Zwei voneinander unabhängige Quellen belegen eindeutig, dass so etwas wie eine Stadt „Bielefeld“ nicht gibt und nie gegeben hat.

Aufgrund zahlreicher Anfragen, Kommentare und heftiger Reaktionen haben wir uns entschlossen, die Materialien, die zu der Enthüllung führten, in Gänze zu veröffentlichen. Zur Erinnerung: 2017 übergab ein anonymer Sammler dem Deutschen Spionagemuseum in Berlin mehrere Kartons. Neben verschiedener Original-Objekte, wie zum Beispiel eine F-21-Spionage-Kamera, wie sie bereits in unserer Ausstellung zu sehen sind, befand sich darunter auch ein Karton mit der vielsagenden Aufschrift „Aktion Biele Feld“. In tagelanger Kleinarbeit haben wir den Inhalt akribisch gesichtet und fanden zwei Dokumente, die Licht ins Dunkel bringen.

In Teil 1 unserer Serie stellten wir ein Dokument des DDR-Auslandsgeheimdienstes HV A vor, in dem die Ost-Spione die „Aktion Biele Feld“ beschreiben. Als Tarnung eines streng geheimen Bunkersystems im Großraum Münster, das als Rückzugsort und zur Durchführung geheimer Treffen benutzt wurde, wurden hier perfide Täuschungs- und Desinformationsmaßnahmen geplant. Kurzerhand erfand die Stasi eine fiktive Stadt mit dem Namen „Bielefeld“. Das Kalkül: die Stadt sollte so nichtssagend und reizlos daherkommen, dass niemand jemals auch nur einen Fuß in die Gegend setzen würde! Ein ehemaliger Offizier der Truppe bestätigte diese Maßnahmen sogar vor unserer Kamera.

Doch damit nicht genug. Denn könnte man hier vielleicht noch den Einwand erheben, es habe sich um großspurige Pläne gehandelt, die niemals umgesetzt worden wären, gibt es weitere Quellen, die die Richtigkeit der Angaben belegen. Der westdeutsche Auslandsnachrichtendienst BND („Bundesnachrichtendienst“) kam der „Aktion Biele Feld“ nämlich auf die Schliche! Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 rasten einige Klassenkämpfer aus der DDR schnurstracks zur BND-Zentrale in den Münchner Vorort Pullach, um ihr Wissen zu Geld zu machen. Einige dieser HV A-Offiziere erzählten auch detailreich über die „Aktion Biele Feld“. Besonders die Informationen einer ansonsten unbekannten BND-Quelle mit dem Decknamen „V911,1987“ fanden hier Verwendung.

Immer wieder bestätigten die westdeutschen Spione die Angaben, die der Ost-Geheimdienst bereits 1987 in seinem Plan vermerkt hatte. So wurden zum Beispiel hochrangige Bonner Politiker mit geheimen Sex-Videos erpresst, die in der Bunkeranlage auf Initiative des DDR-Geheimdienstes gedreht wurden. Auch das HV A-Dokument aus dem Jahr 1987, in dem die Tarnung der geheimen Basis durch die Erfindung der fiktiven Stadt „Bielefeld“ beschrieben wurde, war dem westdeutschen Dienst bekannt. Sogar die Tatsache, dass die Stasi dazu einen Agenten im Großraum Münster einsetze, war bekannt. Allerdings kannte ihn der BND – offenbar ein Tippfehler oder fehlerhafte Abschrift – als „Achim Heim“ (und nicht als IM „Achim Held“, wie ihn die Stasi bezeichnete). Von diesem aber hatte der BND noch nie gehört, weswegen eine Anfrage an die CIA nach Langley geschickt wurde. Eines jedoch konnte der BND bestätigten: Im Großraum Münster, zwischen Gütersloh und Herford, war weit und breit keine Stadt (und schon gar kein „Bielefeld“) zu finden!

Im Frühjahr 1991 dann besuchten die Agenten des BND zusammen mit ihren Kollegen von der Spionageabwehr des Bundesamtes für Verfassungsschutzes persönlich die Bunkeranlage im Großraum Münster. Was sie dabei fanden, verschlägt einem wahrlich die Sprache! Denn in der unwirtlichen Gegend, die von der restlichen Infrastruktur des Großraums Münster weitgehend abgeschnitten war, betraten die Agenten einen Gruselbunker. Alle Agentenutensilien, bis hin zu den Nylon-Strumpfhosen, die die Stasi dort in den 1950er-Jahren aufbewahrte, um westdeutsche Fräuleins für sich zu gewinnen, befanden sich nach wie vor dort. Das wahrhaft skurrilste Inventar war jedoch ein Seziertisch mit Werkzeugen und „gallertartiger blauer Hautfetzen und grünlich-schimmernder Tentakel“. Unfassbar: nicht nur einen geheimen Sex-Bunker und eine fiktive Stadt, sondern offenbar auch ein Alien-Labor unterhielt der DDR-Geheimdienst im Großraum Münster!

Das Fazit des BND über die „Aktion Biele Feld“ fiel eindeutig aus:

Nach aktueller Sachlage muss davon ausgegangen werden, dass es dem DDR-ND gelang, die Bevölkerung und Organe erfolgreich zu täuschen.“

Während der DDR-Geheimdienst also einen operativen Erfolg verbuchen konnte, stellte der BND – unter Bestätigung der Machtzentrale im Bonner Kanzleramt – fest:

„Nach Auswertung aller zur Verfügung stehender Informationen, Archive und Speicher liegen dem BND keine Erkenntnisse über die angebliche Existenz einer Stadt unter dem Namen „Bielefeld“ vor. Diese Einschätzung wird durch das Bundeskanzleramt geteilt.“

Das Rätsel um die sogenannte Stadt „Bielefeld“ ist damit endgültig gelöst!