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Was Sie vielleicht verpasst haben – der kleine Spionagerückblick 2018

2018 war in vielerlei Hinsicht ein turbulentes Jahr – auch bei der Spionage. Die extremsten und prominentesten Fälle waren sicherlich die Ereignisse rund um die Vergiftung des Doppelagenten Sergei Skripal in England und die Ermordung des Journalisten Dschemal Kaschoggi, zu welcher der türkische Geheimdienst Hintergrundinformationen lieferte. Abschließend aufgeklärt sind beide Fälle noch nicht. Auch abseits dieser in den internationalen Medien vielbeachteten Beispiele hat sich allerdings noch weit mehr in der Spionagewelt zugetragen. Ein kleiner Überblick über Spionagefälle, von denen Sie 2018 vielleicht noch nicht gehört haben – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Das Jahr 2018 war noch ganz jung, als im Januar die Tätigkeit eines Spions der iranischen Quds-Brigaden gegen den SPD-Politiker und ehemaligen Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Reinhold Robbe, öffentlich wurde. Die Quds-Einheiten sind eine Art Sonderkommando der iranischen Revolutionsgarden für exterritoriale Operationen. Die Bundesregierung bestellte daraufhin den iranischen Botschafter ein und protestierte in aller Schärfe gegen das Vorgehen. Anscheinend ging es bei der Spionageoperation darum, Personenkreise mit Israel-Bezug zu identifizieren.

Im Mai wurde der türkischen Regierung vorgeworfen, mit Hilfe eines Trojaners gezielt Smartphones der türkischen Oppositionspartei CHP ausspioniert zu haben. Durch fiktive Twitter-Accounts sei die Schadsoftware auf die Handys gelangt. Mit dieser Schadsoftware war es dann möglich, auf alle Informationen, die sich auf dem Handy befanden, zuzugreifen und zudem Kommunikation mitzuhören und mitzulesen. Pikantes Detail: Die Software stammt aus Deutschland. Allerdings hatte die betreffende Forma keine Export-Lizenzen, es ist also unklar, wie genau die Software in die Türkei gelangen konnte.

Mitten im Sommerloch sorgte die Nachricht für Aufsehen, dass der BND in Österreich zwischen 1999 und 2006 etwa 2000 Festnetzanschlüsse, Mobilnummern und E-Mail-Adressen ausspioniert hat. Österreichs Kanzler Kurz nannte den Vorgang „nicht akzeptabel“. Zu den Spionagezielen des BND gehörten wohl Bundesbehörden, Auslandsvertreten und auch internationale Organisationen. Wieviel und welche Art von Informationen dabei gesammelt wurden, ist unklar. Ebenso ist unbekannt, ob die Spionagetätigkeiten nach 2006 noch ausgeführt wurden.

Fast zeitgleich wurde dem russischen Auslandsgeheimdienst FSB vorgeworfen, die OSZE-Beobachtermission in der Ostukraine ausspioniert zu haben. Spionageziele waren demnach neben Adressen und Sicherheitsvorkehrungen auch private Informationen etwa über bevorzugte Frauentypen oder Alkoholprobleme. Damit könnten zum Beispiel Mitarbeiter unter Druck gesetzt und zur Mitarbeit gezwungen werden. Die Leitung der OSZE-Beobachtermission zeigte sich schockiert und sprach von einem schweren Schlag gegen die Organisation.

Anfang Oktober kam an Licht, dass es einer Spezialeinheit der chinesischen Armee gelungen war, Spionagechips in eine Vielzahl von Servern zu verbauen, die dann bei Unternehmen wie Amazon, Apple und auch im amerikanischen Verteidigungsministerium zum Einsatz kamen. Durch die Chips wurden die Geräte angreifbar und gespeicherte Informationen ließen sich leicht ausspionieren. Der Einbau geschah in den chinesischen Produktionsstätten durch bestochene oder unter Druck gesetzte Mitarbeiter. Ein interessanter Fall von Cyberspionage, der deutlich macht, wie viele Spionagemöglichkeiten eine globalisierte Weltwirtschaft bietet.

Schon lange hatten Mitarbeiter von Präsident Trump dessen fahrlässiges Verhalten bei der Nutzung seines Smartphones kritisiert. Im Oktober kam dann tatsächlich heraus, dass es chinesischen und russische Geheimdiensten gelungen sei, das Telefon des US-Präsidenten abzuhören. Trump benutzt drei Smartphones, von denen zwei durch die NSA abgesichert sind, eines aber ein handelsübliches Gerät ist, dass recht leicht angreifbar sei. Experten berichten, dass Trump oft die vorgeschriebenen Kontrollen für seine Smartphones aussetze, weil ihm die Sicherheitsüberprüfungen zu lästig sind.

Und nochmal Österreich – offensichtlich ein beliebtes Spionageziel: Im November kam es zwischen Österreich und Russland zu einer diplomatischen Krise, als ein Oberst des Bundesheeres beschuldigt wurde, während seiner aktiven Dienstzeit ganze 20 Jahre für Moskau spioniert zu haben. Die österreichische Regierung formulierte klaren Protest und bestellte Diplomaten ein. Der russische Außenminister Lawrow wies die Vorwürfe zurück und warf Österreich vor, mit den Vorwürfen vorschnell an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Die Krise ist auch vor dem Hintergrund interessant, dass sich Österreich zuvor im Gegensatz zu vielen europäischen Statten diplomatische Konsequenzen gegen Russland wegen der Skripal-Affäre abgelehnt hatte.

Dieser zugegebenermaßen nur sehr lückenhafte Überblick genügt, um deutlich zu machen, wie vielschichtig und aktiv die Geheimdienste weltweit arbeiten. Dabei bedienen sie sich sowohl klassischer Methoden, um ihre Opfer zu infiltrieren, als auch modernster Technik. Und natürlich ist immer davon auszugehen, dass der Großteil Spionageaktivitäten noch gar nicht als Licht gekommen sind. Über erfolgreiche Operationen spricht man in der Geheimdienstsparte nicht, manchmal dauert es Jahrzehnte, bis sich der Schleier der Geheimhaltung lüftet. Es wird also auch 2019 noch viel zu entdecken geben.