Infrarot-Aktenkoffer

Infrarot-Aktenkoffer – Spionage in der Dunkelheit

Infrarot-Aktenkoffer

Die Observation bei Nacht oder generell bei schlechten Sichtverhältnissen stellt für Geheimdienste immer ein Problem dar. Insbesondere vor der Entwicklung hochauflösender Digitalkameras machten sich die Technikabteilungen Gedanken darüber, wie Agenten aussagekräftige Fotoaufnahmen bei Dunkelheit anfertigen können, ohne einen verdächtigen Blitz zu nutzen. Eine Lösung, die in unterschiedlichen Varianten Anwendung fand, war der Einsatz von Infrarotlicht. Diese Technik hat den Vorteil, dass Objekte aufgrund der geringeren Streuung von infraroten Wellenlängen auch bei starken Sichtbeeinträchtigungen im infraroten Bereich besser sichtbar sind als in normalem Licht. Zudem bleibt die Infrarotstrahlung für das menschliche Auge unsichtbar, wodurch die Fototechnik unauffällig anwendbar ist.

Im Deutschen Spionagemuseum findet sich ein Beispiel der Technik von Infrarotaufnahmen gut versteckt in einem normalen Aktenkoffer – ideal also für den mobilen Spionage-Einsatz. Entworfen wurde dieses System von der Abteilung Operativ-Technischer-Sektor (OTS) in den 1970er-Jahren. Diese Spezial-Abteilung der Stasi war unter anderem zuständig für die Entwicklung und Fertigung technischer Spionagegeräte wie Mikratkameras und diverser Container. Im Koffer befinden sich eine Robot-Kamera mit Infrarotfilm und ein Infrarot-Blitzgerät. Beim Auslösen wird durch die infrarotdurchlässige Kofferwand geblitzt, dass Objektiv der Kamera verbirgt sich hinter dem Schmuckaufsatz des Kofferschlosses. Der Auslösemechanismus ist im Handgriff des Aktenkoffers versteckt und lässt sich unauffällig mit dem Daumen auslösen, während der Agent den Koffer geschlossen transportiert.

So wurde der Infrarot-Aktenkoffer bedient

Die verwendete Robot Star 50 war im Kalten Krieg eine beliebte Spionage-Kamera. Durch ihre spezielle Federmontur ist sie in der Lage, 50 Aufnahmen hintereinander auf Kleinbildfilm im Format 24 x 24 mm aufzunehmen. Das Modell wurde in Westdeutschland von der Robot Foto & Electronic GmbH mit Sitz in Düsseldorf gefertigt. Neben dem hier gezeigten Beispiel in einem Aktenkoffer wurden Robot-Kameras unter anderem auch in Taschen, Benzinkanistern oder Gießkannen eingesetzt. Um eine ferngesteuerte elektrische Auslösung der Kameras zu ermöglichen, entwickelte der OTS den Sondermagneten S 30. Er wurde am Auslöser befestigt, damit die Agenten den Auslösemechanismus aus der jeweiligen Tarnung heraus problemlos bedienen konnten. Im Deutschen Spionagemuseum befindet sich auch eine einzelne unverbaute Robot Star 50, an welcher sich der am Auslöser angebrachte Sondermagnet gut erkennen lässt.

Robot Star 50

Ein weiteres anschauliches Beispiel für die versteckte Nutzung von Infrarotlichtaufnahmen kann als Nachbau im Deutschen Spionagemuseum besichtigt werden: Ein Trabi 601 S mit Infrarotblitzlichtanlage in der Beifahrertür. Dieses im DDR-Straßenalltag völlig unauffällige Fahrzeug stellte die Stasi zum Beispiel vor das Haus einer zu observierenden Person und war so in der Lage, auch bei Nacht zu dokumentieren, wer dort ein- und ausging.

Trabi mit Infrarotblitzlichtanlage