Event date: 15.10.2026 19:00
Buchcover "Spione im frühen Kalten Krieg"

Im Epizentrum der Spionage

Neue Quellen entzaubern Mythen

In der heißen Phase des Kalten Krieges machten Geheimdienste europaweit, vor allem aber in Österreich und Deutschland, Tausende Menschen zu Akteuren, indem sie sie als Kuriere oder Informanten anwarben. Ein gerade erschienenes Buch rückt nun genau diese Menschen in den Mittelpunkt.

Das Buch bricht mit der reinen Politikgeschichte und beschreibt detailliert, wie Spionage auf der Mikroebene ablief. Welche unmittelbaren Gefahren drohten den Spionen selbst, ihren Familien und Freunden. Die gängige Annahme, Spione seien ausschließlich vom Geld getrieben und hätten in Unkenntnis der Risiken gearbeitet, wird hier widerlegt. Das Buch zeigt an nachrichtendienstlichen Modellen wie dem MICE-Modell (Money, Ideology, Coercion, Ego), dass fast immer eine komplexe Kombination aus materiellen Vorteilen, ideologischen Sichtweisen, Zwang und persönlichem Geltungsdrang zur Zusammenarbeit führte.

Das Buch basiert auf neuesten Forschungsergebnissen und enttarnt Spionage-Mythen. Durch die Auswertung einer breiten, teils erstmals verwendeten Quellenbasis bietet das Buch völlig neue Einblicke in die reale und oft tödliche Praxis der Geheimdienste. Ein prägnantes Beispiel ist die Analyse der CIA-Operation »Redsox«, die desaströs scheiterte, weil sie den Realitäten in der UdSSR nicht gerecht wurde und unzureichend ausgebildete Agenten wissentlich in die Hände der sowjetischen Abwehr geschickt wurden. Zudem hinterfragt der Band kritisch, wie Geheimdienste und Medien eigene Fiktionen und Spionage-Narrative konstruierten.

 

KOOPERATION MIT DER GEDENKSTÄTTE LEISTIKOWSTRASSE POTSDAM

 

TEILNEHMER

Dr. Ines Reich Leiterin Gedenkstätte Leistikowstraße Potsdam, Autorin

Prof. Dr. Bodo Hechelhammer BND, Autor

Prof. Dr. Siegfried Beer Historiker, Autor

Dieter Bacher Historiker, Autor

MODERATION

Prof. Dr. Helmut Müller-Enbergs Politologe, Autor