Event date: 15.09.2026 19:00
Pfarrer Brüsewitz

Eine öffentliche Selbstverbrennung

Das Fanal des Pfarrers Brüsewitz

DDR: Vor 50 Jahren wählte der Pfarrer Oskar Brüsewitz den Flammentod aus Protest gegen den Kommunismus. Seitdem wird über ihn gestritten und diskutiert. Doch wichtige Dokumente fehlten jahrzehntelang: Seine Personalakte war unter Verschluss. Jetzt ist sie offen! Und endlich kann das SED-Narrativ einer »psychischen Erkrankung« des Opfers widerlegt werden. Die Akte belegt die Integrität und Resilienz des unerschrockenen Pfarrers. Zudem zeigen die Quellen: Nicht allein die Stasi, sondern insbesondere auch die Volkspolizei hatten ihn wegen seiner kirchlichen Arbeit im Visier, vom ersten Tag an.

Rückblick: Am 18. August 1976 zündete sich der evangelische Pfarrer Brüsewitz vor der Michaeliskirche in Zeitz / Sachsen-Anhalt an. Mit einem Transparent hatte er zuvor gegen die Bildungs- und Kirchenpolitik der Partei- und Staatsführung der DDR protestiert. Die Nachricht von Brüsewitz‘ Selbstverbrennung verbreitete sich schnell in der DDR. Bundesdeutsche Fernseh- und Rundfunkstationen, die vielerorts zu empfangen waren, hatten ab dem 20. August 1976 wiederholt darüber berichtet. Daraufhin hatte die DDR-Nachrichtenagentur ADN eine Meldung herausgegeben, in der Brüsewitz als psychisch krank dargestellt wurde.

Etwa 400 Menschen kamen am 26. August 1976 zur Beerdigung, darunter 70 Pfarrer im Talar. Das Begräbnis erfolgte unter den Augen und der kompletten Kontrolle der Staatssicherheit. Die Veranstaltung beleuchtet die komplizierten Konfliktlinien zwischen dem Pfarrer Brüsewitz, Staat und Kirche.

 

TEILNEHMER

Helmut Matthies Zeitzeuge, Theologe

Prof. Dr. Wolfgang Stock Historiker, Autor

MODERATION

Prof. Dr. Helmut Müller-Enbergs Politologe, Autor