Aus einer kleinen Informationsstelle entwickelte sich der Militärnachrichtendienst GRU über Jahrzehnte zu einem globalen Nachrichtendienst und einem machtvollen Instrument russischer Außen- und Sicherheitspolitik. Die Aufgaben reichen von Spionage und verdeckten Operationen bis zu modernen Cyberangriffen.
Die Gründung der GRU unter dem Namen „Registrierungsverwaltung“ erfolgte 1918 im Zuge des Aufbaus der Roten Armee. Der Militärnachrichtendienst war zuständig für militärische Aufklärung, Spionage sowie strategische Informationsbeschaffung. 1926 kam es zur Umbenennung in „Statistische Informationsverwaltung der Roten Armee“ und einer sowohl personell als auch organisatorisch signifikanten Erweiterung. Ab 1942 erhielt die GRU ihren heutigen Namen (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije, dt. Hauptverwaltung für Aufklärung).
Im Zweiten Weltkrieg traten einige der prominentesten sowjetischen GRU-Spione in Erscheinung. Einer der Berühmtesten war Richard Sorge, der in Japan unter journalistischer Tarnung agierte. Seine Berichte zählen zu den bedeutendsten Geheimdienstleistungen jener Zeit. Er berichtete frühzeitig über Hitlers Angriffspläne auf die Sowjetunion.
Zudem informierte er Moskau darüber, dass Japan keine Angriffspläne gegen die Sowjetunion besaß, sondern sich auf den Krieg gegen die USA vorbereitete. In der Folge gelang es der sowjetischen Führung, Truppen aus Sibirien an die Westfront zu verlegen, was einen entscheidenden Beitrag zum Stopp des deutschen Vormarsches leistete.
Legendärer GRU-Spion: Richard Sorge, 1940 (Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1985-1003-020 / CC-BY-SA 3.0)
Wappen der GRU
Während des Kalten Krieges spielte die GRU eine zentrale Rolle in der sowjetischen Machtpolitik. Sie versorgte die Regierung in Moskau mit entscheidenden Informationen, die insbesondere in Krisenzeiten den politischen Kurs beeinflussten. Eine ihrer größten Erfolge war die Anwerbung eines französischen NATO-Offiziers, der unter dem Codenamen „Murat“ ab 1958 für die Sowjets arbeitete. Über Jahre lieferte er geheime militärische Dokumente und strategische Einschätzungen der NATO, die für die Sowjetunion von immensem Wert waren.
Doch seine Doppelrolle blieb nicht unentdeckt. Durch auffällige Reisen nach Rumänien geriet er ins Visier des französischen Inlandsgeheimdienstes DST. Schließlich wurde er enttarnt und verhaftet.
Der Zerfall der Sowjetunion sorgte für einen radikalen Wandel im Vorgehen des Geheimdienstes. So wurde der GRU weniger Personal und Budget zur Verfügung gestellt. Nach der Machtübernahme Putins wurde sie jedoch wieder zu einem wichtigen Instrument des Kremls im Ausland, da sie der einzige russische Geheimdienst ist, der über ein besonders breites Spektrum an Überwachungs- und Sabotagemöglichkeiten verfügt.
Heute besteht die GRU aus drei Hauptverwaltungen:
Alle Hauptverwaltungen befinden sich im GRU-Hauptquartier in Moskau. Seit 2018 steht Admiral Igor Olegovich Kostyukov an der Spitze der GRU. Bekanntheit erlangte jedoch vor allem sein Vorgänger, Igor Sergun, der im Januar 2016 unter teils mysteriösen Umständen verstarb.
Für mediale Aufmerksamkeit sorgt die GRU in jüngerer Vergangenheit vor allem durch Attentate gegen Kreml-Kritiker oder ehemalige Agenten. Für solche Anschläge und die Destabilisierung von Staaten ist die Einheit 29155 der GRU verantwortlich. So verübten Spione dieser Einheit einen Giftanschlag auf den ehemaligen Ex-Agenten Sergei Wiktorowitsch Skripal.
Skripal war seit den 1980er-Jahren Agent des GRU, wurde jedoch 1995 vom britischen Auslandsgeheimdienst MI6 angeworben. Als Überläufer machte er sich mächtige Feinde, da er für den MI6 russische Agenten enttarnte. Am 4. März 2018 wurden er und seine Tochter mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet. Beide überlebten das Attentat.
GRU-Hauptquartier, 2013, (Quelle: Гагыдза, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)
Der russische Militärgeheimdienst GRU führt derzeit eine intensivierte, hybride Kampagne gegen europäische Staaten durch, die Sabotageakte, Brandstiftungen und Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur umfasst. Dabei setzt der Dienst verstärkt auf kriminelle Stellvertreter („Wegwerf-Agenten“) und operative Netzwerke, um die westliche Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.
Geheimdienstexperten und Sicherheitsbehörden bewerten diese Aktivitäten als direkten „Schattenkrieg“, dessen Intensität zuletzt stark angestiegen ist. Die GRU spielt so eine aggressive und zentrale Rolle bei der Gestaltung der aktuellen russischen Machtpolitik.
Die GRU ist der militärische Nachrichtendienst Russlands und dem Generalstab der Streitkräfte unterstellt. Er ist für militärische Aufklärung, verdeckte Operationen und sicherheitsrelevante Informationen im Ausland zuständig.
Die GRU ist bekannt für militärische Spionage, den Einsatz von Speznas-Spezialkräften, Cyberangriffe, Desinformation und verdeckte Operationen weltweit.
Der FSB ist hauptsächlich für innere Sicherheit, Spionageabwehr und Terrorismusbekämpfung innerhalb Russlands zuständig. Die GRU hingegen ist ein militärischer Auslandsgeheimdienst mit Fokus auf militärische Aufklärung und Operationen außerhalb Russlands.