Pistole Astra Modell 200

Lady-Gun im Westentaschenformat

Waffen kommen in Geheimdienstkreisen in vielfältigen Ausführungen zum Einsatz. Dazu gehören Nahkampfwaffen, Giftwaffen oder auch Schusswaffen in raffinierten Tarnungen. Einige Schusswaffen fielen so klein und handlich aus, dass eine Tarnung gar nicht nötig war – sie ließen sich im wahrsten Sinn des Wortes in der Westentasche verbergen. Zu dieser Gattung gehörte auch die Pistole Astra Modell 200.

Im Grunde handelte es sich bei der Astra Modell 200, kurz M 200 genannt, um eine Kopie: Vorbild war die Pistole FN Model 1905 (nach dem Patentjahr), die meist als FN Model 1906 (nach dem Produktionsbeginn) bezeichnet wurde. Diese Waffen produzierte die französische Fabrique Nationale de Herstal zwischen 1906 und 1959 mit großem Erfolg. Die Pistole Astra M 200 wurde von 1920 bis 1967 durch das spanische Unternehmen Astra Unceta Y Compañia S.A. hergestellt. Sie war eine günstigere Variante, die aber dennoch durch eine hohe Funktionalität überzeugte. Insgesamt verkaufte sich dieses Modell über 230.000-mal. In den USA erfolgte der Verkauf unter dem etwas reißerischen Namen Astra Firecat. Es handelte sich um eine halbautomatische Pistole, auch als Selbstlader bezeichnet. Nach jedem Schuss rutschte die nächste Patrone automatisch aus dem Magazin in den Lauf. Im Gegensatz zu einer vollautomatischen Waffe musste allerdings für jeden Schuss der Abzug manuell betätigt werden.

Der große Vorteil der Astra M 200: Sie war gerade mal 11 cm lang und wog lediglich 360 g – nicht umsonst gehörte sie zur Gattung der sogenannten Taschenpistolen. Trotz ihrer Kompaktheit verfügte sie über drei Sicherungen, um eine unbeabsichtigte Schussauslösung zu verhindern: eine Handballensicherung, also ein Hebel an der Griffhinterseite, der beim Umfassen des Griffes gedrückt wurde, eine Magazinsicherung, welche die Schussfunktion blockiert, sobald das Magazin ganz oder teilweise entnommen wurde, sowie eine Sicherung in Form eines Hebels auf der linken Waffenseite, der manuell betätigt werden musste. Solche Waffen wurden vor allem für den Einsatz auf kurzer Distanz entwickelt. Die optimale Treffsicherheit lag bei 5–10 m Entfernung, bei größerer Distanz ab 15 m nahm sie rasch ab. Gezielte Attentatsschüsse auf längere Distanz waren also kaum möglich. Mehr Nutzen entfaltete die Waffe aber bei der Selbstverteidigung auf kurze Distanz. Tatsächlich wurde sie zumeist als handliche Zweitwaffe oder reine Selbstverteidigungswaffe beworben.

Das Magazin der Astra M 200 fasste sechs Patronen vom Typ 6,35 mm Browning. Dieser Patronentyp kam mit der FN Modell 1906 auf den Markt. Taschenpistolen mit diesem Kaliber fanden im Ersten und Zweiten Weltkrieg vor allem bei Offizieren Anwendung. Da sich Taschenpistolen leicht verstecken ließen, wurden diese häufig auch von Geheimdiensten genutzt. In der Sowjetunion zum Beispiel gab man die russische Pistole PSM, die der Astra 200 konstruktionstechnisch ähnelte, als Selbstverteidigungswaffe an Geheimdienstmitarbeiter aus. Auch die deutsche Polizei nutzte Taschenpistolen des Kalibers 6,35 mm Browning bis in die späten 1970er-Jahre. Zuletzt war dies übrigens bei der weiblichen Kriminalpolizei der Fall – das handliche Format der Waffe empfahl sich vor allem für die Nutzung mit kleineren Händen. Nicht umsonst trugen solche Taschenpistolen mitunter auch den bezeichnenden Beinamen Lady-Gun.