Mit rutschenden Hosen – Der letzte Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke am 11. Februar 1986

Mehrmals stand die Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Ein letztes Mal kam es dort im Februar 1986 zu einem Austausch gefangener Agenten zwischen Ost und West. Das Ereignis wurde mit großem medialen Interesse verfolgt.

Früher geheim, heute weltberühmt

Beim ersten Austausch auf der Glienicker Brücke am 10. Februar 1962 sah das noch ganz anders aus. Die damalige Aktion lief unter höchster Geheimhaltung ab. Erst im Nachhinein ging die Informationen vom ersten erfolgreichen Agentenaustausch zwischen Ost und West im Kalten Krieg an die Presse.

Beim zweiten Agentenaustausch am 11. Juni 1985 dagegen war die Presse dabei. Immerhin war es der größte Agentenaustausch im Kalten Krieg. Weniger als ein Jahr später kam es zum finalen dritten Austausch.

Als Vermittler zwischen Ost und West hatte wie bei allen Austauschen der Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel eine wichtige Rolle gespielt. Schließlich wurden am 11. Februar 1986 vier Personen, die im Osten wegen Spionagevorwürfen inhaftiert waren, gegen fünf Häftlinge aus dem Westen ausgetauscht. Dazu gehörte unter anderem das Ehepaar Kocher, die als eingeschleuste KGB-Agenten in den USA gelebt und die CIA ausspioniert hatten. Vogel persönlich begleitete die Personen über die Brücke.

Diplomatenpass von Wolfgang Vogel
[Sammlung Deutsches Spionagemuseum]

Bei einer Person allerdings entspann sich im Vorfeld ein Streit darüber, ob er tatsächlich als Agent anzusehen ist. Für die USA war der sowjetische Bürgerrechtler und Regimekritiker Anatoli Schtscharanski ein Freiheitskämpfer und nicht, wie von der UdSSR postuliert, ein Agent und Verräter.

Am Ende setzte sich die USA ihre Ansicht durch. Schtscharanski sollte daher symbolträchtig nicht zusammen mit den anderen Agenten, sondern vorher einzeln ausgetauscht werden.

Demütigung vor internationaler Presse

Der Fall des 1978 inhaftierten Schtscharanski hatte bereits zuvor große mediale Aufmerksamkeit erhalten. Aus diesem Grund waren am Tag des Agentenaustausches Hunderte von Journalisten vor Ort. Das Interesse war allerdings einseitig: Die Westpresse berichtete ausführlich, im Osten wurde das Ereignis nur am Rande erwähnt.

Die anwesenden KGB-Mitarbeiter rächten sich wegen des vorangegangenen Streits über Schtscharanski auf ihre Weise: Schtscharanski erhielt von ihnen eine zu große Hose ohne Gürtel. Bei seinem Gang über die Brücke musste er daher vor den laufenden Kameras der internationalen Presse seine Hose festhalten, damit diese nicht herunterrutscht.

Der isrealische Ministerpräsident begrüßt den freigelassenen Schtscharanski bei dessen Ankunft in Israel
[Government Press Office (Israel) / CC BY-SA 3.0]

Seinem Ansehen in der westlichen Welt hat der Vorgang nicht geschadet. Im Anschluss an den Agentenaustausch wanderte er nach Israel aus und änderte seinen Namen in Natan Scharanski. Er engagierte sich erfolgreich in der Politik und übte in den 1990er- und 2000-Jahren verschiedene israelische Ministerämter aus.

Trotz der Demütigung war der Austausch ein weiterer Schritt zur Entspannung zwischen Ost und West. Nur wenige Jahre später löste sich die UdSSR auf und der Kalte Krieg war Geschichte.