PETAL-Kamera

Mini-Kamera für verdeckte Fotografie

Die Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert eröffnete Spionen und Geheimdiensten eine völlig neue Art der Informationssammlung. Seither spielt sie sowohl bei der militärischen als auch bei der zivilen Aufklärung eine entscheidende Rolle. Zur verdeckten Fotografie wurden bereits ab Ende des 19. Jahrhunderts Mini-Kameras entwickelt. Ein besonderes Exemplar einer Mini-Kamera ist im Deutschen Spionagemuseum zu sehen: die PETAL-Kamera.

Die PETAL wurde Ende 1947 oder Anfang 1948 durch die PETAL Optical Company of Japan (St. Peter Optical Company) hergestellt. Sie war mit einem Durchmesser von gerade einmal 27 mm die kleinste Kleinbildkamera der Welt. Damit ließ sie sich problemlos in der Handfläche verbergen. Die PETAL war in der Lage, sechs runde Bilder von 6 mm Größe auf einer 25 mm großen Filmscheibe aufzunehmen. Sie verfügte über ein Fixfokus-Objektiv 12 mm (f/5.6). Eine geübte Person konnte das gewünschte Motiv auch ohne einen Blick durch den Sucher an der Oberseite der Kamera erfassen. Direkt an dem Sucher befand sich der Auslöser. Mit der Drehscheibe neben dem PETAL-Schriftzug wählte der Nutzer je nach Bedarf aus zwei möglichen Blendeneinstellungen (I = instantaneous, d.h. verzögerungsfrei, augenblicklich; B = bulb, d.h. beliebig, Langzeitbelichtung – hier blieb die Blende solange offen, wie der Auslöser gedrückt wurde). Das am meisten verbreitete Modell war die runde Version der PETAL-Kamera, wie sie auch im Deutschen Spionagemuseum zu sehen ist. Daneben gab es zwei weitere Versionen mit achteckiger Form.

Für Geheimagenten im Einsatz sehr praktisch: Die Filmscheibe befand sich in einer Spezial-Kassette, die sich auch bei Tageslicht einsetzen ließ, ohne dass das Filmmaterial Schaden nahm. Vor allem Privatdetektive in den USA nutzen die PETAL in der 1950er Jahren gerne, um verdeckt Fotos aufzunehmen. Als problematisch erwies sich allerdings die Tatsache, dass der notwendige Spezialfilm nur schwer zu beschaffen war. Falls kein Film zur Verfügung stand, gab es die Möglichkeit, mit einem speziellen Schneidwerkzeug 25 mm große Filmstücke aus herkömmlichen Filmmaterial herauszuschneiden und zu verwenden. Auch erforderte das Einlegen und die Herausnahme des Films in die Kamera erforderte viel Fingerspitzengefühl. Da die Kamera eine feste Verschlusszeit hatte, musste sie während der Aufnahme völlig ruhig gehalten werden, damit das Bild nicht verwackelt – das war im hektischen Einsatz nicht immer gegeben. Vielleicht lag in der etwas komplizierten Nutzung und den Problemen der Filmversorgung auch der Hauptgrund, weshalb sich die PETAL-Kamera auf Dauer nicht gegen die etwas größeren Minox-Produkte durchsetzen konnte.