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Das Kryptex

Zwischen Wahrheit, Fiktion und Verschwörungstheorie

Kryptex im SpionagemuseumDas Kryptex genannte Gerät erzählt eine etwas andere Geschichte als die Sammlung des Deutschen Spionagemuseums insgesamt. Denn das gut gesicherte Geheimversteck ist eine reine Erfindung und vor allem durch den Roman The Da Vinci Code (dt.: Sakrileg) aus dem Jahr 2003 und die gleichnamige Verfilmung bekannt. Dan Brown dachte sich das Gerät explizit für seinen Roman aus und verknüpft es geschickt mit dem Rätsel um den Heiligen Gral. Während das mysteriöse Objekt im Buch Leonardo da Vinci zugeschrieben wird, gibt es in Wahrheit jedoch andere Vorbilder, die den Autor möglichweise zu seiner Idee inspirierten. Die Idee von Dan Brown wurde 2004 durch den Kunsthandwerker Justin Kirk Nevins umgesetzt, der den ersten realen Kryptex schuf.

Die Story des Romans

Wie im Vorgänger Angels & Demons (dt.: Illuminati) kreiert der Autor eine Schnitzeljagd anhand von Werken berühmter Künstler, die zum Teil versteckte Botschaften enthalten. Während im früheren Werk vor allem der Künstler Gian Lorenzo Bernini im Fokus der Rätsel steht, findet man in Sakrileg viele Bezüge zu Leonardo da Vinci.

sakrilegDie fiktionale Geschichte in Sakrileg legt nahe, Maria Magdalena wäre die Ehefrau Jesu gewesen und beide hätten zusammen ein Kind gezeugt. Daher sei der Heilige Gral kein Gefäß, sondern Maria Magdalena selbst. Geheimgesellschaften wie die Prieuré de Sion und später der Templerorden hätten das Wissen um die so entstandene Linie von Nachkommen geschützt. In derartigen Kreisen sei Leonardo Mitglied gewesen und habe das Geheimnis in seine Kunstwerke einfließen lassen, insbesondere in das Gemälde Das Letzte Abendmahl. So dient es dem Spannungsbogen, dass ein kleines mysteriöses Gerät auftaucht, das angeblich von da Vinci erfunden worden sein soll. Es gibt den Inhalt nur preis, wenn man das entsprechende Passwort kennt. Öffnet man das Gerät gewaltsam, wird die enthaltene Information zerstört. Das stellt auch im Film Tom Hanks, Audrey Tautou und Ian McKellen vor große Herausforderungen.

Leonardo da Vinci – der Erfinder des Kryptex?

Dan Brown verbindet in seinen Romanen Fiktion, Fakten und auch Verschwörungstheorien, um seine spektakulären und spannenden Geschichten zu erzählen. So auch bei der Beschreibung von Leonardo da Vinci. Dass die reale Person Mitglied in irgendeiner Art von Geheimbund gewesen ist, lässt sich zum Beispiel nicht nachweisen. Dagegen ist Leonardo aber als Ingenieur bekannt und seine Konstruktionen wurden in den letzten Jahren immer wieder in TV-Dokumentationen vorgestellt und nachgebaut. Dabei handelt es sich häufig um Maschinen oder Waffen, die menschliche Arbeit und Kriegsführung vereinfachen sollten. Insofern könnte es also durchaus möglich sein, dass der geniale Erfinder auch ein Gerät erschuf, das Informationen sicher verbergen konnte. Tatsächlich lässt sich eine solche Erfindung aber bisher nicht nachweisen, obgleich Leonardo zahlreiche seiner Ideen schriftlich festgehalten hat.

Wenn aber Leonardo das Gerät nicht erfunden hat, von wem ließ sich der Autor dann inspirieren?

Weitere Vorbilder für Dan Brown

Das Funktionsprinzip, an dem sich das Kryptex orientiert, erinnert an ein Zahlenschloss, wie man es aus dem buchstabenschloss-nach-fontana_bearbeitetalltäglichen Gebrauch kennt. Auch hier gibt es Walzen, die in die richtige Kombination gebracht werden müssen, um das Schloss zu öffnen. Statt mit Buchstaben sind diese üblicherweise mit den Zahlen von null bis neun beschriftet. Die Idee zu dieser Art von Mechanismus entstand jedoch schon vor der Geburt Leonardo da Vincis (1452 n.Chr.). Bereits der arabische Ingenieur al-Dschazari beschrieb im 12. Jahrhundert die Konstruktion von Kombinationsschlössern. In einer spätmittelalterlichen Handschrift aus dem Jahr 1420 finden sich erste Abbildungen der sogenannten Malschlösser, die dem Kryptex durchaus ähnlich sehen.

Zumindest dieser Teil des Kryptex kann also keine reine Erfindung von Leonardo da Vinci gewesen sein. Auch der zweite Mechanismus, der mittels Essig angeblich das mit Informationen beschriftete Stück Papyrus zerstört, lässt sich in keinem der von da Vinci hinterlassenen Dokumente nachweisen – möglicherweise ist dies also eine reine Erfindung von Dan Brown.

Das Grundprinzip der mit Ziffern oder Zahlen beschrifteten Walzen findet sich nicht nur in Schlosssystemen, sondern wurde auch zur Chiffrierung von Geheimbotschaften genutzt. Thomas Jefferson erfand um 1790 die Jefferson-Walze, deren Konstruktion dem erwähnten Malschloss und dem Kryptex ähnelt. Mit ihr ließen sich Nachrichten Codieren und Decodieren. In den 1920er-Jahren wurde auf dieser Grundlage der Chiffrierzylinder M-94 konstruiert und vom US-Militär eingesetzt.

Richtig berühmt wurde das Prinzip Anfang des 20. Jahrhunderts: Elektronische Rotor-Chiffriermaschinen wie die Enigma, die ab etwa 1915 entwickelt wurden, verfolgten eine ähnliche Idee und die verwendeten Rotoren und Walzen weisen ebenfalls eine deutliche optische Ähnlichkeit mit Kryptex und Co auf.