Rückblick: Geheime Nachrichten im Kalten Krieg

Verdeckte Kommunikation und Verschlüsselungsverfahren gehörten schon immer zum Einmaleins der Geheimdienstarbeit. Mit den modernen Kommunikationstechniken des 20. Jahrhunderts hat die Bedeutung, Nachrichten verschlüsselt zu übermitteln, sogar noch zugenommen. Viele der raffinierten Verfahren, die Geheimdienste im Kalten Krieg entwickelten, um Informationen von Agenten in anderen Ländern zu empfangen und Instruktionen zu senden, erscheinen bis heute rätselhaft.

Am 11. Dezember 2018 brachte Technik-Experte Detlev Vreisleben im Deutschen Spionagemuseum etwas Licht ins Dunkel und erläuterte die verschiedenen Methoden der geheimen Kommunikation. Trotz des umfangreichen Themas, dass sich von Toten Briefkästen, Geheimschrift- verfahren und Mikropunkten über Schnellgeber sowie Radiofrequenzen bis hin zur Infrarot– und Satelliten- kommunikation erstreckt, gelang es Vreisleben, den Vortrag allgemeinverständlich und unterhaltsam zu gestalten.

Spannend war vor allem die Erkenntnis, dass viele alte Verfahren – jeweils angepasst an die moderne Technik – auch nach dem Ende des Kalten Kriegs zum Einsatz kommen. Tote Briefkästen etwa, die seit der Antike als Verstecke für die geheime Kommunikation genutzt werden. Heute sind diese sogenannten TBKs elektronisch, der Agent muss also nicht mehr Dokumente oder Fotografien im Versteck hinterlegen. Stattdessen versendet er die Daten mit spezieller Technik während er scheinbar unbeteiligt an der versteckten Empfangseinheit vorbeiflaniert. Ein anderer Agent holt die Informationen dann mit einem anderen Gerät ebenfalls auf dem Sendeweg ab. Die Gefahr einer Enttarnung des TBKs ist dadurch deutlich geringer, da die Agenten nicht direkt an den TBK heranmüssen. Ein solcher eTBK des britischen MI6, versteckt in einem künstlichen Stein, wurde 2006 in Moskau entdeckt.

Ein Höhepunkt des Abends war die Live-Präsentation alter Spionage-Technik: Vreisleben nahm einen alten Sprach-Morse-Generator aus den Beständen des Deutschen Spionagemuseums in Betrieb. Mit solchen Geräten verschickte das MfS automatisiert Nachrichten im Zahlencode über Kurzwelle an Agenten im Ausland. Diese ließen sich mit handelsüblichen Radiomodellen, sogenannten „Weltempfängern“, anhören und wurden anschließend von den Agenten entschlüsselt. Auch wenn Zahlensender heute nicht mehr die Bedeutung haben wie einst – ganz ausgedient hat die Technik noch nicht: Im größten Spionagefall seit Ende des Kalten Krieges in Deutschland 2013 erhielten das Ehepaar Anschlag ihre Befehle, Aufträge und Anweisungen vom russischen Auslandsgeheimdienst SVR ebenfalls über Kurzwelle.

In der anschließenden Fragerunde mit dem interessierten und zahlreich erschienenen Publikum konnten noch einige Unklarheiten beseitigt werden. Nur bei einem Punkt, der mehrfach aufkam, musste selbst der Experte passen: Welche Verfahren setzen Geheimdienste heute ein? Selbstverständlich geben die Dienste dazu niemandem eine Auskunft. In weiteren Veranstaltungen wird das Deutsche Spionagemuseum dennoch versuchen, auch den aktuellen geheimdienstlichen Arbeitsweisen nachzuspüren.

 

Die nächste Veranstaltung im Deutschen Spionagemuseum am 15. Januar 2018 befasst sich mit den Kontakten der Stasi zum Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik. Andreas Förster gibt einen spannenden Einblick in die Vielschichtigkeit dieser Beziehungen.